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22.10.1976 - 

Software - heute und morgen

Eine kritische Analyse - und Lösungen für die Zukunft

Der Einsatz von Datenverarbeitungsanlagen in der Bundesrepublik wird seit 20 Jahren sehr sorgfältig beobachtet. Wir wissen zum Beispiel aus der Diebold-Statistik, daß es Mitte 1975 in Deutschland General-Purpose-Computer im Gesamtwert von 19 Milliarden Mark gab.

Über die für diese Anlagen nötige, Software ist wesentlich weniger bekannt.

Immerhin wissen wir, daß 1973 ungefähr 1 Million Programme im Gesamtwert von 7,03 Milliarden Mark im Einsatz waren. Dieser Wert dürfte bis 1976 um ungefähr 30 Prozent gestiegen sein.

Für Softwareherstellung wurden in der Bundesrepublik 1972 schon fast 2 Milliarden Mark im Jahr ausgegeben. Etwa ein Drittel des mit Datenverarbeitung befaßten Personals in der BRD arbeitet in der Systemanalyse und Programmierung. Angesichts dieser Größenordnung kann man feststellen daß die wirtschaftliche Bedeutung der Software der Hardware kaum nachsieht. In dieser Beobachtung wird man bestärkt, wenn man erfährt, daß der durchschnittliche DV-Anwender heute mehr Geld für Personal und Software als für Hardware ausgibt.

Man kann annehmen, daß der Anschaffung neuer Hardware sorgfältige Überlegungen - wie bei jeder anderen Investition vorausgehen. Angesichts der hohen Beträge, die heute in Software investiert werden, ist es von Interesse, einmal zu untersuchen, wie hier die erforderlichen Investitionsentscheidungen getroffen werden.

Hier interessiert zunächst, woher die Benutzer ihre Software beziehen.

Im Jahre 1973 wurde etwa 90 Prozent der verwendeten Software von den Anwendern selbst gemacht. Nur 30 Prozent wurden von Firmen bezogen, die auf die Herstellung von Software spezialisiert sind.

Die Situation hat sich, wie eine Studie der Universität München zeigt, in den inzwischen vergangenen Jahren nicht wesentlich geändert. Danach wurden 1975 durchschnittlich immer noch 89 Prozent aller Programme selbst gemacht. Von außen bezogen wurden vorwiegend Programme für Lohnabrechnung oder Finanzbuchhaltung.

Man könnte vermuten, daß so wenig Software fremd bezogen wird, weil es kein entsprechendes Angebot an Standardsoftware gibt. Das trifft aber nicht ganz zu. Das Angebot an Softwarepaketen hat sich in den letzten Jahren stark vergrößert.

Etwa 40 Prozent der angebotenen Programme sind nur einmal installiert worden. Das läßt darauf schließen, daß für einen bestimmten Anwender durchgeführte Entwicklungen nun anschließend auch noch an andere Anwender verkauft werden sollen. Allgemein kann man sagen, daß die Installationshäufigkeit von Standardprogrammen nicht sehr hoch liegt.

Für deutsche Verhältnisse sind Programme mit mehr als zehn Installationen schon echte Renner.

Als Begründung für den relativ geringen Einsatz von fremdgefertigter Software wird immer wieder genannt, daß das Angebot für den Abnehmer nicht hinreichend transparent sei.

Wenn wir noch einmal darauf zurückkommen, daß erhebliche Mittel in Software investiert werden, so interessiert auch, wie lange eine solche Investition genutzt werden kann.

Untersuchungen von Logon haben 1973 sehr kurze Nutzungszeiten und hohe Aufwendungen für Wartung und Änderungen ergeben: Gewartet und geändert werden 33 Prozent der Programme alle ein bis sechs Monate, bei weiteren 27 Prozent waren Änderungen zwischen dem 6. und 12. Monat nötig. Hieraus kann man ein Änderungsvolumen zwischen 20 bis 25 Prozent des ursprünglichen Entwicklungsaufwandes pro Jahr ermitteln.

Die Frage liegt nahe, inwieweit die DV-Anwender eigentlich dieser Situation Rechnung tragen. Angesichts der hohen Ausgaben für Software und des beunruhigenden Langfristtrends wäre es besonders wichtig, eine sorgfältige Vor- und Nachkalkulation bei Software-Kosten zu machen. Dies ist nicht annähernd der Fall.

Man kann aus dieser Sachlage die Schlußfolgerung ziehen, daß die Situation der Software ein gewisses Unbehagen rechtfertigt.

Die überraschend hohen Entwicklungs- und Wartungskosten von Software in Verbindung mit der hinter Versprechungen und Erwartungen häufig zurückbleibenden Qualität der Programmsysteme haben in vielen Unternehmen und Organisationen zu einer schwierigen Situation geführt. Fortschritte auf dem Softwaregebiet sind unbedingt nötig.

Diese Fortschritte werden vor allem aus der mit dem Begriff "Software-Engineering" verbundenen Denkkategorie zu gewinnen sein. Es ist danach nötig, für die Herstellung von Software eine ingenieurmäßige Vorgehensweise zu entwickeln. Die wissenschaftlichen Grundlagen werden im wesentlichen von der Informatik geliefert, soweit die technische Seite der Programm-Herstellung betroffen ist.

In der Praxis sind Fragen der Organisation und des Managements für den wirtschaftlichen Erfolg von mindestens gleicher Bedeutung. Wir müssen deshalb neben der Informatik noch andere Disziplinen heranziehen, wie zum Beispiel die Betriebswirtschaftslehre oder auch die Systemtheorie.

Software-Engineering ist eine Ingenieurdisziplin. Deshalb gehört neben der Wissenschaft zu ihren Grundlagen auch die Verwertung von Erfahrungen aus der Praxis.

Wie bei jedem anderen Produkt gibt es für den wirtschaftlichen Erfolg drei Bestimmungsgrößen.

Qualität:

Funktionsumfang

Benutzungskomfort

Effizienz

Zuverlässigkeit

Änderbarkeit

Portabilität

Kosten:

Entwicklungs-Kosten

Wartungs-Kosten

Einsatz-Kosten

Zeit:

Entwicklungs-Dauer

Einsatz-Dauer

Entwickler und Auftraggeber müssen versuchen, den bestmöglichen Kompromiß aus sich zum Teil widersprechenden Entwicklungszielen zu finden.

Software-Engineering ist ein verhältnismäßig junges Gebiet. Immerhin können wir heute feststellen, daß es bereits zahlreiche Arbeitsergebnisse gibt, die eine nennenswerte , Besserung der Softwaresituation ermöglichen.

Es stehen heute Mittel und Methoden zur Verfügung, vor allem die Funktionen in der Softwareentwicklung und Wartung zu verbessern. Diese Funktionen sind Entwerfen, Implementieren, Testen, Dokumentieren, Verwalten, Messen, Konvertieren.

Hierfür kann der Anwender heute vom Hersteller der DV-Anlagen viele Werkzeuge bekommen, die ihm die Durchführung dieser Funktionen erleichtern. Typisch dafür sind Programmsysteme zur Einführung der strukturierten Programmierung, wie zum Beispiel Columbus, Entscheidungstabellentechniken oder automatische Programmgeneratoren.

Man sollte sich aber davor hüten, einzelne Lösungsansätze überzubewerten oder unrealistisch hohe Erwartungen an die in naher Zukunft erreichbaren Fortschritte in Richtung "automatischer Programmierung" zu hegen. Die größte Verbesserungsmöglichkeit dürfte in einem ausgewogenen Einsatz a Mittel und Methoden des Software-Engineering liegen.