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26.03.1993 - 

Integrierte Sprach- und Datenuebertragung ersetzt den Rotstift

Einsatz von Multiplexern spart Kosten bei den Telefongebuehren

Wohl selten rechnen sich Investitionen so schnell wie bei den Sprach- beziehungsweise Daten-Multiplexern. Grund: Die bestehenden Kommunikationsstrukturen zur Datenuebertragung werden nun auch zum Telefonieren genutzt. Durch die enormen Einsparmoeglichkeiten bei den Telefongebuehren amortisieren sich die Kosten fuer die Multiplexer-Systeme bereits nach wenigen Monaten. So belaufen sich beispielsweise die erforderlichen Investitionen fuer die parallele Uebertragung von Sprache und Daten beim Einsatz des Multiplex- Systems "Sprint" von IMK auf rund 49 000 Mark. Hinzu kommen monatliche Gebuehren fuer die 64-Kbit/s-Datendirektverbindung von etwa 9000 Mark bei einer angenommenen Entfernung von 300 Kilometern.

Kostenvorteil in Hoehe von 70 000 Mark

Fuer den Fall, dass der Anwender in dem zugrundeliegenden Beispiel auf vier Amtsleitungen taeglich sechs Stunden im Weitzonenbereich telefoniert beziehungsweise faxt, entsteht eine monatliche Telefonrechnung von knapp 19 000 Mark. Dabei spart der Anwender pro Monat 10 000 Mark. Nach Abzug der Investitionen fuer das Equipment entsteht auf diese Weise bereits im ersten Jahr ein Kostenvorteil von 70 000 Mark.

Moeglich geworden ist dies durch eine Lockerung des Postmonopols. Dass sie relativ heimlich und von der Oeffentlichkeit fast unbemerkt vollzogen wurde, hat nicht zuletzt seine Ursache in den erheblichen Gebuehreneinbussen, die der Telekom durch die Neuregelung ins Haus stehen. Aus diesem Grund ist das Monopol bei der Sprachuebermittlung auch noch nicht vollstaendig gebrochen worden; bislang jedenfalls ist die integrierte Sprach- und Datenkommunikation nur unternehmensintern erlaubt.

Unabhaengig davon besteht bereits jetzt gerade fuer Anwender mit dezentral strukturierten Unternehmenseinheiten eine wirtschaftlich sehr attraktive Alternative zu den ueblichen Kommunikationsverfahren - ganz gleich, ob bisher die Datenuebertragung mittels zusaetzlichem Telefonbetrieb ueber das oeffentliche Fernsprechnetz realisiert oder aus oekonomischen Gruenden noch weitgehend auf die Datenfernuebertragung (DFUE) verzichtet wurde.

Ein weiteres interessantes Ergebnis des angefuehrten Rechenbeispiels ist, dass schon die reine Sprachuebertragung ueber eine 64-Kbit/s-Leitung sowie Sprach- beziehungsweise Daten- Multiplexer die Angelegenheit rentabel macht. Insofern bietet diese Loesung Moeglichkeiten einer deutlichen Reduktion der Telefongebuehren, selbst wenn kein Bedarf an DFUe besteht. Doch damit alleine waere das Potential dieser Loesung nur teilweise ausgenutzt, was nicht zuletzt die allerorts steigende Notwendigkeit zur Zusammenfuehrung dezentraler DV-Strukturen belegt. Nicht ohne Grund hat daher das Stichwort WAN Hochkonjunktur.

Zwar werden bei der Beispielloesung vier Sprach- und ebenso viele Datenverbindungen angeboten, wobei die Sprachverbindungen 32 KB Bandbreite belegen und folglich bei einer 64-Kbit/s-DDV weitere 32 KB fuer die Datenkanaele zur Verfuegung stehen. Aber darin zeigt sich nur eine der vielen Varianten. Wenn etwa kein Datenverkehr erforderlich ist, dafuer aber eine umfassendere Voice- Kommunikation, koennen ueber die 64-Kbit/s-Leitung sieben Sprachverbindungen bereitgestellt werden. Die Kostenersparnisse gegenueber den Telefongebuehren steigen in dem Rechenbeispiel dann sogar noch um 7500 Mark pro Monat. Wer hingegen ein geringeres Kommunikationsvolumen hat, kann sich mit einer 19,2 Kbit/s- oder 9,6-Kbit/s-Leitung begnuegen.

Durch die Oeffnung des europaeischen Binnenmarktes ist zu erwarten, dass die Telekom ueber kurz oder lang auch die Beschraenkung auf unternehmensinterne Kommunikationsstrukturen aufgeben und den Weg ins oeffentliche Netz freimachen muss.

Eine denkbare Konsequenz waere dann beispielsweise die DFUe von Muenchen nach Hamburg zum Ortstarif. Was auf den ersten Blick unmoeglich oder zumindest sehr erstaunlich aussieht, laesst sich bei genauerer Betrachtung einfach erklaeren: Wenn etwa von Muenchen aus externe Datenendgeraete - beispielsweise zur Remote-Wartung von PCs - in Hamburg angesteuert werden sollen, erfolgt die Datenuebertragung zunaechst ueber die Multiplexer vom Sueden gen Norden und wird dort ueber die Telefon-Nebenstellenanlage in das Ortsnetz gespeist. Folglich entstehen auch nur Gebuehren nach dem Ortstarif.

Kein Wunder also, dass sich die Telekom bislang dagegen gewehrt hat, schliesslich fuehrt diese Oeffnung zu spuerbaren Ertragsverlusten. Sie bedeutet jedoch lediglich eine Anpassung an Gebuehrenregelungen, die im europaeischen Ausland und in Uebersee schon gang und gaebe sind. Was jedoch weiterhin nicht erlaubt sein wird, ist die Nutzung eigener Standleitungen fuer Carrier-Dienste.

Tatsaechlich aber schafft diese tiefgreifende Lockerung des Postmonopols nicht nur enorme Kostenvorteile, sondern gleichzeitig auch sehr interessante Ansaetze fuer neue Kommunikationskonzepte und Anwendungsloesungen - auch bei dem skizzierten Modell der Datenuebertragung von Muenchen hin zu Desktop-Rechnern in Hamburg, die sich ausserhalb des firmeninternen Netzes befinden. Der Schluessel zu diesem Szenario heisst: Integration synchroner und asynchroner Systeme.

Dabei ist allerdings zu untersuchen, wie gut die Sprach- und Datenintegration im Vergleich zu ISDN abschneidet. Die Antwort ist einfach: Das Multiplexing ueber die 64-Kbit/s-Leitung bietet acht Sprach- beziehungsweise Datenstrecken an, waehrend es bei ISDN nur zwei sind.

Dies ist jedoch in der taeglichen Praxis oft genug der Fall. Gerade die allerorts diskutierten Konzepte zur Dezentralisierung von Unternehmenseinheiten mit eigener Profit-and-Loss- Verantwortung sowie der Trend zum Downsizing bieten ein breites Einsatzfeld fuer die Paralleluebertragung auf Multiplexer-Basis. Gleiches gilt fuer die Integration neuer Anwendungen wie etwa der Videokonferenz, ganz zu schweigen von Remote-Loesungen. Ganz gleich, ob es sich also um die Wartung von Hard- und Software fuer einzelne Systeme oder LANs handelt oder um das System-Controlling, die Implementierung neuer Software-Releases oder die Netzwerksteuerung: In allen Faellen kann zukuenftig auf einen entsprechend hohen personellen Aufwand verzichtet werden - bei gleichzeitig deutlich geringeren Kommunikationskosten.

*Wilfried Heinrich ist freier Journalist in Koeln.