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22.02.1985 - 

Vorbereitung für die zweite Runde des EG-Förderprogramms:

Einstieg in Esprit: Schwierig und aufwendig

Zum "Esprit-Heiratsmarkt" am 6. Februar 1985 in Brüssel (siehe auch CW Nr. 5 vom 1. Februar 1985, Seite 2) hatten sich zwischen 600 und 700 Kandidaten eingefunden. Zweck der Veranstaltung: interessierte Antragsteller aus ganz Europa zunächst über die zweite Runde des EG-Förderprogramms zu informieren. Klaus Richter von der Kölner Unternehmensberatung Scientific Consulting Dr. Schulte-Hillen BDU schildert seine Eindrücke vom "Heiratsmarkt".

Zunächst einmal zeigte sich, daß die politischen Randbedingungen des Programms den Interessenten erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Das Hauptproblem für Antragsteller dürfte vor allem darin liegen, mindestens zwei industrielle Partner aus verschiedenen EG-Ländern zusammen zu bringen. Erst wenn diese sich gefunden haben, kann ein Antrag mit Aussicht auf Erfolg gestellt werden.

Unter industriellen Partnern versteht man in Brüssel zunächst einmal Hardware- und Systemhersteller, aber auch Softwarehäuser und unter Umständen auch Consulting-Firmen, wobei hier offensichtlich die Grenzen fließend sind. Forschungsinstitute haben nur dann eine Chance, wenn sie zwei industrielle Partner aufzuweisen haben. Ein Kriterium ist ganz offensichtlich auch die Größe der antragstellenden Unternehmen, denn man erwartet, daß die Antragsteller später auch in der Lage sind, die erarbeiteten Ergebnisse erfolgreich zu vermarkten.

Es ist daher für kleinere Firmen von Vorteil, nicht als Antragsteller, sondern als Unterauftragnehmer in dem Antrag eines größeren Unternehmens aufzutreten.

Suche nach geeigneten Partnern nicht einfach

Die reine Partnersuche macht offenkundig ganz erhebliche Probleme. Überall traf man in Brüssel Firmen, Institute etc., die nach geeigneten "Heiratskandidaten" Ausschau hielten. Ein Prozeß, der durch den organisatorischen Ablauf der Veranstaltung nicht erleichtert wurde.

Eine weitere, ganz erhebliche Schwierigkeit besteht in der bürokratischen Prozedur und der Unkenntnis der meisten Antragsteller, wie man der europäischen Forschungsbürokratie ein gutes Projekt erfolgreich verkauft. Das fängt bereits damit an, daß die Anträge auf englisch einzureichen sind. Man betonte zwar, daß niemandem Nachteile daraus erwachsen, der der englischen Sprache nicht so mächtig ist wie etwa die Antragsteller aus dem anglophonen Bereich. Trotzdem wurde deutlich, daß hier eine erhebliche Klippe liegt. Gute Projekte und gute Anträge sind zweierlei.

Projektprüfung intensiver als bei BMFT-Vorhaben

Darüber hinaus hält man sich in Brüssel auf die Qualität des angewandten Prüfungsverfahrens viel zugute. Einzelne Vertreter von Esprit betonten, daß man bei der Prüfung sehr viel genauer hinsehe als etwa das deutsche Bundesforschungsministerium, ein Versprechen, das nichts Gutes ahnen läßt.

Dies wurde auch von einer Reihe erfolgreicher Antragsteller erläutert, die über ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Esprit-Programm berichteten. Sie betonten, daß sehr viele bereits an den reinen Formalismen der Antragsprozedur scheitern, sei es aus mangelnder Erfahrung oder ganz einfach aufgrund der Tatsache, daß sie die von der EG vorgegebenen, detaillierten Richtlinien zur Antragserarbeitung nicht penibel genug einhalten.

Ein weiterer Punkt, auf den die Antragsteller hinwiesen, war, daß für einen erfolgreichen Antrag unbedingt eine sehr genaue Darstellung des Standes der Technik erforderlich ist. Es wurde auch von den Vertretern des Esprit-Programms betont, daß bei Mängeln in der Darstellung zum Stand der Technik angenommen wird, der Antragsteller kenne diesen nicht genau, und daß sein Proposal entsprechend sei.

Kooperation mit Nicht-EG-Partnern geht notfalls auch

Wenn die Esprit-Vertreter betonen, es komme ihnen nicht so sehr auf perfekt ausgearbeitete Anträge als auf qualifizierte Projekte an, so ist doch unverkennbar, daß die Bewilligungschancen im Programm in hohem Grade von der Professionalität der Antragsformulierungen abhängen.

Ein weiterer, immer wieder diskutierter Punkt war die Kooperation mit Nicht-EG-Partnern und hier insbesondere auch die Kooperation mit amerikanischen und zum Teil auch japanischen Firmen oder deren europäischen Töchtern. Die Quintessenz aus den oft wortreichen Antworten der EG-Vertreter: Gern gesehen wird eine Kooperation mit Partnern außerhalb der EG nicht, aber wenn eine gute Begründung geliefert wird, dann geht notfalls auch das.

