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17.08.2001 - 

Was Arbeitgeber für Mitarbeiter mit Kindern tun

Einmal Familie und zurück

Kind und Karriere müssen kein unüberbrückbarer Gegensatz sein. Auch wenn im Moment eher die Sorge um den sicheren Arbeitsplatz überwiegt, feilen einige Unternehmen an einem familienfreundlichen Image. Langfristig dürfte sich diese Art der Mitarbeiterbindung auszahlen: Prognosen zufolge wird die Zahl der Fachkräfte in Deutschland auf Dauer zurückgehen. Von CW-Mitarbeiterin Katja Müller

Praktikum in der Hongkonger Textilbranche, Exportchef beim Softwareunternehmen Fast Electronic, freier Journalist mit Schwerpunkt Neue Medien in Hamburg, dazwischen ein Abstecher ins Filmgeschäft - dieser Mann, so scheint es, sucht im Job die spannenden Herausforderungen. Dennoch entschied er sich vor knapp zehn Jahren gegen die Karriere. Damals war der 33-jährige Mathias Vaagt in der Geschäftsleitung eines mittelständischen Münchner Unternehmens tätig - und alleinerziehender Vater von zwei Kindern. "Ich habe den Ausstieg als Luxus empfunden. In einer Phase, in der jeder Gas gibt, ziehe ich Kinder groß", sagt Vaagt.

Vier Jahre später stieg er fast mühelos wieder ins Berufsleben ein. Im Vorstellungsgespräch bei CSC Ploenzke legte der Flensburger die Karten auf den Tisch und gewann. Mittlerweile ist Vaagt als Director Strategic Alliances für das Beratungsunternehmen tätig. In unregelmäßigen Abständen arbeitet er in seinem Home-Office, am liebsten natürlich am Freitag. Positiv ist auch das Feedback seines Arbeitgebers: "Möglich ist im Prinzip alles, man muss es nur genau planen", sagt Unternehmenssprecher Frank Schabel.

Soziale Abstriche wären ein RückschrittAuch bei der Siemens AG müssen Kinder nicht zwangsläufig zum Karrierehindernis werden. Hier gibt es zwar keine Betreuungseinrichtungen, doch hilft das Unternehmen, Tagesmütter zu vermitteln. Daneben können Mitarbeiter zwischen gleitender Arbeitszeit, Partner-Teilzeit oder Teilzeit wählen. Letztere nehmen etwa 12000 Beschäftigte, darunter 9000 Frauen, in Anspruch. Laut Unternehmenssprecherin Sabine Metzner wird der derzeitige Stellenabbau bei Siemens solche Modelle nicht in Frage stellen: "Wir wollen keinen Rückschritt, deshalb werden strukturelle Maßnahmen keinen Einfluss auf die sozialpolitische Strategie haben." Zudem hänge die Gestaltung der Arbeitszeit weniger von der Position als von der Aufgabe des Einzelnen ab. Mitarbeiter der Finanzabteilung haben beispielsweise mehr zeitlichen Gestaltungsspielraum als in Marketing und Vertrieb.

Ein Budget von zwei Millionen Mark stellte die Frankfurter Commerzbank vor sechs Jahren unter anderem für Zuschüsse zur Kinderbetreuung sowie finanzielle Hilfe bei Erkrankung eines Kindes oder Haushaltsführenden zur Verfügung. Seit kurzem haben Eltern und Alleinerziehende auch die Möglichkeit, ihren Nachwuchs in Notfällen betreuen zu lassen, sagt der Projektleiter für personalpolitische Grundsatzfragen, Klaus Enz. So könne beispielsweise ein Familienvater, dessen Kind am Wochenende erkrankt ist, auch am Sonntagabend bei der Einrichtung "Kids & Co." anrufen und dort kurzfristig einen Platz bekommen.

