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10.01.1986 - 

Commodore kommt nicht vom Fleck, obwohl der Gesamtmarkt anzieht:

Einflußfaktoren bleiben auch l986 günstig

MÜNCHEN (aw) - Welche Chancen bietet das Börsenjahr 1986? Die fundamentalen und markttechnischen Einflußfaktoren sind weiter sehr günstig. Wie vorausgesagt, setzte sich die US-Zinssenkung fort. Bei 30jährigen Anleihen ist die Rendite auf 9,3 Prozent zurückgefallen. Der hohe Nettozins (Zinssatz minus Inflationsrate) ist eine gute Ausgangsbasis für weiter sinkende Zinsen.

Vor diesem Hintergrund bleibt die wichtigste Voraussetzung für weiter steigende Aktienkurse - ausreichende Geldversorgung - bestehen. Die Konjunktur in den USA und in Deutschland boomt nicht so stark, daß sie in großem Umfang Geldmittel binden würde, die dann der Börse fehlten. Fazit: Die monetären Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Börsenhausse bleiben günstig.

Auch die Markttechnik für den US-Aktienmarkt sowie den in Deutschland und der Schweiz, erlaubt weiter steigende Notierungen. Dies- und jenseits des Atlantiks sind sowohl institutionelle Anleger als auch Privatinvestoren in Aktien im historischen Vergleich weit unterinvestiert. Die Barreserven (in den USA unter Hinzurechnung der Money Market Funds) bei den Institutionen sind hoch. Die Sentiment-Indikatoren insbesondere in Wall Street (insbesondere die Leerverkaufsindikatoren) geben Kaufsignale. Trotz der kräftigen Kurssteigerungen in 1985 herrscht Zurückhaltung vor. Die Skeptiker haben sich noch nicht engagiert, werden aber sicher die Käufer von morgen sein.

In Unordnung geraten könnte die Aufholjagd der Geldwerte (nach 30 Jahren Sachwertehausse) lediglich durch einen Zusammenbruch des US-Bankensystems oder ein plötzliches Wiederanspringen der Inflation. Zum Zusammenbruch des

Bankensystems wird es jedoch trotz vielfach beschriebener Crash-Szenarien in absehbarer Zeit nicht kommen. Die US-Notenbank wird jedwede nur denkbare Liquidität zur Stützung zur Verfügung stellen. Paradoxerweise ist dies ein Positivum für die Aktienmärkte, da die durch die Notenbank geschaffene Liquidität (siehe starkes Geldmengenwachstum in den USA) die Voraussetzung für steigende Aktienkurse bildet.

Inflation ist kein Thema

Inflation ist ebenfalls auf absehbare Zeit kein Thema. Der Ölpreis dürfte bis Frühjahr nächsten Jahres auf etwas über 20 Dollar fallen (heute werden schon 22 Dollar per Termin Februar 1986 gehandelt). Damit werden die Teuerungsraten insbesondere in den europäischen Hartwährungsländern wie Deutschland, Schweiz und Holland 1986 deutlich unter zwei Prozent sinken - in Deutschland sogar unter 1,5 Prozent. Richtungsweisend sind auch die neuen Kurse bei Silber mit 5,74 Dollar (1980 noch über 50 Dollar) und die Schwäche beim Gold (321 Dollar). Für Mark- und Franken-Anleger haben sich die Edelmetallpreise wegen des Dollarkursrückgangs noch wesentlich schlechter entwickelt. Apropos US-Dollar: Wie immer wieder vorausgesagt, entwickelt sich der Dollar rückläufig. Kurzfristig scheint jedoch der Dollarrückgang zunächst gestoppt zu sein. Dennoch sollten Anleger nicht auf eine nennenswerte Erholung der US-Währung setzen .