Im Palais Borchette sollten sich am Nachmittag diejenigen einfinden, die für ihr beabsichtigtes Projekt noch einen Partner suchen. Fünf Säle, je einer für das jeweilige Teilprogramm, und Simultandolmetscher standen zur Verfügung. Trotzdem wurde der gesamte Dialog in Englisch abgewickelt.

Die mit der jetzigen Ausschreibung möglichen Projekte sollen sich wie folgt auf die einzelnen Teilprogramme verteilen: CIM, obwohl nur schwach mit Mitteln bedacht, fand den meisten Zulauf. Rund 200 Interessenten drängten sich in den für diesen Ansturm knapp bemessenen Saal. Weniger Zulauf hatte die Softwaretechnologie. Hier werden noch gute Projekte gesucht. Die meisten Teilnehmer hatten jedoch die Schwierigkeit, in dem zeitweise recht chaotisch wirkenden "Heiratsmarkt" den geeigneten Partner zu finden. Sie irrten wahllos durch die Gänge und sprachen jeden an, der zufällig einen Moment stehenblieb. Auf diese Weise ein vernünftiges Forschungs- und Entwicklungsprojekt zustande zu bekommen, bleibt dem Zufall überlassen.

Auch die Versuche des Esprit-Teams, Interessenten über handschriftliche Listen zusammenzubringen, machten zwar den Eindruck ernsten und engagierten Bemühens, dürften aber die Probleme der Informationstechnik Europas beim Übergang in das nächste Jahrtausend nur geringfügig beeinflussen.

Es wurde deutlich, daß es für das einzelne Unternehmen außerordentlich schwer ist, Anträge mit Partnern aus anderen europäischen Ländern gezielt und gut angepaßt an das Programm so zu erarbeiten, daß die Erfolgschancen kalkulierbar sind. Hierzu trägt auch bei, daß die Antragsfristen wieder einmal außerordentlich kurz gesetzt sind: Die Anträge müssen bis, zum 25. 03. 1985, 17.00 Uhr bei der EG sein.

Wenn bei der Inanspruchnahme öffentlicher Fördergelder für Forschung und Entwicklung beim Forschungsministerium in Bonn und bei den Landesregierungen die Inanspruchnahme qualifizierter Berater bisher schon allgemein von Vorteil war, so scheint sie im Rahmen des EG-Programms schon fast unumgänglich zu sein, wenn man einmal von Unternehmen wie Siemens, Nixdorf und erstaunlicher Weise auch IBM, Digital Equipment etc. absieht. Diese haben bereits bei der Programmvorbereitung in den jeweiligen Ausschüssen ein intensives Wort mitgeredet und sind daher bestens präpariert.

Wer sich überlegt, ob er an diesem Programm teilnehmen soll, dem seien nur folgende Zahlen genannt: Die EG wird innerhalb der nächsten Jahre zunächst 750 Millionen europäische Rechnungseinheiten (ECU), was mehr als zwei Milliarden Mark entspricht, an Antragsteller aus Europa vergeben. Eine Aufstockung der Mittel ist vorgesehen. Alle bewilligten Projekte wie beim BMPT mit 50 Prozent bezuschußt, wobei die Vorgehensweise der Bezuschussung grundsätzlich als durchaus großzügig bezeichnet werden kann.

Beratung bei Esprit-Anträgen

Die Kölner Beratungsfirma Dr. Schulte-Hillen BDU bietet Interessenten am Esprit-Programm ihre Unterstützung bei Ausarbeitung und Formulierung von in Brüssel zu stellenden Anträgen an. Die Beratung umfaßt zunächst einmal die Suche europäischer Partnerfirmen und Institute , die unabdingbare Voraussetzungen für die Antagstellung sind.

Es schließt sich die genaue Ausarbeitung der Anträge und ihre Ausformulierung in englischer Sprache an. Es werden gemeinsam mit dem Antragsteller die einzelnen Arbeitsziele festgelegt und in Balken- und Netzpläne übertragen. Die Kalkulation wird zum Teil computerunterstützt durchgeführt und der komplette Antrag fertiggestellt.

Soweit erforderlich, werden Rückfragen in Brüssel persönlich durchgeführt.

Größte Eile ist geboten, da die Anträge bis zum 25. 03. 1985, 17.00 Uhr in Brüssel abzugeben sind. Die Projektanträge werden sodann von den entsprechenden Gremien der. EG beurteilt. Die abschließenden Sitzungen sollen im Juni stattfinden. Entsprechende Verträge sollen ab August abgeschlossen werden.

Informationen: Scientific Consulting, Dr. Schulte-Hillen BDU, Volkhovener Weg 172 - 176, 5000 Köln 71, Tel.: 02 21/7 95 09-1, Telex: 8 882 178 sc d, Ansprechpartner Dr. Richter.