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22.03.2002 - 

Server-Strategien/Alles eine Frage des richtigen Werkzeugs

Eine Migration will gut geplant sein

Oft werden ältere IT-Plattformen von Herstellern nicht mehr oder nur noch zeitlich begrenzt unterstützt. Wenn die Anwender einen kompletten Neuanfang wegen der hohen Kosten scheuen, bietet die Migration der Daten und Anwendungen in zukunftsfähige Systemumgebungen eine preisgünstige Alternative. Von Herbert Kurzfeld*

Viele Unternehmen nutzen seit Jahren Applikationen, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Zum Teil sind diese jedoch schon seit den 70er und 80er Jahren im Einsatz. Zwar arbeiten die Anwendungen und Verfahren, die größtenteils in Cobol, PL/1 und RPG geschrieben sind, heute weitgehend fehlerfrei. Aber die Entwicklung der OS/390- und BS2000-Welten stagniert, einige UNIX-Derivate werden von den Anbietern nur noch zeitlich begrenzt unterstützt. Daher ist die Wartung und Weiterentwicklung dieser Systeme mit hohen Risiken und Kosten verbunden, die Implementierung neuer Dienste und die Anbindung der laufenden Systeme an das Internet kaum zu realisieren.

Ein Weg aus dieser IT-Sackgasse ist die Migration. Diese bietet Anwendern die Möglichkeit, bewährte Applikationen und die vorhandene Datenbasis weiter zu nutzen, zugleich aber auch von den Vorteilen zukunftsorientierter Plattformen zu profitieren. Hier lassen sich zusätzlich moderne Standardsoftware und Internet-basierende Geschäftsprozesse problemlos implementieren, die Datenbestände in relationale Datenbanken überführen und bestehende User-Interfaces in eine grafische Oberfläche einbinden. Außerdem findet im Rahmen eines Migrationsprozesses eine Konsolidierung der Unternehmensabläufe statt.

Migration in drei StufenSystemintegratoren wie zum Beispiel die Comparex Informationssysteme GmbH aus Mannheim bieten Gesamtlösungen für verschiedene Migrationspfade an. Diese umfassen eine vollautomatisierte Migration der kompletten Anwendungsumgebung von der Machbarkeitsanalyse über Labortests und Durchführung bis hin zur anschließenden Reorganisation der IT-Strukturen. Ein solches Vorgehen soll Risiko und Kosten eines Migrationsprojektes minimieren.

Für die Übernahme der Softwarekomponenten - die Migration im engeren Sinne - bieten verschiedene Softwarehäuser eine Vielzahl von Werkzeugen an. Aber welches ist das Richtige? Die IT-Verantwortlichen haben die Qual der Wahl. Nicht alle Tools gewährleisten jedoch, dass ein Unternehmen nach der Migration die Vorteile der neuen Systemwelten voll nutzen kann.

Für die Migration einer kompletten Anwendungsumgebung eignen sich lediglich hochautomatisierte Tools. Diese reduzieren das Fehlerrisiko auf ein Minimum und gewährleisten die problemlose Wartung und Weiterentwicklung der Plattform. Da sie für unterschiedliche Quellsysteme einsetzbar sind, erlauben sie den Unternehmen, die mit heterogenen Systemen arbeiten, gleichzeitig, ihre Systembasis zu konsolidieren. Geeignete Produkte auf dem Markt sind zum Beispiel das "Trans-Tool-Set" des Herstellers Sun Microsystems und das "G7"-Migrationspaket des Softwarehauses GSE.

Das G7-Migrations-Paket richtet sich besonders an diejenigen IT-Verantwortlichen, die ihre Applikationen und Datenbestände von unterschiedlichen Plattformen auf ein einheitliches Zielsystem migrieren möchten. Im Rahmen eines strukturierten Migrationsprozesses werden dabei Anwendungskomponenten - dazu zählen Programme, Masken, Druckformate, Prozeduren, Datenstrukturen oder Anwendungsdaten - mit Hilfe integrierter Tools automatisch in eine Client-Server-Runtime-Umgebung überführt. Dieser Vorgang funktioniert von Sinix, Reliant Unix, HP-UX, BS2000, Bull DPS, ICL, Unisys, OS/390 und VSE auf die Zielsysteme Sun Solaris, AIX, Linux oder Windows 2000.

Umbau hinter den KulissenDas G7-Client-Server-Runtime-System bietet den Applikationen, die für das Zielsystem neu kompiliert werden, eine Infrastruktur, welche die Funktionalität des Quellsystems abbildet. Ferner sorgt ein speziell angepasstes Interface dafür, dass sich nach der Migration für alle Applikationen und Plattformen relationale Datenbanksysteme ohne Änderungen einsetzen lassen. Diese Schnittstelle zur Datenbank gewährleistet, dass die Anwendungen weiterhin mit den Cobol-Satz-Strukturen arbeiten können, obwohl die Informationen in der Client-Server-Umgebung bereits in einer relationalen Datenbank gespeichert werden.

