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26.03.1993 - 

Grosse Preisspannen bei EIS-Produkten

Eine unklare Informationspolitik bringt die Anwender nicht weiter

26.03.1993

EIS - im Deutschen auch als Fuehrungsinformations-Systeme bezeichnet - sind DV-Systeme, die Fuehrungskraefte mit unternehmensinternen und -externen Informationen versorgen und - im Idealfall - von ihnen bedient werden.

Es liegt auf der Hand, dass Betriebe solche Systeme aufgrund von unternehmensindividuellen Rahmenbedingungen und spezifischem Management-Gebaren niemals als Fertigprodukte erwerben. Vielmehr sind lediglich Werkzeuge beschaffbar, mit deren Hilfe sich der EIS-Realisierungsprozess unterstuetzen laesst.

Eine Analyse des Softwaremarktes ergibt, dass zur Zeit etwa 15 solcher EIS-Werkzeuge verfuegbar sind, die durch ihre spezielle Ausrichtung die Entwicklung EIS-typischer Komponenten - wie Drill- Downs oder Exception-Reporting - erleichtern.

Grosse Unterschiede bei den Plattformen

Aber bereits die Preisspanne, die von wenigen tausend Mark bis hin zu einer Million Mark reicht, verdeutlicht sehr plastisch, dass diese Werkzeuge nicht einer Klasse zuzurechnen sind. So existieren gravierende Unterschiede bezueglich der verfuegbaren Hardwareplattformen, der Datenhaltung, der Funktionalitaet sowie der Systemflexibilitaet und -offenheit.

Leider werden diese Differenzen durch das Informationsmaterial der Software-Anbieter in aller Regel nicht deutlich. Selbst Produktpraesentationen, in denen Anbieter ein Muster-EIS als laufendes System vorstellen, ermoeglichen es kaum, die Leistungsfaehigkeit der Werkzeugumgebung zu erfassen.

Und zwar aus folgendem Grund: Bei solchen Demonstrationen zeigen Hersteller meist ausschliesslich EIS-typische Oberflaechen, die jedoch mit jedem - auch dem preiswertesten - EIS-Werkzeug einfach zu generieren sind.

Um diese Problematik zu verdeutlichen, seien im folgenden zwei Produktkonzepte vorgestellt.

EIS-Werkzeugumgebungen der unteren Preiskategorie sind meist ausschliesslich PC-orientiert und besitzen haeufig keinen oder lediglich einen geringen Funktions- und Methodenschatz, so dass benutzerinduzierte Aggregationen von Zeitreihen oder die Ad-hoc- Bildung von Kennzahlen sich im spaeteren EIS nicht werkzeugseitig unterstuetzen lassen.

Des weiteren weisen diese Produkte in aller Regel keine eigenen Datenhaltungs-Systeme auf, sondern integrieren im einfachsten Fall als Front-end verschiedenste, speziell zu entwikkelnde Vorsysteme unter einer gemeinsamen Benutzeroberflaeche.

Aufgrund der eingeschraenkten Produktfaehigkeiten laesst sich jedoch nicht folgern, dass diese Werkzeuge fuer den Aufbau komplexer, unternehmensumfassender EIS generell ungeeignet waeren. Vielmehr hat sich in der Praxis gezeigt, dass sie durchaus einen wertvollen Beitrag fuer die Entwicklung auch grosser EIS leisten koennen.

Allerdings sollte allen EIS-Projektbeteiligten vor dem Entwicklungsprozess der Nutzen und die Einsetzbarkeit dieser Werkzeuge im Implementierungsprozess vollkommen transparent sein. Es ist ein Irrglaube, dass bei der Verwendung preiswerter EIS- Werkzeuge auch die Kosten fuer das zu entwickelnde Gesamtsystem automatisch niedriger sein muessten als bei der Wahl teurerer EIS- Werkzeuge.

Haeufig ist sogar das Gegenteil der Fall. So sind beispielsweise beim Einsatz von EIS-Werkzeugen der unteren Preiskategorie saemtliche Probleme vom Entwicklungsteam selbst zu loesen, die mit der Datenhaltung, der Datenkonsistenz und ihrer Sicherheit zu tun haben. Ferner sind die fuer ein EIS charakteristischen Funktionen wie der individuelle Informationsabruf auf verschiedenen Verdichtungsstufen oder die freie Spezifikation von Informationsfiltern durch DV-Eigenentwicklungen sicherzustellen. Auch die fuer ein EIS wichtige Integration des Systems in die Buerokommunikations-Struktur wird in aller Regel nicht unterstuetzt und muss aus diesem Grunde durch andere Softwareprodukte abgedeckt werden.

