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05.12.2003 - 

Leserbrief

"Eine Sammlung von Stammtischargumenten"

Betrifft CW 48/03, Seite 28: "Offshoring verdeckt Management-Probleme"

Schon die Überschrift und die Zusammenfassung mit einer falschen Auslegung des Wortes "Offshoring" weckten bei mir die Befürchtung, dass der Ursprung des Artikels nicht eine fundierte Analyse war, sondern eine Sammlung von Stammtischargumenten: angefangen beim Beklagen unfähigen Managements über "Teufelsquadrate" und die Qualität-Kosten-Relation bis zu Arbeitslosigkeit und deutscher Wettbewerbsfähigkeit. Ich möchte daher versuchen, die Diskussion auf einen konstruktiven Umgang mit dem Thema "Offshoring" zu lenken.

Wenn Herr Steppan behauptet, dass sich viele Manager mit Outsourcing einen Problemherd vom Hals schaffen wollten, hat er Recht: Dies ist aber kein Management-Fehler, sondern üblicherweise eine bewusst getroffene Entscheidung. Man sollte allerdings nicht Outsourcing mit Offshoring verwechseln: Manche Unternehmen, gerade diejenigen, deren IT-Know-how unternehmenskritisch ist, verfolgen Offshoring als Inhouse-Aktivität, indem sie, wie beispielsweise SAP, Oracle und Siemens, eigene Unternehmensabteilungen im Ausland eröffnen. Andere beauftragen Offshore-Dienstleister mit Arbeiten, die traditionell an lokale Lieferanten vergeben wurden. Auch hier erfolgt kein Outsourcing, sondern lediglich ein Lieferantenwechsel.

Offshoring von IT-Dienstleistungen bedeutet die kostengünstigere Nutzung von Dienstleistungen der Softwareentwicklung, -wartung und des Betriebs aus einem weit entfernten Land wie Indien. Offshoring im IT-Sektor ist kein "Hype", sondern letztlich keine andere Entwicklung als die Globalisierung in anderen Branchen.

Und wie in anderen Branchen funktioniert auch das Offshoring nur mit einer hohen Qualität der eingekauften Leistungen. Zertifizierungen wie ISO 9001 und Qualitätsprogramme nach Six-Sigma oder CMM Level 5 erreichten Offshore-Anbieter häufig früher als traditionelle westliche Dienstleistungen. Mittlerweile beraten Offshore-Anbieter westliche Dienstleister in Qualitätsprogrammen.

Die Verfügbarkeit von hoch qualifizierten Mitarbeitern ist ein weiterer Grund für die Attraktivität der Offshore-Anbieter. An einem begrenzten Standort wie Bangalore beschäftigen Offshore-Anbieter Tausende von Softwareingenieuren mit profunden Kenntnissen über neueste Softwareprodukte und Programmierumgebungen. Diese Expertenballung erlaubt es, große Projekte fast beliebiger Technologien in kürzerer Zeit zu besetzen, als viele westliche Anbieter es können.

Stefan Meyerolbersleben,

Leiter Niederlassung Düsseldorf des Offshore-Spezialisten Wipro