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24.05.1996 - 

Speichern und Archivieren/Es müssen schon Gigabytes an Kapazität sein

Eine riesige Nachfragewelle schiebt den Speichermarkt an

Waren es vor 20 Jahren nur rund 175000 Festplatten, die pro Jahr verkauft wurden, so stieg die Zahl bis heute auf über 90 Millionen an. Für 1998 prognostiziert der "Disk-Trend-Report" sogar 132 Millionen Shipments. Festplatten und Disk-Arrays sind bei den Massenspeichern zwar führend, doch auch die Anzahl und vor allem die Kapazität der anderen magnetischen und optischen Speichermedien steigen unaufhaltsam.

Neben der Menge der verkauften Platten nimmt besonders ihre Speicherkapazität immer weiter zu. Die zur Zeit meistverkauften Hard Disk Drives (HDDs) fassen 500 MB bis 1 GB. Ihr Durchbruch am Markt kam im vergangenen Jahr. 1998 sollen Platten mit 2 bis 3 GB den größten Anteil am Markt haben. Davon sollen laut "Disk-Trend-Report" dann zirka 58 Millionen im Jahr verkauft werden.

Laufwerke der Baugröße 3,5 Zoll liegen dabei klar in Front, doch auch die Anzahl der vor allem in Notebooks verwendeten 2,5-Zoll-Laufwerke und der PC-Card-1,8-Zoll-Platten steigt kontinuierlich an. Alle größeren Formate ab 5,25 Zoll aufwärts verlieren immer mehr an Bedeutung, die verkauften Stückzahlen gehen zurück.

Eine Neuankündigung im 5,25-Zoll-Bereich scheint jedoch bemerkenswert. Seagate will die "Elite 23" mit mächtigen 23,4 GB im Juli oder August dieses Jahres auf den Markt bringen. Diese Platte hat damit die zweieinhalbfache Kapazität der größten zur Zeit verfügbaren HDDs.

Doch nicht nur die Eigenschaften der Platten ändern sich ständig, sondern auch die Hersteller. Gab es am Anfang des Jahrzehnts noch 57 Produzenten dieser Speichermedien, so waren es 1995 nur noch 24. Quantum, Seagate, Conner und Western Digital gelten als Marktführer. Seagate ist seit der Übernahme von Conner am 2. Februar 1996 unumstrittener Kopf der Riege. Der Marktanteil dieser zwei vormals getrennten Unternehmen liegt zusammen bei rund 40 Prozent weltweit.

Die Plattenhersteller decken im allgemeinen sowohl den preissensiblen Massenmarkt wie auch das High-end-Segment ab. Bei Festplatten liegt die Einstiegsgröße im 3,5-Zoll-Bereich jetzt bei einer Kapazität von rund 400 MB. Zugriffszeiten unter 15 Millisekunden und Enhanced-IDE (E-IDE) sind in diesem Segment die Regel.

Den oberen Leistungsbereich beherrschen Platten mit bis zu 9 GB und einer Zugriffszeit um die acht bis neun Millisekunden. SCSI in den Varianten SCSI-2, SCSI-3 und Wide-SCSI ist vorherrschend.

Bei Desktop-PCs reicht eine einzige Platte meist noch aus. Server verlangen dagegen nach mehr, schnelleren und auch gegen Ausfall gesicherten Speichern. Mehrere unabhängige Platten bringen zwar mehr Speicherplatz, aber nur Disk-Arrays erhöhen die Geschwindigkeit und die Sicherheit. Diese kommen vor allem im Netzwerk, bei Multiuser-Systemen, Minicomputern und Mainframe-Systemen zum Einsatz.

Gegenüber der besonders sicheren, aber nicht ökonomischen Plattenspiegelung (Mirroring beziehungsweise Shadowing) setzen sich in letzter Zeit Raid-Systeme höheren Levels durch. Raid hieß ursprünglich "Redundant Array of Inexpensive Disks". Da "Inexpensive" wohl nicht ganz den Punkt traf, wurde es später in "Independent" umbenannt.

Raid 5 hat den größten Anteil an den Raid-Systemen mit zirka 70 Prozent. Etwas über 20 Prozent entfallen auf Raid 0 und 1. Diese sind nicht fehlertolerant, steigern aber meist den Datendurchsatz.

So wie die Kapazitäten bei den fest installierten Platten immer weiter klettern, so steigt auch der Bedarf an transportablen Datenträgern. Bei den auswechselbaren Medien machen die normalen Disketten zwar von den Stückzahlen her noch 95 Prozent aus, aber ihr Absatz erhöht sich nur noch wenig. 1994 waren es etwas über 75 Millionen weltweit, und diese Zahl wird nach Marktforschungen bis 1998 nur auf 92 Millionen ansteigen.

Wechselplatten mit hoher Kapazität sind dagegen gefragt. Ihr Marktanteil soll von über 200000 Laufwerken im Jahr 1994 auf 3,4 Millionen bis 1998 steigen. Der hohe Bedarf entsteht vor allem in den Bereichen Multimedia und Videoproduktion sowie für die Auslagerung von Internet-Daten und das Backup von PC-Systemen. Führend sind in diesem Bereich Syquest und Iomega.

Für größere Mengen an auszulagernden Daten existieren dann zwei ganz andere und sehr unterschiedliche Lösungen: die Bandlaufwerke, die sehr hohe Kapazitäten zu relativ niedrigen Datenträgerpreisen bieten, und die schnellen CDs mit optischer Abtastung.

Durch die langen Suchzeiten von über 30 Sekunden pro Band auch bei den schnellen DAT-Laufwerken (Digital Audio Tape) eignen sich Tapes eigentlich nur für das Backup beziehungsweise die langfristige Auslagerung von Daten.

