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02.04.1976

Eine Vision mit Konsequenzen für heute

Nehmen wir nur einen einzigen Bereich der Wirtschaft, nämlich Banken und Kreditinstitute. In 10 oder in 30 Jahren - das tut nichts zur Sache - könnte dies die zukünftige Organisation für den Zahlungsverkehr sein:

In den Geschäften wird an POS-Terminals mit maschinenlesbaren Kreditkarten bezahlt. Steuercodes bauen eine Verbindung zur Bank des Käufers auf, wo der am Terminal eingegebene oder der durch Lesen von Preisetiketten ermittelte Betrag sofort abgebucht wird. Gutschrift erfolgt dortselbst oder andernfalls durch Aufbau neuer Leitungen auf einem bei einer anderen Bank geführten Konto des Verkäufers.

Dem Gold-Geld, dem Papier-Geld, dem Scheck-Geld, dem Kreditkarten-Geld folgt Geld als autorisierte Information, Geld als elektrischer Impuls auf Leitungen, Bit-Geld.

Andere Organisationsformen sind denkbar: Zunächst könnten zwischengeschaltete, mitverdienende Kreditkarten-Organisationen belastet werden oder die Geschäfte räumen selbst den Kredit ein. Die Weitergabe der abgebuchten Beträge durch die Bank des Belasteten könnte auch über automatisierte Clearing-Häuser erfolgen. Bank-Automaten - fragt sich, wofür man Geld-Ausgabe-Maschinen dann noch braucht - werden in Geschäften, Bahnhöfen, Betriebskantinen und beim nächsten Shopping-Center stehen - sicherlich nicht von jeder Bank einer neben dem anderen, vielmehr werden sich alle Kreditinstitute gemeinsamer Terminals und Netze bedienen. Vielleicht aber gibt es dann nur noch die eine große Bank.

Per Tasten-Telefon wird man vom Wohnzimmer aus nach Anwählen der Bank seine Rechnungen bezahlen können, sofern nicht Lastschrift-Ermächtigungen vorliegen. Später werden die Rechnungen nicht mehr mit der Post kommen, sondern am Heim-Terminal auf dem Display angezeigt und per Knopfdruck beglichen. Wieder so ein griffiges amerikanisches Schlagwort: "High Velocity Banking".

Auch das ist wichtig: Alle diese futurologischen Verfahren gibt es heute schon: Vielfach erst als Experiment. Vielfach als Pilot-Projekt. Vielfach bereits in der Anwendung. Man schaue über den großen Teich, vor allem nach Kalifornien. SWIFT baut die internationalen Verbindungen auf.

Der Start solcher Systeme ist von den Kosten her meist nur schwer zu rechtfertigen, aber wenn die kritische Masse erreicht ist, wird Electronic Fund Transfer erheblich billiger sein als alle bekannten Verfahren. Eine Kreditkarten-Transaktion zum Beispiel kostet in den USA heute über 50 Cents. Es wird geschätzt, daß bei Annahme vieler Randbedingungen für das High Velocity Banking die elektronische Abwicklung für 7 Cents möglich sein wird. Jährlich werden in den USA über 35 Milliarden Schecks ausgestellt, ohne Electronic Fund Transfer würde sich diese gigantische Zahl in zehn Jahren verdoppeln. Einem langsamen Start wird eine Lawine folgen.

Wenn das also die Zukunft ist, dann ließe sich ohne entsprechende Vorkehrungen der Lebenslauf jedes Bürgers minuziös bis ins kleinste Detail rekonstruieren.

Man stelle sich vor, es gäbe keinen Datenschutz.