Im Gegensatz hierzu stellen EIS-Werkzeuge der oberen Preiskategorie meist Entwicklungsumgebungen dar, die bereits die spaetere Architektur des EIS weitgehend determinieren. So sind viele dieser Werkzeuge sowohl auf dem PC als auch auf dem Host verfuegbar, wobei die Werkzeugumgebung das Zusammenspiel der beiden Komponenten sicherstellt.

In aller Regel bieten diese Produkte eigene, abfrageoptimierte Datenhaltungs-Systeme, mit deren Hilfe selbst bei grossen Datenvolumina ein gutes Antwortzeitverhalten fuer die EIS-typischen Zeitreihenbetrachtungen und -auswertungen gewaehrleistet ist. Zusaetzlich existieren Schnittstellen zu internen relationalen Datenquellen wie DB2 und Oracle, aus denen sich im Bedarfsfall die Datenhaltungs-Systeme versorgen koennen beziehungsweise auf die das zu entwickelnde EIS spaeter direkt zugreifen kann.

Mit Mechanismen der Integritaets- und Konsistenzwahrung stellt der Betrieb sicher, dass der Datenbestand zu jeder Zeit in sich schluessig ist. Dieses kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass hochverdichtete Daten in Standardberichten vom Werkzeug automatisch bei jeder Aktualisierung der Elementardaten gebildet und bereitgehalten werden.

Mit Hilfe eigener Funktionalitaet, meist in Form arithmetischer und statistischer Basismethoden, kann spaeter der Benutzer ad hoc eigene Kennziffern bilden oder Zeitreihen aggregieren und Trends berechnen. Durch die Unterstuetzung gaengiger Buerosysteme erleichtern diese Werkzeuge die Integration des EIS in die Kommunikationsstruktur und gewaehrleisten somit die EIS-charakteristischen fuehrungsorientierten Weiterverarbeitungs-Fuktionen, wie Wiedervorlage, Kommentierung und Mailing.

Obwohl zusaetzlich mit Hilfe von vorgefertigten oder generierbaren Standardloesungen die Entwicklung einzelner unternehmensindividueller EIS-Anwendungen erleichtert wird, ist der Entwicklungsprozess selbst bei Einsatz dieser umfassenden Werkzeuge zeit- und aufwandsintensiv. So erbrachte eine 1991 durchgefuehrte Analyse von 23 EIS-Applikationen, dass selbst bei der Verwendung von Werkzeugumgebungen der oben beschriebenen Art durchschnittlich 85 Mitarbeitertage fuer die Entwicklung der ersten Anwendung notwendig sind, wobei durchschnittlich 30 bis 40 Prozent dieses Aufwandes durch Einbindung externer Berater verursacht wurden.

Entscheidung muss stets Kontextabhaengig fallen

Wenngleich die zuletzt skizzierte Klasse von EIS-Werkzeugen ohne Frage groessere Hilfestellungen im EIS-Entwicklungsprozess anbietet, lassen sich keine globalen Aussagen ueber die generelle Eignung von EIS-Werkzeugen treffen. Vielmehr ist die Entscheidung fuer oder gegen ein solches Tool - wie bei allen Softwareprodukten - stets kontextabhaengig zu treffen.

Zur Loesung dieses Problems hat es sich bewaehrt, eine strukturierte Konfrontation zwischen einem unternehmensindividuellen Anforderungskatalog und bewerteten Leistungskatalogen ausgewaehlter Werkzeuge durchzufuehren. Obwohl solche Verfahren in der Praxis nicht selten als zu arbeitsintensiv gelten und aufgrund der Subjektivitaet bei den Bewertungs- und Gewichtungsprozessen in ihrer Aussagefaehigkeit angezweifelt werden, bieten sie doch erhebliche Vorzuege, da sie den komplexen Auswahlprozess transparent machen.

Diese und aehnlich gelagerte Problemstellungen stehen im Zentrum des Fachseminars "Fruehe Phasen der Entwicklung von Executive Information Systems (EIS)", das das Bifoa am 13. und 14. Mai 1993 in Koeln veranstaltet. Neben technisch orientierten Fragestellungen - wie Werkzeug-, Datenhaltungs- und Kommunikationsarchitekturen - werden Einfuehrungsstrategien und Gestaltungsempfehlungen fuer die fruehen, konzeptionellen Phasen der EIS-Entwicklung von Praktikern und Wissenschaftlern vorgestellt und diskutiert. Naehere Auskuenfte erteilt das Bifoa (Telefon: 0221/47603-16)

*Professor Dietrich Seibt ist Inhaber des Lehrstuhls fuer Wirtschaftsinformatik, insbesondere Informations-Management, der Universitaet zu Koeln. Dr. Hans-Georg Kemper arbeitet als Akademischer Rat am gleichen Lehrstuhl.