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04.07.1980 - 

Programmer Psyche erschwert

Einsatz von Software Tools

Die erfolgreiche Einführung von Software-Werkzeugen hängt nach Überzeugung von Uwe Lehmann, Leiter DV-Anwendungen bei den Gothaer Versicherungen in Göttingen, von der Motivation der Programmierer ab, die mit dem Instrument arbeiten müssen. Konflikte gäbe es vor allem bei den erfahrenen "Softwerkern" des alten individuellen Programmierstils. Grund: Da sie ebenso wie jüngere Kollegen erst lernen müßten, das neue Werkzeug zu beherrschen, könnten sie ihre bisherige Überlegenheit nicht mehr im gewohnten Maße demonstrieren. "Die Abneigung gegen ein Softwarewerkzeug kann bei einem Mitarbeiter leicht zur Frustration führen und ein neues Projekt zum Scheitern verurteilen", erklärt Erich Buckmüller, RZ-Leiter bei der Mustang GmbH 8 Co. KG in Künzelsau. ha

Erich Buckmüller

Leiter RZ, Mustang-Bekleidungswerke GmbH & Co., Künzelsau, (Univac 90/40, 90/30, OS 3)

Am Anfang war das "Genie", das in einer softwaretechnologischen Wüste seine Programme erstellte, die nur lauffähig waren, wenn dieser Kunstprogrammierer am Computerpanel nachhalf. Diese Leute waren seinerzeit praktisch unkündbar, konnten nie in Urlaub gehen und durften nicht krank werden.

Dies hat sich bis heute grundlegend durch den Einsatz neuer Technologien geändert - den sogenannten Software-Werkzeugen:

Anfang der 70er Jahre kam zum Beispiel die normierte, etwas später die strukturierte Programmierung, die eine klare Linie in die Programmerstellung bringen sollte. Dies stieß aber teilweise auf erheblichen Widerstand der Programmierer, wurde hier doch ein starkes Bollwerk angebohrt. Eine entsprechende Motivation war unumgänglich.

Durch die notwendige Schulung fällt der Programmierer eine bestimmte Zeit aus und somit wird bei der Lösung der ersten Probleme mit einem neuen System nie die volle Effektivität erreicht. Bei Werkzeugen, die eine hohe Anforderung an die Qualität des Programmierers stellen, ist es möglich, daß ein Problem anfangs nur mit Hilfe eines Experten gelöst werden kann. Dies und die Abneigung gegen ein System können sehr leicht zur Frustration führen und sich damit zum totalen Fehlschlag entwickeln. Deshalb muß bei der Auswahl eines Softwarewerkzeuges darauf geachtet werden, daß es benutzerfreundlich ist, wenig Verwaltungsaufwand beansprucht und auf lange Sicht einen materiell bewertbaren oder nicht bewertbaren Nutzen bringt.

Die Belastung des Rechners ist ein leicht zu unterschätzender Faktor. Ich denke da an interaktives Programmieren und Testen, Precompilern und Abfragesprachen, die auch EDV-Laien leicht erlernen können. Muß ich Einschränkungen vornehmen, oder wird das Werkzeug optimal verwaltet und der normale RZ-Ablauf nicht beeinträchtigt? Kann ich den Druckoutput reduzieren? Sind Datenschutz und Sicherheit gewährleistet? Fragen dieser Art tauchen immer wieder auf, da die Qualität des Softwarewerkzeuges erst in der praktischen Anwendung endgültig meßbar ist.

Auch sollte man versuchen, sonstige organisatorische Effekte, wie Senken des Dokumentationsaufwandes, in ein Softwarewerkzeug zu integrieren. Dies ist in unserem Hause sehr gut gelungen. Wir haben eine mehr oder weniger selbst entwickelte strukturierte Programmierung, die keine Kommentarzeilen enthält. Dazu müssen Datennamen "sprechend" sein und dürfen nur minimal abgekürzt werden. Der erhöhte Schreibaufwand wird somit durch die minimale Dokumentation egalisiert. Meiner Meinung nach ist das Programm die aktuellste Dokumentation und muß daher leicht lesbar sein.