Der Dollar unterliegt nicht länger freien Marktgesetzen, sondern wird vom Notenbank-Kartell in seiner Preisbildung wesentlich bestimmt Dies ist die Antwort der in Normen denkenden Bankbehörden auf die Übertreibungen der freigegebenen Währungsmärkte. Ansätze zur Erholung der US-Währung werden damit schon im Frühstadium erstickt. In Dollar engagierte Anleger sollten davon ausgehen, daß die US-Währung - trotz des Rückgangs um beinahe eine Mark - im Trend weiter fallen wird .Die USA sind nicht länger Netto-Dollarkäufer. Insbesondere die Japaner drohen, zum Netto-Dollarverkäufer zu werden. Fazit: Der Zinssenkungstrend wird sich fortsetzen. Geldwerte bleiben weiter bevorzugt. Mit US-Dollar-Anlagen daher weiter vorsichtig sein.

Vermindertes Risiko durch Indexkontrakte

Eine Möglichkeit, vom Börsenaufschwung in den USA zu profitieren, ohne in gleichem Maße wie an der US-Börse im Dollar investiert zu sein, ist der Kauf eines Indexkontraktes des Standard & Poor's 500 über eine US-Wertpapierbank (Broker). Durch den Kauf eines solchen Kontrakts erwirbt man auf Termin den rechnerischen Gegenwert von zur Zeit 107 000 Dollar in US-Aktien und muß lediglich - eine Sicherheitsleistung von 6500 Dollar hinterlegen. Dies bedeutet, daß Anleger nur ein Dollarrisiko von etwa sechs Prozent gemessen am Investment in Wall Street haben. Andererseits zeigt dieses Verhältnis auch die Gefahren, die Aktienterminkontrakte in den USA bergen. Bei lediglich sechs Prozent Eigenkapitaleinschuß genügt ein Indexrückschlag in Höhe dieses Prozentsatzes, um zu einem hundertprozentigen Verlust des Eigenkapitals zu führen.

GE's RCA-Übernahme sorgte für Kurssprung

Die Kaufempfehlung RCA brachte 25 Prozent Gewinn in wenigen Wochen. Die Übernahme durch General Electric (GE) sorgte für diesen Kurssprung. Aus dem Zusammenschluß entsteht ein Konzern mit einem Jahresumsatz von etwa 40 Milliarden US-Dollar. Durch diese Übernahme wird General Electric zum siebtgrößten Unternehmen unter den US-Gesellschaften. Die direkten Konkurrenten, Westinghouse Electric, Sony, N. V. Philips und Siemens begegnen damit einem Konkurrenten, der durch die gewachsene Größe vermehrte Schlagkraft besitzt. Auch wenn die RCA-Übernahme finanziell kurzfristig belastet, ist GE für konservative Anleger ein mittelfristig interessantes Investment.

Während der Gesamtmarkt anzieht, kommt Commodore nicht vom Fleck. Hier dürften steuerliche Verkäufe zum Jahresende eine Rolle gespielt haben. Das Steuersystem für Wertpapieranlagen in den USA ist nicht an feste Fristen, sondern an das Kalenderjahr gebunden. Anleger, die Commodore im Laufe des Jahres zu erheblich höheren Kursen gekauft haben, können durch Realisierung des Verlustes vor Jahresultimo den Vermögensschaden steuerlich darstellen.

Big-Blue-Aktie bleibt

weiterhin aussichtsreich

Es gilt weiterhin, in den USA auf Zinssenkungs- sowie Abwertungsgewinner (Dollarrückgang) zu setzen. IBM, die Gewinnerwartungen während des Dollaranstiegs ständig nach unten revidierte, sollte nun umgekehrt vom Dollarrückgang überproportional profitieren. Die Aktie, die auf einem neuen Höchststand von 152 Dollar notiert, bleibt weiter aussichtsreich.

Auch Hewlett-Packard (HP) bietet ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis. Für 1986 wird ein Gewinn von 2,4 Dollar geschätzt, was einem Kurs/ Gewinn-Verhältnis von gut 14 entspricht. Aktueller Kurs: 36,5 Dollar. Nicht nur das Exportgeschäft, sondern auch das US-Geschäft sollte für Hewlett-Packard deutlich besser werden. Nachdem im Bereich Minicomputer im dritten Quartal ein Einbruch zu verzeichnen war, entwickelte sich hier der Auftragseingang während des Schlußquartals besonders positiv.