CDs hingegen haben kürzere Zugriffszeiten und eignen sich somit auch als schnell durchsuchbares Archiv. Da die Preise für die "CD-Brenner" zum einmaligen Bespielen der Silberscheiben mittlerweise auf ein für den Massenmarkt relevantes Niveau gefallen sind, steigt die Anzahl der entsprechenden Laufwerke im Moment erheblich. Insgesamt gibt es im CD-Bereich zur Zeit die größten Änderungen.

Trotz der stark kommenden WORM-CDs (WORM = Write Once, Read Multiple) machen die Read-Only-Laufwerke im Moment noch den mit Abstand größten Anteil im CD-Bereich aus. Der "Disk-Trend-Report" prognostiziert für 1996 einen Anstieg auf über 44 Millionen Laufwerke. Das ist fast das Doppelte der 24 Millionen Auslieferungen von 1994.

CD-Drives: Geschwindigkeit schon verzehnfacht

Die Geschwindigkeit bewegt sich bei diesen Laufwerken mittlerweile im Bereich des Vier- bis Achtfachen, wobei der Bezugspunkt die Standardgeschwindigkeit der ersten Laufwerksgeneration (150 KB/s) ist. 1995 waren die Vierfach-Laufwerke mit 74 Prozent Marktanteil am stärksten vertreten.

Das erste Laufwerk mit zehnfacher Geschwindigkeit hat Pinnacle Micro Inc. am 4. April in Las Vegas vorgestellt. Die Datentransferrate von 1,5 MB/s ist vor allem für den Multimedia-Bereich inklusive Spielen interessant.

Die Read-Write-Laufwerke machen im Moment nur einen Anteil von rund drei Prozent des Gesamtvolumens aus. Sie unterteilen sich in die Varianten CD-R-Drives für die einmalige Beschreibung einer CD und in die CD-E-Drives. E steht für Erasable, also löschbar. Die mit beiden Laufwerkstypen produzierten CDs sind auch in Standardlaufwerken abspielbar.

Waren bisher CDs mit Kapazitäten von mehr als 1 GB nur in der Zwölf-Zoll-Klasse anzutreffen, so ist die nächste Generation der handlichen Standard-CDs mit erheblich höherer Kapazität und Datentransfer-Geschwindigkeit im Anrollen. Die Modelle hören auf den Namen Digital Video Disk (DVD).

DVDs speichern nicht nur über zwei Stunden Spielfilm mit Fünf-Kanal-Sound in drei Sprachen und zusätzlich noch Untertiteln in vier weiteren Sprachen, sondern sind auch für den Computerbereich interessant. Die Abmessungen von 120 Millimetern Durchmesser und 1,2 Millimetern Dicke sind identisch mit denen der normalen CDs und ersparen somit - auch den Herstellern - teure Umstellungskosten.

Die Speicherkapazität der DVD beträgt 4,7 GB schon in der Single-Layer-Variante und 8,5 GB im Dual-Layer-Betrieb. Die zwei Layer werden auf einer CD-Seite aufgetragen und hintereinander ohne Unterbrechung abgetastet. Die größere Speicherkapazität ermöglicht vor allem eine höhere Dichte der Pitches auf der CD.

Diese Datenmengen sind aber schon lange auf Tapes im handlichen Format speicher- und transportierbar. Ohne Kompression schaffen die 120 Meter langen Digital-Data-Storage-(DDS-)Bänder schon 4 GB und mit Kompression ungefähr das Doppelte. Die DAT-Laufwerke sind jedoch immer noch die gängigen High-end-Geräte im Tape-Sektor. DDS-2 und SCSI-2 gelten in diesem Bereich als Standards.

Da die mit dem im Massenmarkt verbreiteten QIC-80-Standard (QIC = Quarter Inch Cartridge) maximal mögliche Kapazität von 120 MB nicht mehr die Anforderungen moderner PC-Systeme erfüllt, mußte auch hier eine neue Norm her. "Tarvan" heißt sie. Die Tarvan-Standards TR-1 bis TR-3 sind Erweiterungen zu QIC-80 und dessen Nachfolgern. Die unkomprimierte Bandkapazität liegt bei bis zu 1,6 GB für TR-3. Angeschlossen werden diese Geräte je nach Ausführung über den Floppy-Controller, die parallele Schnittstelle oder auch über SCSI.

Wohl vor allem die CDs und ihre Weiterentwicklung sind der Bereich im Massenspeichermarkt, in dem sich zur Zeit am meisten tut. Festplatten und Streamer werden zwar immer leistungsfähiger, aber grundlegende Änderungen sind nicht auszumachen. Im Kielwasser der Massennachfrage nach Laufwerken setzt sich ein Anschlußsystem über alle Klassen hinweg durch: Ob Festplatten, Streamer, CDs, sie alle haben den flexiblen SCSI-Controllern zu großer Verbreitung verholfen.

Kurz & bündig

Vom PC-Boom haben selbst Mainframe-dominierte Rechenzentren was. Denn im Gefolge des Massenmarkts der kleinen Rechner sind die Preise fast aller Speicherlaufwerke und der entsprechenden Medien in den Keller gerutscht. Zugleich haben sich Speicherkapazität und Schreib-Lese-Geschwindigkeit drastisch verbessert. Die schnelle SCSI-Platte mit 1 GB Platz holt man sich jetzt für ein paar Hunderter vom PC-Shop um die Ecke - vor fünf Jahren noch völlig undenkbar. Und Multimedia-Anwendungen werden noch auf Jahre hinaus für Hunger nach immer mehr Platz für die Daten sorgen.

*Christian Schreiber ist freier Fachjournalist in München.