KPMG kennt keine KompromisseGanz anders stellt sich die Unternehmensberatung KPMG den idealen Mitarbeiter vor. Der künftige Berater sollte möglichst kinderlos sein, denn hier, so eine Firmensprecherin, geht es in erster Linie um die Karriere. Weder Teilzeit noch andere Arbeitszeitmodelle erlauben es den Mitarbeitern des Berliner Unternehmens, ihren Job flexibel zu organisieren. Auch der französische TK-Ausrüster Alcatel kann seinen Mitarbeitern im mittleren Management kaum Kompromisse bei der Reduzierung der Arbeitsstunden anbieten. "Ab einer gewissen Ebene wird es eben schwierig", konstatiert der Referent Personal-Marketing Matthias Iben. Immerhin können Mitarbeiter ohne leitende Funktion zwischen einem Halbtagsjob oder beispielsweise einer 30-Stunden-Woche wählen.

Wenn es allerdings nach der Beruf & Familie gGmbH geht, soll die familienfreundliche Personalpolitik bald bis in die Führungsebenen vordringen. Angeregt durch den US-amerikanischen "Family-friendly-Index", erfasst und bewertet sie in einem Prüfungsverfahren die familienorientierten Maßnahmen hiesiger Firmen (siehe Kasten "Service für Familien"). Doch gerade für kleine Firmen scheinen die Hürden für das zu erhaltende Grundzertifikat zu hoch gelegt. So finden sich unter den Preisträgern vorwiegend Versicherungsanstalten, Krankenhäuser, Banken und nicht zuletzt auch das Bundesfamilienministerium. Von den Technologieunternehmen nahm unter anderem Accenture an der Initative teil und erhielt kürzlich das Grundzertifikat als familienfreundlicher Arbeitgeber. Die Unternehmensberatung setzte sich beispielsweise das Ziel, künftig nicht nur Kontakt zu den Mitarbeitern im Erziehungsurlaub zu halten, sondern auch deren Wiedereinstieg in das Berufsleben durch spezielle Trainingsprogramme zu erleichtern.

Mut zur Veränderung"Viele mittelständische Firmen sind wesentlich flexibler geworden, was den Umgang mit ihren Mitarbeitern betrifft", kommentiert Gisela Erler die neuen personalpolitischen Ansätze der Unternehmen. Nach Meinung der Familienforscherin und Mitentwicklerin des Audits der Beruf & Familie gGmbH werden die Firmen in den nächsten 15 Jahren große Probleme durch den wachsenden Fachkräftemangel bekommen. "Der Kern der Frage ist doch, wie schaffen wir es, dass Frauen auch mit familiären Verpflichtungen einen hoch qualifizierten Job ausüben können?" In den USA gibt es diesen Trend laut Erler schon seit fünf bis sechs Jahren. Dort sind nach ihrer Einschätzung viel mehr Mütter vollzeiterwerbstätig und folglich stärker auf Kompromisse seitens der Arbeitgeber angewiesen. Zeitverschoben und abgeschwächt macht sich dieser Wertewandel nun auch in Deutschland bemerkbar.

"Viele Firmen merken, dass es so nicht mehr weitergeht, sogar einige der knallharten Unternehmensberater beginnen gegenzusteuern", sagt Erler. Die Mitarbeiter müssten allerdings auch den Mut aufbringen, ihre Wünsche zu vertreten, meint sie. Wie es der CSC-Ploenzke-Manager Mathias Vaagt damals getan hat.

Service für FamilienZum Status quo der familienorientierten Maßnahmen der Beruf & Familie gGmbH (g= gemeinnützig) gehören neben verschiedenen Arbeitszeitmodellen auch Stipendien für Mitarbeiterkinder, Anrechnung von Erziehungszeiten und sogar Geburtsbeihilfe. Ebenso legt die Gesellschaft Wert darauf, dass das Unternehmen einen "flankierenden Service für Familien" hat. Der gewährleistet, dass es Mitarbeitern unter anderem Betreuungseinrichtungen anbietet (betriebseigen oder in Kooperation mit anderen Firmen) und bei der Installation eines Eltern-Kind-Arbeitszimmers behilflich ist. Zudem stehen Vergünstigungen wie Übernahme von Fahrtkosten sowie Vergütungsmodelle für das künftige Unternehmensprofil zur Debatte. Ein unabhängiges Gremium aus Vertretern von Ministerien, Verbänden sowie Journalisten und Wissenschaftlern entscheidet schließlich über die Vergabe des Grundzertifikates.