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25.08.2005

Einstiegshilfen für PLM-Projekte

Hans-Joachim Langen 
Hinter unternehmensübergreifendem Product-Lifecycle-Management stecken komplexe Integrationsaufgaben. Anwender sollten deshalb mit kleinen konkreten Projekten starten.
Quelle: Itelligence
Quelle: Itelligence

Viele IT-Projekte sind eine große Herausforderung für Prozesse, Menschen und die Technik in einem Unternehmen. Ein ganz besonderes Kaliber ist die Einführung von Lösungen für das Product-Lifecycle-Management (PLM). PLM-Systeme steuern Produktdaten über den gesamten Produktlebenszyklus von der ersten Idee bis zum Ende der Wartung. Zudem soll diese Disziplin Kunden und Lieferanten im Sinne eines Collaborative Engineering in die Wertschöpfung einbinden. Doch wo soll mit dieser Herkulesaufgabe begonnen werden? Die Antwort klingt simpel: Das A und O bei der Implementierung von PLM sind kleine, realisierbare Einführungsprojekte, bei denen der Nutzen auf der einen Seite sowie Aufwand und Kosten auf der anderen in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen.

Kernfunktionen von PLM-Systemen

• Verwaltung verschiedenster Dokumentenarten;

• Klassifikation, Sachmerkmalleisten;

• technisches Teilestamm-Management;

• Produktstrukturverwaltung;

• Generierung und Verwaltung von Stücklisten;

• Änderungs-Management;

• Historien- und Versions-Management;

• Workflow-Unterstützung;

• Produktkonfiguration;

• Konfigurations-Management;

• Integration von CAD;

• Projekt-Management;

• Collaborative Engineering;

• Plot-Management;

• Berechtigungen und Rollen.

Hier lesen Sie …

• was Product-Lifecycle-Management bedeutet;

• welche konkreten Einstiegsoptionen sich für das Thema anbieten;

• wo die Hürden liegen.

Da ein Big Bang wenig sinnvoll ist, haben sich in der Vergangenheit eine Reihe typischer Einstiegspunkte für PLM-Projekte herauskristallisiert. Sie richten sich nach dem Wunsch, schnell einen wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen sowie den dringendsten Handlungsbedarf zu befriedigen. So hat sich zum Beispiel die Überarbeitung des Norm- und DIN-Teile-Managements als ein praktikabler Einstieg in ein PLM-Vorhaben bewährt. Zu den Aufgaben zählen hier die Klassifizierung (Sachmerkmalsleiste) von Produktparametern, das Feststellen von Gleichteilen und daraus folgend das Wiederholteile-Management.

Für mehr Transparenz und einen schnellen Nutzen bietet es sich auch an, die Dokumentenverwaltung zu erneuern. Dabei wird die Entstehung von Entwicklungspapieren, Projektdokumentationen und Normenverwaltungen auf den Prüfstand gestellt und vereinheitlicht. Die Verwaltung von Modellen und Zeichnungen (3D und 2D) sind ebenfalls geeignete Ausgangspunkte für eine PLM-Implementierung. Das Ziel ist letztlich, dass unternehmensweit konsolidierte Dokumente vorliegen.

Weitere gängige Startpunkte sind die Überprüfung des Produktdaten-Managements und der Entwicklungsmethoden, das Management von Entwicklungsprojekten sowie die Einrichtung so genannter Collaboration Folder, wie sie beispielsweise SAP PLM vorsieht. Darin ist der kontrollierte Daten- und Dokumentenaustausch mit externen Entwicklungspartnern festgelegt.

Immer das Ganze im Blick

Hat das Unternehmen einen Brennpunkt für den möglichen Start ausgemacht, ist es wichtig, anschließend den vollständigen Unternehmensprozess zu betrachten und in die Planung einzubeziehen. Gerade der Einkauf, die Fertigung sowie die Bereiche Kostenrechnung und Vertrieb profitieren später von den Konstruktionsdaten. Die Wahl der Vorgehensweise hängt von den Zielen und Randbedingungen im Unternehmen ab. Beispielsweise kann in einem ausgewählten Produktbereich ein definierter PLM-Umfang eingeführt und später auf weitere Bereiche übertragen werden.

Die Datenübernahme in das neue System ist ein hervorragender Anlass, um Produktdaten im Unternehmen zu bereinigen oder Mehrfachverschlüsselungen und -benennungen zu vermeiden. Damit sollte man bereits zu Beginn der Implementierung anfangen. Frühzeitige Testdatenübernahmen zeigen, wie weit die Bemühungen vorangeschritten sind.

Berechtigungskonzept

Ebenso wie die übergreifende Daten- und Systemintegration muss ein umfassendes Konzept für die Schreib- und Leserechte erarbeitet werden, das festlegt, wer im Unternehmen Zugang zu den Informationen hat. Von Belang sind hier unter anderem die verschiedenen Objektarten wie Dokumentenart (CAD-Modell, Fertigungsanweisung, technische Dokumentation, Normen) und Materialart (Normteil, Konstruktionsteil, Hilfs- und Betriebsstoffe). Im Projekt müssen ferner Freigabeverfahren definiert werden: Wer darf welchen Status abhängig von welchen Attributen setzen? Dazu gehören die Dokumenten-, Material- und Stücklistenfreigabe. Input für ein rollenbasierendes Berechtigungskonzept liefern meist die Fachbereiche. Darin sind Rollen von Mitarbeitern (Konstrukteure, Projekt-Manager, Normungszuständige) aufgelistet, und mit Hilfe von Matrixobjekten lassen sich Status und Aktion in Verbindung zur Rolle darstellen.

Sind die ersten Projekthürden genommen, stellen sich dank der Integration von Prozessen und Systemen rasch Verbesserungen ein. So sind im PLM-System Bestandsinformationen etwa für die Konstrukteure sichtbar: Sie wissen, ob Teile im Lager für eine anstehende kundenspezifische Konstruktion vorhanden sind. Nachgelagerte Bereiche können frühzeitig auf Produktdaten zugreifen; dadurch lassen sich Produktstrukturen parallel aufbauen und sehr zeitnah Vortests absolvieren, so dass sich die Entwicklungszeiten verkürzen.

Ein positiver Effekt der Integration von ERP und PLM, speziell mit Finanzdaten, besteht darin, dass Kosteninformationen im Design sofort verfügbar sind. Somit kann man sehr früh kalkulieren. Erfolgt die Entwicklung, wie heute üblich, unter klaren Vorgaben hinsichtlich der Kostenobergrenzen, ist ein simuliertes Experimentieren mit verschiedenen Materialien möglich.

Mit PLM lassen sich auch Konstruktionsteile unternehmensweit standardisieren, was eine durchgehende und synchronisierte Parametrierung im CAD und im Teilestamm zur Folge hat. Die Integration vereinfacht ein unternehmensweites Änderungswesen.

Trotz dieser konkreten PLM-Einstiegsoptionen: Viele Firmen unterschätzen die Komplexität von PLM-Projekten, weil sie das Thema meist nur systemtechnisch und funktional betrachten - ein ganzheitlicher Ansatz fehlt, was zu mangelnder Integration führt. Ein weiterer erfolgskritischer Faktor ist die klare Zieldefinition: Was will man mit PLM erreichen? Diese Frage müssen sich die Verantwortlichen stellen, ohne dabei die Antwort mit zu vielen komplexen Schritten zu befrachten. (ue)