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04.06.1976

Eine neue technologische Lücke? Datei - Austausch im Burst - Mode

Ein neuer "Technological Gap" zeichnet sich ab - für die Zukunft zwar erst, aber die Folgen der neuen Lücke lassen sich heute schon als Gefahr für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik und damit für Wachstum, Wohlstand und so weiter erkennen. Indes, noch besteht die Möglichkeit rechtzeitiger Korrektur.

Im CW - lnterview der Woche ("Alternative zum Realtime - Dinosaurier?", Seite 4) legt Arnold Pott, Direktor für DV und Systemorganisation bei der Thyssen Niederrhein AG dar, daß Distributed Processing nur dann ein Ausweg aus der unabdingbaren Ineffizienz sehr großer zentraler Systeme integrierter Realtime - Anwendungen ist, wenn die Möglichkeit superschnellen Datei - Austausches zwischen Subsystemen eines Computer -Verbundes besteht. Etwa bei zeitkritischen, komplexen Systemen umfangreicher Fertigungssteuerung im Verbund sei ein Austausch großer Dateien in kurzen Intervallen nur im Burst - Mode auf Breitband - Leitungen zu realisieren, deren Kapazität um eine Zehnerpotenz über den 48 K - Baud liegen, die heute von der Post als schnellste Leitungen regulär angeboten werden. Planungshorizont für diese Notwendigkeit: Bereits fünf bis etwa zehn Jahre.

Fehlplanung für das nächste Jahrzehnt?

Die Bundespost konzentriert die angesichts anderer gesamtgesellschaftlicher Bedürfnisse zwangsläufig begrenzten Mittel in den Aufbau des Elektronischen Datenvermittlungssystems EDS, das bereits 1980 realisiert werden soll. Hierbei geht es um die üblichen Geschwindigkeiten und ein bißchen mehr. Vermittelte Netze im Mega - Bit -Bereich sind nicht in der Investitionsplanung für das nächste Jahrzehnt. Breitband -Standleitungen würden bei Bedarf sicherlich angeboten werden. Die ständige Punkt - zu -Punkt - Kopplung ist aber für Datei - Austausch im Burst - Mode nicht erforderlich und wäre deshalb wohl auch viel zu teuer.

Demgegenüber ist heute schon sicher, daß in den USA die geforderte informationstechnische Infrastruktur rechtzeitig zur Verfügung stehen wird - vermutlich über Domestic - Satellite - Verbindungen (CW - Nummer 12 vom 19. März 1976, "Satelliten verändern die Telekommunikation").

Oft genug ist betont worden, daß die Bereitstellung der für effiziente Datenverarbeitung erforderlichen Leitungen zu kostengünstigen Bedingungen zur Infrastruktur einer Industrienation so gehört, wie Straßen und Eisenbahnlinien eine wichtige Voraussetzung für das Wirtschaftswachstum der Entwicklungsländer sind.

Wer weiß, was die Anwender wollen

Andererseits ist der Bundespost kaum ein Vorwurf zu machen. Nachweislich werden die bisher zur Verfügung gestellten schnellsten Leitungen nur sehr wenig genutzt. Die Post weiß nicht, was die Anwender künftig wollen, und sie kann und darf nicht Milliarden -lnvestitionen in Angriff nehmen, nur weil auf wissenschaftlichen Symposien Professoren und nur gelegentlich mal ein weitblickender Anwender - wie Pott in dieser CW - entsprechende Forderungen erheben.

Es ist also dringlich, daß die Anwender - betroffen sind die großen Unternehmen und Konzerne - sich selber darüber klarwerden, welche Formen des Distributed Processing sie im nächsten Jahrzehnt realisieren wollen. Dann wären möglichst bald detaillierte Gespräche mit der Bundespost zu führen, damit geklärt wird, welche Infrastruktur -Maßnahmen notwendig sind, um in der Bundesrepublik auch künftig eine leistungsfähige und kostengünstige Datenverarbeitung sicherzustellen, die wir als Industrienation benötigen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Es sollte doch eigentlich gelingen, einen neuen Technological Gap - der zur Zeit zwar noch nicht besteht, morgen allerdings eintreten könnte - von vornherein zu vermeiden. Hier könnten sich auch die User - Groups der Großanwender verdient machen. Anlaufstelle bei der Post wäre das Fernmeldetechnische Zentralamt Darmstadt, Abteilung B 12.