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09.03.1984 - 

Peripherie solange herstellerindividuell, bis ISDN-Normung abgeschlossen

Eine Lanze für die analoge Nebenstellentechnik

Was denn unter digital überhaupt zu verstehen ist, im Zusammenhang mit Telefonnebenstellenanlagen und einer Verteidigung der noch vorherrschenden Analogtechnik, enthält der Beitrag von Manfred Schneider, Leiter des Geschäftsbereichs Private Nachrichtensysteme bei SEL in Stuttgart. Die heutigen analogen Anlagen enthielten Leistungsmerkmale, die von digitalen Anlagen erst zu einem späteren Zeitpunkt geboten werden könnten.

Was ist eine digitale Fernsprechanlage? Es ist zu unterscheiden zwischen Nebenstellenanlagen, in denen die Verarbeitung der vermittlungstechnischen Informationen durch Mikroprozessoren - also digital - geschieht und Anlagen mit digitaler Sprachübertragung. Die digitale Steuerung im eigentlichen Sinne gewann mit dem Einsatz von Mikroprozessoren in der Fernsprechtechnik zunehmend an Bedeutung.

Zur digitalen Sprachübertragung muß zunächst gesagt werden, daß erst der immense technologische Fortschritt auf dem Gebiet der Mikroelektronik wirtschaftlich möglich macht, was bereits 1937 von Alec Reeves, einem Wissenschaftler von ITT, erfunden wurde: Die Umwandlung analoger elektrischer Schwingungen in digital codierte Signale. Auf dieser "Puls-Code-Modulation" (PCM) basiert die Entwicklung digitaler Nebenstellenanlagen.

Beim PCM-Verfahren tastet man die analogen elektrischen Schwingungen (Amplituden) zu bestimmten Zeitpunkten ab und ordnet den ermittelten Wert (Probe) einer von 256 festgelegten Amplituden-Stufen zu. Diese Stufenwerte lassen sich durch 8-Bit-Codewörter darstellen, das heißt das analoge ist in ein digitales Signal umgewandelt.

Die Abtastrate hat man so gewählt, daß dem analogen Signal 8000 Proben pro Sekunde entnommen werden. Multipliziert mit den 8 Bit pro Codewort ergibt sich so ein Datenstrom von 64000 Bit pro Sekunde, also 64 KBit. Auf der "anderen Seite" des Übertragungsweges schließt die Digital-Analog-Rückwandlung den Kreis: Das gesprochene Wort wurde digital übertragen und anschließend (analog) hörbar gemacht (siehe Abbildung).

Telefon einziges Kommunikationsmittel

In Deutschland gibt es zur Zeit zirka zehn Millionen Fernsprechapparate, die an Nebenstellenanlagen angeschlossen sind. Bei rund acht Millionen Arbeitsplätzen in Büros zeigt die hohe Fernsprechdichte, welche Bedeutung die Telefonie als Kommunikationsmittel hat. Nach diversen Markteinschätzungen waren im Jahr 1983 für zirka 80 Prozent dieser Arbeitsplätze die Fernsprechapparate das einzige Kommunikationsmittel.

Darüber hinaus stellen Nebenstellenanlagen das Bindeglied dar für die interne Kommunikation und für den Fernsprechverkehr über sogenannte Hauptanschlußleitungen des öffentlichen Fernsprechnetzes zwischen nationalem und internationalem Fernsprechnetz mit insgesamt mehr als 500 Millionen Sprechstellen. Aus dieser Verflechtung ergibt sich die Notwendigkeit, daß künftig digitale Fernsprechanlagen mit diesem bestehenden Netz - das fast zu 100 Prozent analog ausgeführt ist - kommunizieren.

In Deutschland ist der technische Stand auf dem Gebiet der Fernsprechnebenstellenanlagen sehr hoch. Insbesondere durch die Rahmenregelung der DBP für Anlagen nach Ausstattung 2 wurden viele neue Leistungsmerkmale geschaffen und optimale Baustufen eingeführt. Gleichzeitig besteht durch die Softwarepakete für Leistungsmerkmale ein ausgezeichnetes Preis/Leistungs-Verhältnis für Fernsprechnebenstellenanlagen.

