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12.05.1989 - 

Gehälter der DV-Spezialisten vom Branchenboom abgekoppelt:

Einkommenssteigerung auf Normalmaß gestutzt

Erhard Schmidt ist Mitarbeiter der Kienbaum Personalberatung GmbH, Gummersbach.

Jahrelang waren überdurchschnittliche Gehaltserhöhungen in der DV-Branche die Regel. Diese Zeiten sind vorbei. DV-Fach- und -Führungskräfte müssen mit einer Steigerung von etwa 3,2 Prozent, ähnlich dem allgemeinen Konjunkturverlauf, zufrieden sein. Dennoch zahlt die Branche mit die höchsten Gehälter.

Die schon seit Jahren anhaltende Personalknappheit für einige Berufsgruppen in der EDV zeigt, daß zum einen die Ausbildungsmöglichkeiten der Nachfrage nicht gerecht werden; zum anderen läßt die ständig wachsende Branche dem Personalmarkt keine Zeit zu Erholung. So haben DV-Kräfte für die Zukunft generell gute Berufschancen. Eine qualifizierte Ausbildung eröffnet ihnen darüber hinaus Möglichkeiten, in sehr anspruchsvolle Positionen zu gelangen. Diese Entwicklung wirkt sich - wie eine Erhebnung der Kienbaum Vergütungsberatung in Gummersbach ergab - auf die Gehaltsstruktur der betreffenden Führungs- und Fachkräfte aus. In ihrer neuesten Untersuchung wurden Gehaltsdaten von über 11 000 Mitarbeitern aus 30 typischen DV-Berufen einbezogen.

Spitzenverdiener ist der "Leiter Organisation und Datenverarbeitung". Er kommt einschließlich aller Nebenleistungen wie Prämien, Tantiemen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld auf durchschnittlich 140 000 Mark pro Jahr. Weiterhin zählen zu den besser Verdienenden der "Leiter der EDV", der "Leiter Programmierung" und der "Leiter Rechenzentrum". Ihre durchschnittlichen Einkünfte liegen bei 115 000 Mark, 101 000 Mark und 100 000 Mark pro Jahr. Schlußlichter der Gehaltsskala sind die Datentypistinnen mit 41 000 Mark.

Eine einheitliche Aussage über die Höhe der Vergütung läßt sich aufgrund der unterschiedlichen Positionen nicht machen. So wird die Vergütungshöhe von einer Vielzahl von Einflußgrößen bestimmt. Neben der Ausbildung, dem Alter (Berufserfahrung) wirkt sich die Unternehmensgröße, Größe der EDV-Abteilung, Größe der EDV-Anlage, Branche, Aufgabenbereich sowie die hierarchische Einstufung auf das Gehalt aus. Demzufolge sind die Vergütungsspannen in den einzelnen Positionen oft beträchtlich. So liegt bei einem System-Programmierer der niedrigste Gehaltswert bei zirka 40 000 Mark und der höchste bei zirka 130 000 Mark pro Jahr.

Die Gehaltsdifferenz wird jedoch um so kleiner, je tiefer die Position hierarchisch angesiedelt ist.

Neben der Funktion ist die Unternehmensgröße (Umsatz, Beschäftigtenzahl) ein wesentliches Kriterium zur Gehaltsbestimmung. Große Unternehmen zahlen tendenziell besser. Erhält der Leiter Org./DV in einem Unternehmen mit 50 Millionen Umsatz zirka 122 000 Mark pro Jahr, so kann sein Kollege mit 500 Millionen Umsatz 33 000 Mark mehr auf seinem Konto verbuchen. Ein Anwendungsprogrammierer in einem Unternehmen mit insgesamt 100 Beschäftigten bezieht im Jahr etwa

59 000 Mark. Würde er in einem Unternehmen mit 5000 Mitarbeitern arbeiten, bekäme er 9000 Mark mehr.

Das Alter, also die Berufserfahrung und die Größe der EDV-Anlage, gemessen an ihrem Mietwert, sind für die Vergütungshöhe bestimmende Faktoren. Die Größe der EDV-Abteilung hat in erster Linie Einfluß auf die Führungsposition, da hier das Element der Personalverantwortung zum Tragen kommt. So erhält ein Leiter Rechenzentrum, der in einem Unternehmen mit 20 EDV-Mitarbeitern arbeitet, 85 000 Mark pro Jahr, und sein Kollege mit über 140 Mitarbeitern bezieht ein um 48 000 Mark höheres Einkommen.

