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30.01.1987

Einmal Lösungen nur vor strategisch abgesichertem Hintergrund

Investitionsentscheidungen aufgrund reiner Kostenerwägungen sind für die zum Thema "Sonderangebote auf dem DV-Markt" befragten Fachleute tabu. Einstimmig plädieren sie zugunsten einer, wie Manfred Adam, RZ-Leiter der Esso AG, formuliert, "abgesicherten, strategisch ausgerichteten Zielsetzung", die als Matrix für Kosten/Nutzen-Überlegungen hinsichtlich neuer Anschaffungen fungieren soll. "Hersteller-Treue" empfiehlt Wolfgang Koppmeyer vom Großversandhaus Schöpflin insbesondere dort, wo "es um Wartung, Kompatibilität und langfristige Rechenzentrums-Strategie geht". Im Zweifelsfall, schlägt Christiane Eckardt, DV-Leiterin im IG-Metall-Hauptvorstand, vor, können "Auskünfte von Anwendern, die ähnliche Geschäfte abgeschlossen haben", bei der Entscheidung hilfreich sein.

Wolfgang Koppmeyer

Prokurist und Bereichsleiter

Organisation/DV

Schöpflin GmbH, Lörrach

In der Vergangenheit war der Hardware-Einsatz geprägt durch die Mietanlage, die üblicherweise ein bis drei Jahre im Feld stand. Mixed-Hardware konnte die Kosten erheblich reduzieren: zum Beispiel Plattenlaufwerke von Memorex, CPU-Speichererweiterungen von Cambridge Memories, Magnetplatten von BASF und Netzsteuereinheiten von ITT waren in der Diskussion. Der Grund dafür lag in der schnelleren Verfügbarkeit beziehungsweise Lieferbarkeit dieser Produkte - und natürlich auch im günstigeren Preis.

Mit solchen Übergangslösungen konnte die Anschaffung einer nächstgrößeren Anlage bis zu zwei Jahre hinausgezögert werden. Das Betriebssystem wurde mit teilweise besseren, schnelleren und kostengünstigeren Komponenten von Fremdherstellern, bei uns zum Beispiel CA-Sort, bestückt. Die Anwendungsentwicklung, die Anwendungsprogrammierung und der Paketeinsatz waren nie abhängig von Hardwareherstellern - zumindest nicht von den Herstellern, die die Zentraleinheiten lieferten.

Diese Zeiten haben sich wesentlich geändert. Die Hardwarenutzungszeit von eineinhalb bis drei Jahren für eine DV-Anlagen-Stufe ist geblieben. Die Preis/Leistungs-Verhältnisse haben sich jedoch erheblich günstiger gestaltet. Damit ist der Wettbewerb stärker und die Anzahl der Vertriebsorganisationen, die billigere Produkte anbieten, sehr klein geworden.

Der Informatik-Manager hat zwar ein knappes Hardware-Budget; er neigt aber immer weniger dazu, Billigprodukt-Experimente zu machen. Aus der Erfahrung heraus haben sich Billigprodukte mittelfristig als unvorteilhaft erwiesen. Die Hersteller-Treue zahlt sich aus, wenn Wartung, Kompatibilität und langfristige Rechenzentrums-Strategie auf dem Spiel stehen.

Diese Feststellung gilt aber nicht unbedingt für periphere Einheiten wie Bildschirme in Fachbereichen, Hardcopy-Drucker oder Sonderdrucker, zum Beispiel Barcode-Drucker. Von einer anderen Strategie ist auch der Markt und die Bereitschaft des Informatik-Managers geprägt, billige Produkte einzusetzen, bei mittelgroßen Rechnern für den technischen Bereich und beim PC-Einsatz. Hier gibt es Billigangebote, die nicht gleichzusetzen sind mit Einsatzschwierigkeiten, Kompatibilitätsproblemen sowie Zukunfts- und Strategie-Unfreundlichkeit .

Allgemein gesagt: Die Hardware steht im Hintergrund, wenn es darum geht, Unternehmensziele zu erreichen. Sie muß den Bedürfnissen des Unternehmens ständig angepaßt werden; dazu benötigt der Informatik-Manager exakte, aufeinander abgestimmte Detail-Informationen. Aber die wesentliche Herausforderung besteht nach wie vor in der Lösung von Fachbereichs-Anforderungen auf allen Gebieten der Informationsverarbeitung, bei der Büroautomation, CAD, CAM, dem PC-Einsatz und dem Aufbau von Netzwerken. Hierauf muß sich der Informations-Manager konzentrieren, denn die großen Probleme und Herausforderungen unserer Unternehmen werden nicht mit billiger Hardware, sondern mit pfiffigen Anwendungsprogrammen und klaren Organisationsstrukturen gelöst.