Auf dem DV-Markt gibt es eine Vielzahl nützlicher und unnützlicher Softwarewerkzeuge und es wäre zu wünschen, daß für die Zukunft ein allumfassendes Software-Engineering-Paket entwickelt wird.

Ulrich Kothe

Leiter Org/DV, Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Zweigniederlassung FAHR, (IBM 370/148, DOS/VS)

Mehrere Gründe sprechen für den Einsatz von Software-Werkzeugen:

1. Die Organisation und Datenverarbeitung hat die Aufgabe, Arbeitsabläufe in einem Unternehmen zu optimieren und Rationalisierungsmöglichkeiten auszuschöpfen. Dabei darf sie vor der eigenen Tür nicht haltmachen, sondern muß Werkzeuge nutzen, die geeignet erscheinen, DV-interne Arbeitsabläufe zu verbessern.

2. Neben der Wirtschaftlichkeit hat die Flexibilität der EDV ein besonderes Gewicht. Geeignete Software-Werkzeuge tragen erwiesenermaßen zur Steigerung dieser Flexibilität bei. Ich denke da vor allem an den Änderungsdienst in der Programmierung.

3. Ein Faktor, der bisher noch zu wenig Beachtung gefunden hat ist der positive Einfluß von Hilfsmitteln der Programmierung auf den Durchsatz eines EDV-Systems mit virtuellem Speicher.

Die Frage, ob Software-Werkzeuge genutzt werden sollen, ist damit eindeutig mit ",ja" beantwortet. Die Problematik beginnt jedoch schon bei der Auswahl. Es lohnt sich, immer gründliche Untersuchungen anzustellen, bei denen nicht nur die Aspekte der Art und Größe der EDV-Anlage, des Betriebssystems oder der Programmiersprache beachtet werden müssen. Die voraussichtliche Entwicklung sollte unbedingt mit in die Betrachtung einbezogen werden. Denn ein späterer Wechsel kann ein teures Unterfangen sein - egal, ob man das alte und neue System vorübergehend parallel laufen läßt oder ob man sich zu einer radikalen Umstellung entschließt.

Hat sich ein Unternehmen für ein bestimmtes Softwareprodukt entschieden, gilt es, den Einsatz sorgfältig zu planen. Schulung der Mitarbeiter allein genügt nicht. Man muß ihnen die Überzeugung vermitteln, daß die Nutzung des neuen Arbeitsmittels eine Arbeitserleichterung bringt und damit der Einsatz in ihrem eigenen Interesse liegt. Das gelingt jedoch nur dann, wenn die Mitarbeiter frühzeitig in den Prozeß der Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Nach Einführung des Werkzeuges beginnt die schwierigste Phase, die Überwachung. Diese Tätigkeit muß permanent ausgeübt werden, wenn eine "Verwässerung" vermieden werden, soll. Bei komplexen Programmen kann hier mit erheblichem Zeitaufwand gerechnet werden.

Uwe Lehmann

Leiter EDV-Anwendungen, Gothaer Versicherungen, Göttingen (2 Univac 90/80, VS 9)

Wir haben ein umfassendes System von Software-Werkzeugen (DELTA) erworben und führen es seit über einem Jahr systematisch für die Software-Entwicklung ein. Neben diesem auf dem Markt gekauften Produkt wurden für die Online-Programmierung selbst Werkzeuge entwickelt (zum Beispiel eine Standard -Dialog-Steuerung [STANDIS-GV1]) und koordiniert mit dem oben erwähnten System eingeführt.

Ob nun gekauft oder selbst entwickelt: Die Einführung von Software-Werkzeugen wirft grundsätzlich Fragen auf. Zunächst muß das Management überzeugt werden, daß der Einsatz Vorteile bringt und der Kauf sowie die Eigenentwicklung genehmigt wird. Hier werden die Ziele billigerer Software-Entwicklung, höherer Produktivität, besserer Qualität der Programme und Abkehr von den Kopfmonopolen individueller Programmierung hervorgehoben. Diese Ziele klingen zwar realistisch. Es ist jedoch sehr schwer sie durch Statistiken auch zahlenmäßig zu belegen.