Die Ertragslage des Unternehmens hat Kienbaum zufolge vor allem bei Führungskräften einen wesentlichen Einfluß auf die allgemeine Einkommenssituation. Unternehmen mit überdurchschnittlichen Gewinnen vergüten ihre Spitzenkräfte besser. Mitarbeiter von Verlustunternehmen müssen Gehaltsabstriche hinnehmen. Das gilt nicht nur für die absolute Höhe, sondern auch für die jährliche Anpassung des Gehalts. Eine positive Ertragssituation verbessert allgemein das Klima für Gehaltserhöhungen im AT-Bereich.

Branchentypische Gehaltsstrukturen über Jahre sind nicht festzustellen. Die von Branche zu Branche unterschiedlichen Einkommen beruhen auf anderen Einflußfaktoren wie Unternehmensgröße, konjunkturelle Besonderheiten sowie statistische Zufälligkeiten. Dementsprechend wechselt von Jahr zu Jahr auch die Reihenfolge. 1989 wurden in der Branche "Chemie /Mineralölindustrie" sowie in der "Elektroindustrie" die höchsten Gehälter gezahlt.

Einkommensunterschiede sowie ein sogenanntes "Nord-Süd-Gefälle" nach Bundesländern ist in der EDV-Vergütung laut Kienbaum nicht zu erkennen. Vielmehr ist die Frage nach der Struktur der einzelnen Bundesländer entscheidend. Wie stark ist hier die Industrie vertreten? Überwiegen ländliche und kleine Gemeinden? Wie sieht das Verhältnis Angebot und Nachfrage aus? Allgemein läßt sich feststellen, daß die Vergütung in den deutschen Großstädten tendenziell besser ist als in kleineren Städten und Gemeiden. Die Stadt Frankfurt liegt neun Prozent über dem Gesamtdurchschnitt. Gefolgt von München mit acht und Köln mit sieben Prozent. Kleinere Gemeinden, das Ruhrgebiet und Berlin liegen bis zu zwölf Prozent unter dem Durchschnitt.

Frauen tun sich schwer, in der EDV Fuß zu fassen. Wenn auch der Frauenanteil langfristig gesehen steigende Tendenz aufweist, so liegt 1989 der Anteil in den Führungspositionen doch nur bei vier und in den Fachpositionen bei 17 Prozent. Für die Frauen endet die EDV-Karriere in den meisten Fällen bereits da, wo sie für sie beginnt, in der Datenerfassung (Frauenanteil: 96 Prozent). Aber auch als qualifizierte Arbeitskraft erhält sie durchschnittlich ein um zwölf Prozent geringeres Einkommen als ihr männlicher Kollege in gleicher Position.

Ein Drittel aller EDV-Mitarbeiter sind in irgendeiner Form am Unternehmenserfolg beteiligt (zum Beispiel Tantiemen, Prämien, Boni). In den Führungspositionen beträgt der durchschnittliche Anteil zirka zwölf Prozent und in den Fachpositionen zirka sechs Prozent des Gesamteinkommens.

Mit fortschreitender Geldentwertung und steigender Steuerprogression wächst die Bedeutung nicht-monetärer Zusatzleistungen. An erster Stelle steht die betriebliche Altersversorgung. Fast 80 Prozent aller Mitarbeiter kommen bereits in den Genuß einer solchen Firmenrente. In Großunternehmen ist die Finanzierung der Pensionszusagen über Positionsrückstellungen die verbreitetste Form. In kleineren Unternehmen dominiert die Direktversicherung.

Bei der Unfallversicherung hat sich gegenüber den Vorjahren kaum etwas geändert. 60 Prozent der Führungskräfte haben vom Unternehmen eine Unfallversicherung auch für den privaten Bereich.

Die Gewährung von Dienstwagen wird immer weniger von dienstlichen Erwägungen bestimmt. Man sieht hier eher eine gute Möglichkeit, vor allem Führungskräften ein steuergünstiges Extra zukommen zu lassen. Die Vergabe in der EDV beschränkt sich ausschließlich auf Führungsfunktionen und ist bis zu einem gewissen Grad von der Unternehmensgröße unabhängig. Insgesamt erhalten 34 Prozent der Leiter Organisation und Datenverarbeitung" einen Dienstwagen.