Nutzung neuer Dienste

Mit dem Aufbau digitaler Orts- und Fernämter schafft die DBP die Voraussetzungen für ein universelles Digitalnetz. Dies führt zu einem sogenannten dienstintegrierten Digitalnetz = ISDN (Integrated Services Digital Network). Mit diesem Netz werden Mehrdienst-Anschlüsse an Kanälen B + B + D = 2 x 64-KBit-Kanäle und einem 16-KBit-Kanal bereitgestellt.

Die 2 x 64-KBit-Kanäle ermöglichen - sowohl intern als auch extern - die gleichzeitige Nutzung von zwei Diensten auf einer Anschlußleitung zum Beispiel Sprache und Text oder Daten. Der 16-KBit-Kanal dient als Signalisierungskanal zwischen der Vermittlungseinrichtung und den Endgeräten zum Beispiel für Statusanzeigen bei Leistungsmerkmalen. Erst derartige Anschlüsse erlauben dem Benutzer von Nebenstellenanlagen die Nutzung neuer Dienste.

Heute steht jedoch noch nicht endgültig fest, wie die ISDN-Konfiguration im einzelnen aussieht, weil die Normungen dafür noch nicht abgeschlossen sind. In den internationalen Gremien des CCITT werden zur Zeit die Details für die ISDN-Zeichengabe und -Signalisierung erarbeitet. Es darf erwartet werden, daß Ende 1984 die Normungsaktivitäten abgeschlossen sind. Erste komplexe Pilotversuche mit ISDN-Terminals, ISDN-Nebenstellenanlagen und ISDN-Ämtern werden in der zweiten Hälfte 1986 von der DBP mit von den Firmen Siemens und SEL gelieferten Einrichtungen durchgeführt. Dies ist eine konsequente Fortführung der DBP-Entscheidung vom Oktober 1983, die digitale Vermittlungstechnik im Fernsprechnetz der DBP mit den Systemen EWSD von Siemens und System 12 von SEL aufzubauen.

Schlußfolgerungen

Die Diskussion um digitale Nebenstellenanlagen haben einen Umfang angenommen wie vor 20 Jahren das Thema Elektronik. Wie beim Thema "Elektronik" kommt es letztlich für den Benutzer nicht darauf an, ob eine Fernsprechanlage in analoger oder digitaler Technik ausgeführt ist. Für ihn ist lediglich ein Mehr an Leistungsmerkmalen und neuen Diensten entscheidend. Dem Fachmann und kritischen Betrachter stellt sich der Themenkomplex wie folgt dar:

- In einer analogen Umwelt bieten digitale Nebenstellenanlagen keine Vorteile, sondern eher Nachteile durch die notwendigen Digital-Analog-Wandler.

- Digitale Nebenstellenanlagen bieten dem Benutzer erst dann entscheidende Vorteile, wenn sie ISDN-fähig sind und voll in eine flächendeckend digitale, ISDN-fähige Umwelt eingebunden sind.

- Die Forderungen der Kunden, daß Nebenstellenanlagen mit marktgängigen, das heißt herstellerunabhängigen Terminals arbeiten, können heute nur mit analogen Geräten gewährleistet werden.

- Jegliche digitale Peripherie ist solange herstellerindividuell bis die

ISDN-Normung abgeschlossen ist.

- Analoge Nebenstellenanlagen der einschlägigen deutschen Hersteller bieten heute eine Vielzahl von Leistungsmerkmalen auch zum Teil solche, die von digitalen Anlagen erst zu einem späteren Zeitpunkt geboten werden können.

Entscheidungsträger, die die Neuschaffung von Nebenstellenanlagen wegen der Diskussion um "Digital und ISDN" vertagen wollen, sollten bedenken, daß der Einsatz von derzeitigen Nebenstellenanlagen und die daraus resultierenden Vorteile erst frühestens Ende dieses Jahrzehnts von ISDN-Nebenstellenanlagen - eingebunden in eine ISDN-Umwelt - überboten werden können.