Ein weiteres Problem ist des Produkt selbst. Über eigenentwickelte Software-Werkzeuge weiß man Bescheid und kennt Vorzüge und Schwächen. Bei gekauften Produkten kann man jedoch Überraschungen erleben. Man darf nicht erwarten, daß der Anbieter freiwillig über mögliche Schwächen und Mängel Auskunft gibt. Oftmals sind sie ihm auch selbst nicht (bezüglich bestimmter Betriebssoftware) bekannt. Die Beurteilung der Werkzeuge ist also sehr problematisch und der Käufer muß aufpassen, daß er nicht zum Versuchsobjekt wird.

Die erfolgreiche Einführung von Software-Werkzeugen hängt immer von den Leuten ab, die damit arbeiten sollen. Motivation und Einsatzbereitschaft jedes einzelnen Programmierers ist dabei sehr wesentlich und bedarf der besonderen Beachtung bei der Einfüllung neuer Werkzeuge. Grundlage ist die ordentliche Erprobung der Werkzeuge an mindestens einem Projekt. Das ausgewählte Projekt muß überschaubar sein und sollte 6 Mann-Monate nicht überschreiten. Zu dem Projekt- und Gruppenleiter muß ein besonderes Vertrauensverhältnis bestehen und ebenso muß man von seinen Mitarbeitern überzeugt sein. Sie müssen vor Projektbeginn intensiv in der Handhabung der Instrumente ausgebildet werden (Schulung, Vorträge, Kurse, Lektüre).

Das für das Pilotprojekt eingesetzte Team wird sich nun mit den Werkzeugen im Rahmen der Realisierungsphase vertraut machen und auseinandersetzen. Kritische Äußerungen sind zu erwarten - aber das Herausarbeiten von Kritik ist als Teil der Erprobung zu betrachten. Weitere Entscheidungen des EDV-Managements müssen darauf gebührend Rücksicht nehmen.

Da Programmierer gern an alten Gewohnheiten festhalten, muß das erste Projekt mit Fingerspitzengefühl kontrolliert werden. Die wenigsten Programmierer sind gewohnt, ihren persönlichen Arbeitsstil überwacht zu sehen. Man kann dabei beobachten, daß der erfahrene, fähige Programmierer des alten individuellen Arbeitsstils in eine Krise gerät: Weil er die neuen Werkzeuge noch nicht genau beherrscht, kann er seine bisherige Überlegenheit gegenüber unerfahreneren Kollegen nicht mehr demonstrieren. Dagegen gehen junge Nachwuchskräfte mit entsprechender Ausbildung (Diplom-Mathematiker, Diplom-lnformatiker) viel unbedarfter, aufgeschlossener an die neuen Werkzeuge heran und erlernen schnell den Umgang mit ihnen.

Nach erfolgreichem Abschluß des Pilotprojektes und entsprechender Würdigung (wobei alle übrigen Projekt- und Gruppenleiter überzeugt werden müssen) ist der Weg frei für den weiteren Einsatz. Fehlerhaft wäre es, die Werkzeuge jetzt als eingeführt zu deklarieren, sie zu verordnen und nach dem Gießkannenprinzip Schulungen abzuhalten. Der Einsatz muß auch jetzt noch gezielt auf die anstehenden weiteren Projekte planmäßig vorangetrieben werden. Die Projektmitarbeiter sollten Schulung und detaillierte Unterweisungen in der Handhabung der Werkzeuge erst kurz vor dem Einsatz gezielt erhalten. Persönlichkeit und Charakter der Programmierer verlangen im Hinblick auf ihren Arbeitsstil, daß sie zum richtigen Zeitpunkt motiviert werden.

Somit ist die Einführung von Software-Werkzeugen als ein längerer Prozeß über Jahre hinaus zu sehen. Die Verwendung der Werkzeuge für bereits laufende Anwendungen ist ein besonderes Problem, das hier nicht weiter erläutert werden kann.