Christiane Eckardt

DV-Leiterin, IG-Metall-Hauptvorstand, Frankfurt

Sollen wir oder sollen wir nicht? Und zwar: ein preislich auf den ersten Blick sehr günstiges Hard- oder Software-Angebot annehmen; günstig, weil es eine Pilotinstallation ist, weil ein kleinerer Anbieter gegen die übermächtige Konkurrenz - oft IBM - auf dem Markt Fuß fassen möchte oder weil eine Hardwareserie ausläuft.

Was Sie wissen, ist dies: Ihre personelle Infrastruktur (Anzahl Mitarbeiter/innen und Qualifikationsniveau) ist auf die derzeitige Hard- und Softwaresituation mit dem bekannten guten oder auch nur mittelprächtigen externen Support abgestellt. Ein klares Ja oder Nein gibt es deswegen nicht von vornherein, eine Reihe von weiteren Fragen wird man sich immer stellen müssen: Ist das Produkt wirklich vergleichbar mit dem teureren bekannten Produkt? Zum Beispiel: Leistet der günstige Farbbildschirm wirklich das gleiche bei allen Anwendungen wie der bisher im Einsatz befindliche? Sind Sie sicher, daß die Prüfung wirklich wasserdicht in allen Komponenten war?

Bei Software und Pilotinstallationen ist die Frage nach der Leistungsfähigkeit und vor allem die Antwort darauf oft noch ein Stück Glaubenssache, auch bei gründlichen Tests. Wenn Sie aber überzeugt sind, diese Frage positiv beantworten zu können, wäre dieser Kauf (oder diese Miete) günstiger als das, was man immer schon hatte.

Ja . . . wenn da nicht die Unsicherheit in bezug auf die Wartung wäre! Deren Kosten sind nicht gemeint - die sind bestimmt ebenfalls verlockend niedrig. Nein, das Problem ist die Wartungsanfälligkeit, vor allem aber auch Qualität und Reaktionsschnelligkeit des Services. Wie lange können Sie eine berechtigte Unzufriedenheit der Anwender/innen in Kauf nehmen, die sofort aufkommt, wenn der Service schlechter sein sollte als gewohnt.

Das wollen und können Sie gar nicht in Kauf nehmen? Kann dann Ihr eigenes Personal schnell das nötige Know-how erwerben, um einzuspringen? Sie meinen, das kostet Ausbildungszeit und -geld, von der Zeit des jeweiligen Einsatzes gar nicht zu reden? Sie meinen, das rechnet sich nicht mehr? Da könnten Sie sehr schnell recht haben. Bei steigendem Komplexitätsgrad Ihres Objektes wird diese Überlegung zur zentralen Frage.

Im Extremfall: Wenn Sie im Sonderangebot günstige 5 1/4-Zoll-Disketten für Ihren PC kaufen wollen, werden Sie unter Umständen zu einer anderen Antwort kommen als bei der Frage, ob Sie einen steckerkompatiblen Großrechner anschaffen wollen.

Helfen werden auf jeden Fall Auskünfte von Anwendern aus der Branche, die mit dem Anbieter, mit dem Sie verhandeln, ähnliche Geschäfte abgeschlossen haben. Nach meiner Erfahrung ist die Auskunftsbereitschaft sehr hoch, und das muß man nutzen. Hinterher ist man bekanntlich immer klüger.

Kurz: Je größer das finanzielle Volumen der Anschaffung ist, desto genauer werden Sie Kosten und Nutzen gegeneinander aufrechnen müssen. Dies ist zwar allgemein bekannt, der Teufel steckt aber im Detail - gerade da, wo Sie qualitative Aspekte quantifizieren sollen.

Haben Sie überlegt, wer von Ihren Hauptanwendern oder wer aus dem Vorstand - aus welchen Gründen auch immer - gegen die Entscheidung für ein Sonderangebot und/oder eine Pilotinstallation sein wird und wieviel Zeit Sie und Ihr Personal in Diskussionen aufgrund von Störungen aus dieser Ecke investieren müssen?

Übrigens: Diskutieren Sie bei großen Umfängen lieber vor der Entscheidung, auch wenn Sie es eigentlich nicht müssen. Sonst haben Sie vielleicht die Voraussetzung für eine "self-fulfilling prophecy" geschaffen.

