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15.01.1988 - 

Mehr Bürokommunikation in "Sunrise"-Betrieben als in vielen Großbetrieben:

Einsteigen scheint leichter als Umsteigen

MÜNCHEN (CW) - Die Arbeitsstätten- und Beschäftigtenstruktur in der Bundesrepublik Deutschland hat sich in den letzten eineinhalb Jahrzehnten dramatisch gewandelt. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher der Infratest Industria mit ihrem Programm "Comtec", das die Entwicklungen auf dem Markt der Bürokommunikation untersucht.

Bei den Recherchen wurden folgende Daten ermittelt:

- Die Zahl der Betriebe in der verarbeitenden Industrie ist im Zeitraum von 1970 bis 1986 um 10 Prozent gesunken, die Zahl der in diesem Bereich Beschäftigten um 17 Prozent.

- Beim Handel hat unter anderem das Verschwinden von "Tante Emma" zu einer Reduzierung der Handelsbetriebe um 21 Prozent geführt; allerdings ist dort die Beschäftigtenzahl nur um vier Prozent gesunken, was den Konzentrationsprozeß in diesem Markt deutlich belegt.

- Im Servicebereich, unter den Infratest die Banken und Versicherungen, private Dienstleistungen, professionelle Dienstleistungen sowie Gesundheitswesen, Wissenschaft und Ausbildung - ohne öffentliche Einrichtungen - subsumiert, hat es dagegen eine Steigerung der Betriebsstätten von 1970 auf 1986 um 51 Prozent gegeben, die Zahl der dort Beschäftigten stieg gar um 66 Prozent.

Weiterhin ermittelte Infratest, daß zwölf Prozent der heutigen Betriebe jünger als fünf Jahre sind und nur 50 Prozent der heutigen Betriebe bereits zum Zeitpunkt der letzten Arbeitsstättenerhebung im Jahr 1970 existierten. Die Gesamtzahl der Betriebsstätten in der Bundesrepublik Deutschland ist im gleichen Zeitraum von 2,1 auf 2,44 Millionen gestiegen.

"Vor diesem veränderten Hintergrund müssen die Entwicklungen im Bereich der Installation von Büro- und Telekommunikation gesehen werden", erläuterte Lothar Schmidt aus der Geschäftsbereichsleitung der Comtec bei der Infratest Industria, München. Laut Comtec-Untersuchung 1987 (Stichtag 1. Januar 87) verfügen 38 Prozent der deutschen Betriebe nur über Telefon und eventuell mechanische Schreibmaschinen, weitere 17 Prozent über Telefon und eine höherwertige Schreibmaschine (elektrisch oder elektronisch) beziehungsweise ein Textsystem und 23 Prozent über Telefon, Schreibmaschine oder Textsystem und Kopiergerät. Damit liegt die Zahl der Betriebe, die über die "traditionellen" Geräte hinaus auch noch irgendein weiteres System der Büro- und Telekommunikation einsetzen (also zum Beispiel PCs, DV, Telex, Telefax), immer noch bei nur 22 Prozent.

Zu den gutausgestatteten Betrieben gehören jedoch nicht mehr nur die Großbetriebe, sondern auch eine Vielzahl sogenannter "Sunrise"-Betriebe. Hinter diesem Begriff verbergen sich Neugründung, Adreßwechsel, Besitzerwechsel und Umzug von Betrieben innerhalb der letzten fünf Jahre. In diesem Sunrise-Bereich haben im übrigen 90 Prozent der Betriebe nur bis zu zehn Beschäftigte, 70 Prozent sogar nur bis zu fünf Beschäftigte. "Diese Zahlen dokumentieren den Wandel, der sich in unserem Wirtschaftsleben teils deutlich, teils unbemerkt vollzogen hat", so Infratest. "Die Verlagerungen von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft spiegelt sich darin ebenso präzise wider wie der Zug zu kleinen, leistungsfähigen Betriebsgrößen im Dienstleistungsbereich." Den vergleichsweise hohen Anteil der "Sunrise"-Betriebe an den Installationszahlen für Büro- und Telekommunikation erklärt Schmidt mit der Bereitschaft, neue Büroräume von Beginn an mit professionellen Kommunikations- und. Organisationssystemen auszustatten. "Einsteigen scheint - so gesehen - leichterzufallen als Umsteigen."

Was das "Umsteigen" von alter Büroausstattung auf die neuen Möglichkeiten der Büro- und Telekommunikation betrifft, äußern die Infratest-Experten ihre Zweifel, ob die Hersteller und Distributoren von Bürokommunikations-Systemen und -Endgeräten in ihrer Werbung bereits die zielgruppenadäquate Sprache und Zielrichtung gefunden haben. Dazu Schmidt: "Wenn in etwa 75 Prozent aller bundesdeutschen Betriebe die Themen Datenverarbeitung und komfortable Telekommunikation nicht zum Betriebsalltag gehören, scheint es fraglich, ob diese Zielgruppe mit den futuristischen Klängen, die derzeit für DV, Netzwerke und ISDN inszeniert werden, zu gewinnen ist!" Anwenderzurückhaltung ist jedoch nicht nur in den traditionell ausgestatteten Klein- und Mittelbetrieben zu registrieren, sondern in spezifizierter Form auch in Großbetrieben. Die dort zuständigen Organisationsleiter denken im Hinblick auf moderne Telekommunikation und ISDN weniger an Bildschirm-Telefon und -Zusatzgeräte, sondern entscheiden sich derzeit eher für ein leicht bedienbares Telefon mit ABC-Funktionstasten mit entsprechenden Organisationsmerkmalen.

Infratest erhob mit Comtec wieder bei rund 5000 Anwenderbetrieben seine Daten und rechnete die Ergebnisse auf der Grundlage der neu ermittelten Betriebsstruktur hoch. Das Unternehmen kam dabei in den Bereichen Personal Computer und Telekommunikation zu den in den Grafiken visualisierten Ergebnissen.