Der Präsentations-Manager stellt die Masken der Anwendungen auf den Clients in der gewohnten grafischen Windows-Benutzeroberfläche dar. Maskenaufbau und die Anwendungslogik bleiben dabei unverändert. Die Runtime-Funktionen erlauben nach Abschluss der Migration eine problemlose Programmpflege und -weiterentwicklung.

Tools sollen Weg ebnenUnternehmen, die mit Cics/Cobol arbeiten und diese Umgebung erhalten möchten, adressiert das Trans-Tool-Set von Sun Microsystems. Dieses migriert Daten und Applikationen einer S/390/Cics/Cobol/Batch-Umgebung auf Sun-Server. Vorteil für die IT-Abteilungen dabei: Das Cics/Cobol-Know-how der Mitarbeiter kann weiterhin genutzt werden.

Trans ersetzt Cics auf Solaris 1:1. Die Runtime-Umgebung wandelt die Cics-Calls und Batch-Abläufe der neu kompilierten Applikationen in Unix-Statements um. Der Server stellt die dafür notwendigen User- und System-Ressourcen zur Verfügung. Auch künftige Anwendungen können dadurch die existierenden Cics/Cobol-Programmstrukturen nutzen.

Innovative Technologien lassen sich durch die native Java-Unterstützung von Solaris problemlos einbinden. Die erprobten Cics/ Cobol-Anwendungen können relativ einfach durch neue Java-Komponenten und -Schnittstellen ergänzt werden, die den Applikationen beispielsweise die Nutzung des Internet erlauben. Auf diese Weise können Administratoren mit dem Trans-Tool-Set Performance und Verfügbarkeit der Mainframe-Welt auf Unix-Server übertragen - ohne aufwändige und teure Entwicklungszyklen für neue Anwendungen.

Der Aufwand für ein Migrationsprojekt hängt von den speziellen Anwendungen ab und sollte in einer Machbarkeitsstudie konkretisiert werden. Im Rahmen dieser Analyse ist zu prüfen, ob Anwendungen im Einsatz sind, die nicht migriert werden können und im neuen System durch adäquate Programme ersetzt werden müssen. Den Migrationsprozess erfolgreich zu betreiben verlangt ein umfassendes Know-how über das Altsystem sowie Kenntnisse zu den Migrations-Tools sowie über die Zielplattform.

Ein "Proof of Concept" untermauert die theoretischen Ergebnisse der technischen Projektanalyse und minimiert die Risiken der Migration. Dabei wird ein repräsentativer Teil der Anwendungen in eine entsprechende Hard- und Softwareumgebung unter realistischen Bedingungen migriert. Dies ermöglicht es, die Konfiguration exakt zu evaluieren sowie die künftige Performance der neuen Plattform zu ermitteln und die Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse bereits im Vorfeld der Migration zu verifizieren.

Im Anschluss an die 1:1-Migration erfolgt das komplette Rehosting. Dies umfasst den produktiven Einsatz der migrierten Daten und Applikationen in der Zielsystem-Umgebung sowie die Neudefinition der gesamten Backup- und Recovery-Prozeduren. Dies ist notwendig, um die Stabilität des Systems zu gewährleisten. Auch Accounting-Verfahren, welche die Nutzungskosten auf die Anwender verteilen, müssen neu eingerichtet werden.

Durch den strukturierten Migrationsprozess öffnet sich die IT-Infrastruktur für neue Technologien und Internet-basierende Geschäftsmodelle. Die migrierten Anwendungen lassen sich dabei in die Web-Strategie des Unternehmens einbinden. Moderne Systemwelten bieten zusätzlich ein breites Spektrum an Standardsoftware, beispielsweise für Enterprise Resource Planning (ERP) oder Customer-Relationship-Management (CRM). Eine Migration kann außerdem die Kosten reduzieren: Durch die unproblematische Wartung und Weiterentwicklung verringern sich die Total Cost of Ownership (TCO) sowohl für die aktuellen Applikationen als auch für künftig adaptierte und implementierte Lösungen.

Ein weiterer Vorteil der Migration ist, dass der Aufwand für die Mitarbeiterschulung geringer ist als bei einer Neukonzeption der IT. Innerhalb kurzer Zeit sind die Administratoren mit den neuen Funktionen vertraut und können sie dafür nutzen, die Produktivität zu erhöhen und die Benutzeroberfläche der Anwendungen zu verbessern. Auf diese Weise erfolgt ein graduelles Change-Management, das für alle IT-Mitarbeiter einen unproblematischen Übergang gewährleisten soll. (ba)

*Herbert Kurzfeld ist zuständig für das Product Marketing und Business Development bei Comparex in Mannheim.

Abb: Trans-Tool-Set öffnet Tor zur Migration

Mit dem Trans-Tool-Set lassen sich Daten und Anwendungen aus der Cics/Cobol-Welt auf Sun-Server übertragen. Quelle: Comparex