Die Umsetzung von qualitativen Aussagen in quantitative erfordert Risikobereitschaft und ist immer ein Stück Geschäftspolitik, also stark subjektiv geprägt. Dabei braucht man eine glückliche Hand.

Manfred Adam

RZ-Leiter Esso AG, Hamburg

Rapide technologische Entwicklungen in den Herstellerlaboratorien auf der einen Seite, eine zügige kommerzielle Verfügbarkeit dieser Techniken auf der anderen, dazu ihr sehr schnell einsetzender und rasant verlaufender Alterungsprozeß, all das macht es für die Verantwortlichen in der DV-Planung unabdingbar, ein kurzfristiges Kostenminimum und ein mittel- oder längerfristiges Kosten/Leistungs-Optimum gegeneinander abzuwägen.

Ein DV-Manager versucht natürlich, kurzfristige Kostenvorteile zugunsten seiner Budgetverantwortung voll auszuschöpfen. Jedoch hört die Managementverantwortung hier nicht auf. Mittel- bis langfristig sind direkt sichtbare oder indirekte, zusätzliche Kosten mit in die Entscheidung einzubeziehen. Wenn eine derartige Rechnung aufgehen soll, kann der Einsatz von kurzfristigen oder geplanten Zwischenlösungen unter Umständen durchaus sinnvoll sein.

Ich würde in einem solchen Fall zur Risikobegrenzung folgendes empfehlen: Eine Entscheidung zugunsten von "Einmallösungen" aus Gründen wie Kostenzwänge, Abdeckung akuter Problemstellungen, Vertrautmachen mit neuen Technologien und Akzeptanztest oder Benefitquantifizierung im Benutzerumfeld sollte nur auf dem Hintergrund einer abgesicherten, strategisch ausgerichteten Zielsetzung der DV-Funktion erfolgen.

Diese strategische Ausrichtung sollte auf dem Industrie- oder einem öffentlichen Standard hinsichtlich Rechner- und Netzwerkarchitekturen beziehungsweise entsprechenden, herstellerorientierten Infrastrukturen für Host, End-User- und DDP-Processing basieren.

Technische Prototypen und kommerzielle Pilotinstallationen mit ihren jeweiligen individuellen Zielsetzungen haben einen legitimen Platz im Bereich des operativen Strebens nach Produktivitätsgewinn und können - wenn entsprechend geplant - dazu beitragen, dem strategischen Ziel näherzukommen.

Ohne strategische Ausrichtung haben Sonderangebote, Gelegenheitskäufe und Auslaufmodelle mit den Ad-hoc-Entscheidungen gemein, daß die Unternehmung gegebenenfalls keinen adäquaten, leistungs- und kostenoptimalen DV-Service erhält und in ihrer Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt wird.

Nachteile, die sich in Kosten ausdrücken lassen, sind "Insellösungen" häufig immanent. Es sind dies: höherer Trainings- und Einführungsaufwand, häufigere Umstellung, Verunsicherung der Benutzerpopulation, also Vertrauensverlust und Imageschädigung der DV-Abteilung. Dazu kommen die Neigung, an Bestehendem zulange festzuhalten, sowie der

ständig steigende Nachbesserungs- und Anpassungsaufwand zum Beispiel wegen Umfeldunverträglichkeit bei Softwareaufrüstungen.

Diese Nachteile sind teilweise quantitativer, teilweise qualitativer Art und vermutlich fast jedem DV-Betrieb bekannt. Beispiele, die die Brisanz der "CQD"-Lösung (Cheap, quick and dirty) zeigen, sind Legion: Da gibt es die Kommunikationssoftware, die sich einfach nicht voll in das Umfeld integrieren läßt und Zusatzaufwand erforderlich macht; dann das Office Automation Product, das schnell an seine Funktionsgrenzen stößt; die billige Tape-Cartridge, die zu Ablaufstörungen und notwendigen manuellen Eingriffen führt; der Database-Manager, der nicht mit der Softwareevolution Schritt hält etc.

Kurz und gut, ein Einkauf allein einer günstigen Okkasion wegen ist keine gute Investition, wenn er uns von längerfristig gesteckten Zielen weiter entfernt. Läßt jedoch die Okkasion keinen negativen Rückschlag auf unsere Strategie erwarten, könnte das Sonderangebot im Einzelfall in einem günstigen Licht erscheinen.