Der deutliche Auftragszuwachs für den "HP 3000" könnte dazu führen, daß die folgende Generation "Spectrum" nicht, wie geplant, im ersten Quartal '86 vorgestellt wird, sondern daß die Markteinführung verschoben wird. Die größten Zuwächse erzielte HP jedoch im Bereich der rüstungsbegleitenden Zulieferung. Während dieser Bereich 1986 für einen kräftig wachsenden Gewinn sorgen wird, sollte die Einführung von "Spectrum" darüber hinaus gute Profitmargen ermöglichen. Hinzu kommt eine sich verbessernde Gewinnsituation im Export durch den Dollarrückgang. Hewlett-Packard ist ein: aussichtsreicher Kauf.

Halbleiterhersteller sehen erste Hoffnungsschimmer

Von einer Marktbelebung spricht der US-Herstellerverband der Halbleiterproduzenten. Der Auftragseingang im vergangenen Berichtsquartal wuchs um sechs Prozent. In der Gruppe ist am aussichtsreichsten Motorola (37,5 Dollar). Compaq wird ja im sogenannten Big Board, der New Yorker Hauptbörse (New York Stock Exchange), eingeführt. Mit 38 Dollar (Kurs/Gewinn-Verhältnis 14) ist die Aktie jedoch zur Zeit gut bezahlt.

Die amerikanische Burroughs macht fünf Milliarden Dollar Umsatz und würde als deutsches Unternehmen zu den größten Gesellschaften in der Bundesrepublik zählen. Burroughs ist in den USA zwar die Nummer zwei unter den US-Herstellern von Mainframes, setzt aber lediglich gut ein Zehntel von IBM um. Während Big Blue seinen Marktanteil seit 1979 von 70 auf knapp 80 Prozent steigern konnte, fiel Burroughs von 7,4 auf 5,7 Prozent zurück. US-Analysten glauben, daß damit der Tiefpunkt erreicht sei, denn die Produktqualität habe sich verbessert. Auch die Probleme bei der Tochter Memorex, die unter anderem Diskettenlaufwerke und Speichermedien herstellt, sollen ausgeräumt sein. Die Aktie ist mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 10,7 nicht zu hoch bewertet.

Der deutsche Aktienmarkt bietet weiterhin wenig Aufregendes im Bereich der DV-Werte. Die gemeinsame Entwicklung des 4-Megabit-Chips von Siemens und Philips wird dabei kaum für eine Besserung der Situation sorgen. Dennoch sollten Sie in Siemens weiter engagiert sein beziehungsweise zukaufen. Das Elektronikunternehmen wird auch 1986 mit an erster Stelle in den Kauflisten institutioneller Anleger stehen. Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 10 ist Siemens das preiswerteste Elektronikunternehmen an den deutschen Börsen. Eine 30prozentige Kurssteigerung ist realistisch. Der jüngste Kursanstieg wurde durch Gerüchte einer Siemens-Beteiligung an GTE Corp. ausgelöst. Es handelt sich hier um den größten amerikanischen Hersteller von Telefonsystemen.

Kaufempfehlung Philips-Optionsschein (435 holländische Gulden) brachte mehr als 50 Prozent Gewinseit der Empfehlung in der CW Nr. 45 vom 8. 11. 85. Der Schein ist jetzt mit einem Aufgeld von 34,5 Prozent bei 2,9fachem Hebel zu teuer. Hier jetzt die Gewinne mitnehmen. Die Philips-Aktie aber bleibt weiter aussichtsreich. Neues Hoch bei 63 Gulden. Die erwartete Verbesserung der Erträge sowie - aus technischer Sicht - das Durchbrechen der alten Höchstkurse rechtfertigen weiterhin Käufe in Philips.

Gute Prognosen für den Amsterdamer Aktienmarkt

Der Aktienmarkt in Amsterdam ist im Verlauf des Jahres 1985 noch nicht so stark gestiegen wie der deutsche. Auch orientiert sich dieser Aktienmarkt unverhältnismäßig stark an der Entwicklung in den USA. Die gegenseitigen Verflechtungen sind vielfältiger als mit anderen europäischen Börsen. Amsterdam sollte sich deswegen - auch wenn der deutsche und der Schweizer Aktienmarkt in den nächsten Wochen stagnieren - weiter positiv entwickeln.