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07.08.1998 - 

Hamburger Sparkasse steigt auf SAP um

Einführung mit maßgeschneidertem Computer-Based Training

Als die Hamburger Sparkasse Ende vergangenen Jahres ihre selbstentwickelten Programme durch SAP-R/3-Module ablöste, standen neben der Umstellung auf die neue Software umfangreiche Trainingsmaßnahmen an: In der Zentrale und den etwa 230 Filialen in Hamburg und Umland waren mehr als 1400 Mitarbeiter zu schulen. Die Anforderungen an die Kursinhalte waren dabei sehr unterschiedlich: Während die Projektmitarbeiter der Haspa umfassende Kenntnisse brauchten, gab es einen großen Kreis von Endanwendern, die lediglich einen begrenzten Funktionsumfang der Module Materialanforderungen und Finanzbuchhaltung benötigten. Dazu zählten etwa 400 Hauptbuchkonten-Führer (FI) sowie knapp 1000 für Verbrauchsmaterial-Bestellungen zuständige Mitarbeiter (MM). Auch wegen des engen Zeitplans fiel schon vor der SAP-Einführung die Entscheidung, diese Zielgruppe ausschließlich mit CBT-Programmen zu trainieren.

Für die FI- und MM-Anwender, erläutert Jörg Behning, Projektleiter der Haspa, bot sich der Einsatz von Lernprogrammen an, weil eine große Anzahl von Mitarbeitern an dezentralen Arbeitsplätzen geschult werden sollte und für diese Maßnahmen nur ein eng begrenzter Zeitrahmen bis zum Umstellungszeitpunkt auf das R/3-System zur Verfügung stand. Trotzdem war für ihn klar, daß - bei einem vollständigen Verzicht auf Schulungsseminare - nur eine Lernsoftware in Frage kam, die exakt auf die Aufgaben der Anwender zugeschnitten ist. Der Einsatz von Standard-CBTs für SAP stand deshalb nicht zur Debatte.

Behning beauftragte daraufhin Prokoda aus Köln, Spezialist für Lernsoftware, mit der Ausarbeitung maßgeschneiderter CBTs. In enger Abstimmung mit den Projektverantwortlichen entwickelten die Kölner Lernprogramme, die auf dem R/3-System der Hamburger Sparkasse basieren. Dabei wurden nur die Funktionen ausgewählt und didaktisch aufbereitet, die die Endanwender benötigten.

Prokoda-Projektleiter Michael Haben beschreibt den Ablauf der Lernsoftware-Entwicklung: "Nach Abschluß der Projektplanung haben zwei SAP-Lernprogramm-Autoren über drei Monate mit Haspa-Projektmitarbeitern und der Unternehmensberatung C&L, den Ausbildungsbedarf ermittelt und ein Lernkonzept entworfen."

Anschließend wurden die CBTs, die über eine Originalsimulation des Haspa R/3-Systems verfügen, in Köln programmiert. Die Entwicklung der Lernprogramme wurde dadurch erschwert, daß sie parallel zum Customizing beziehungsweise zur Funktionserweiterung des R/3-Systems stattfinden mußte. Haben: "Die Bedingungen waren insgesamt nicht einfach."

Der Erfolg des CBT-Einsatzes läßt sich nur indirekt ermitteln, denn die Haspa hat auf die in vielen CBTs übliche Erfolgskontrolle, Abschlußtest oder Zertifikat, bewußt verzichtet, um den Leistungsdruck von den Anwendern zu nehmen und die Akzeptanz des neuen Mediums zu erhöhen. Aber die Tatsache, daß die Verbrauchsmaterial-Bestellungen nach der Umstellung auf SAP unverändert blieben und die Hauptbuchkonten ordnungsgemäß weitergeführt wurden, spricht für die Lernprogramme.

Wenn man den Erfolg der Schulung an den Anfragen der Anwender mißt, schneidet die Lernsoftware nicht schlecht ab: Der Supportbedarf weicht nach Einschätzung der PC-Hotline kaum von der Anzahl der Anrufe ab, die nach dem Besuch eines klassischen Seminars auftreten. Dabei reichten die Reaktionen der Anwender allerdings von deutlicher Ablehnung bis zu überschwenglicher Begeisterung - wobei das große Mittelfeld sachlich und nüchtern den Nutzen der Lernprogramme beurteilte. Entschuldigend fügt ein Mitarbeiter hinzu: "Die Trainingsphase war von einigen unglücklichen Umständen begleitet. Es stand nicht für jeden ein PC mit dem CBT-Programm zur Verfügung, manchmal mußten sich fünf Mitarbeiter einen Computer teilen. Außerdem war gerade Jahreswechsel, da haben die Kollegen mit dem Jahresabschluß mehr als genug zu tun. So blieb nicht immer genügend Zeit, um sich intensiv mit dem Lernprogramm zu beschäftigen."

Trotz dieser Einschränkungen ist Behning von den Vorteilen des CBT-Einsatzes überzeugt: Abgesehen davon, daß aufgrund der Arbeitsbelastung zum Jahreswechsels eine personengestützte Schulung zeitlich nicht möglich war, verzeichnet er ein deutliches Plus auf der Kostenseite. "Wenn man für die Hauptbuchkonten-Führer jeweils zwei Schulungstage und für Materialbesteller einen Schulungstag kalkuliert, sind die Kosten dafür um 20 Prozent höher als für die CBT-Ausbildung.

Auf Frontalunterricht nicht ganz verzichtet

Mit dem breiten Einsatz von Lernsoftware hat die Hamburger Sparkasse im eigenen Haus neue Pfade beschritten. Behning: "Eine Anwenderschulung dieses Umfangs, die sich ausschließlich auf CBT-Programme stützt, hat es bei uns noch nicht gegeben." Aber schon wegen der dezentralen Arbeitsplätze und der zeitlichen Enge bot sich diese Lösung an. Im Rahmen des Gesamtprojekts hat die Haspa nicht völlig auf personengestützte Seminare verzichten können. Die Projektmitarbeiter und die sogenannten Power-User, die ein sehr viel weitergehendes Know-how benötigen, sind in SAP-Seminaren geschult worden. "Aber bei vergleichbaren Rahmenbedingungen", so Behning, "würde ich jederzeit wieder CBT-Programme einsetzen..

Holger Eiksdotter ist freier Journalist in Hamburg.