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08.12.1995

EITEC-Teilnehmer diskutieren Herausforderungen der Informationsgesellschaft Mit Imprimatur sucht die EU nach Copyright-Loesung fuer Netze

BRUESSEL (hi) - Ueber die Herausforderungen beim Aufbau der Informationsgesellschaft diskutieren in Bruessel die Teilnehmer der European IT Conference 1995 (EITC). Auf der von der Generaldirektion III (DG III) der Europaeischen Kommission (EC) ausgerichteten Veranstaltung standen weniger Fragen des Netzausbaus im Vordergrund als vielmehr die Probleme der Sicherheit, des elektronischen Bezahlens sowie der Urheberrechte auf dem Information-Highway.

Noch bis vor kurzem schien Europa in Sachen Umbau der Industriegesellschaft im Dornroeschenschlaf zu liegen. Waehrend jenseits des grossen Teiches die Clinton-Administration die Weichen in Richtung Information-Society gestellt hatte, beschaeftigte sich die EU mit Butterbergen und Milchseen.

Nachdem Bruessel bereits zu Beginn des Jahres Tagungsort des G7- Treffens zur Global Information Society war, trafen sich dort jetzt IT-Experten zur Nachfolgekonferenz EITC. Auch wenn das politische Europa mittlerweile aufgewacht ist und kaum ein EC- Mitarbeiter muede wird, die IT-Foerderungsarbeit im Rahmen des European Strategic Programme for Research and Development in IT (Esprit) zu loben, besteht nach Ansicht von Edith Cresson, ehemalige franzoesische Premierministerin und jetzige European Commissioner for Science, Research and Development, Education Training and Youth, kein Anlass zum selbstgerechten Zuruecklehnen.

So appellierte die Politikerin eindruecklich, dass IT und TK als Schluesseltechnologien der Zukunft in Unternehmen und Politik endlich an erster Stelle stehen muessten, wenn die Alte Welt in der sich geradezu revolutionaer durchsetzenden Information-Society Erfolg haben wolle. Die USA investieren fuer Forschung bereits heute mehr als das Doppelte wie Japan und die EU. Auch in den Schulen lasse die Vorbereitung auf die Information-Society zu wuenschen uebrig. Waehrend sich in den USA zehn Schueler einen Rechner teilen, liegt das Verhaeltnis in Europa bei 30 zu eins.

Michael Spindler, CEO von Apple, warnte in seiner Rede zwar ebenfalls davor, dass die Europaeer auf dem Weg in die Information- Society, die der Apple-Chef lieber als "Knowledge Society" bezeichnet, ins Hintertreffen geraten. Allerdings sieht Spindler die Fehler nicht unbedingt in Forschung und Entwicklung. Vielmehr macht der Apple-Boss das haeufig schlechte Marketing fuer den Rueckstand verantwortlich. Als gegensaetzliche Beispiele nannte er GSM und ISDN. Waehrend die Alte Welt mit GSM einen Volltreffer gelandet habe, der nach kuerzester Zeit auf dem besten Weg sei, zum Weltstandard zu avancieren, habe man mit der ISDN-Entwicklung bereits vor 15 Jahren begonnen und heute noch immer keinen nennenswerten Marktanteil erreicht.

Waehrend Cresson glaubt, die kleineren europaeischen Firmen wuerden im Multimedia-Bereich von den US-Giganten ueberrannt, sieht Spindler gerade in den kleinen Unternehmen, die ueber Risikokapital finanziert werden, einen weiteren Vorteil der Amerikaner. Diese Firmen koennten sich schneller auf Veraenderungen einstellen als die grossen IT-Konglomerate Europas.

Ansonsten haengt fuer Spindler der Erfolg der Informationsgesellschaft weniger von den Endgeraeten als vielmehr von den Inhalten ab. Dem Apple-Boss ist es egal, ob sich das von Oracle-CEO Larry Ellison vorgeschlagene einfache Internet-Terminal durchsetzen wird oder ob die Entwicklung, wie Microsoft-Chef Bill Gates glaubt, von immer intelligenteren PCs und PC-Programmen ausgeht. Entscheidend sei, dass die Informationsvielfalt zunehme und einen echten Mehrwert biete. Dies koenne nur durch neue weltweite Partnerschaften erreicht werden.

Zwar stimmten die meisten Kongressteilnehmer mit Spindler in dieser Forderung ueberein, doch, so das einhellige Credo, bevor an die weltweite Vermarktung von Inhalten zu denken sei, muesse erst die Frage der Urheber- und Verwertungsrechte auf internationaler Ebene geloest werden. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die EU bereits unternommen. Waehrend der EITEC fiel der Startschuss fuer "Imprimatur".

Im Rahmen des Projekts, das mit vier Millionen ECU aus dem Esprit- Fond finanziert werden soll, will man an einem einheitlichen Copyright-Management fuer die elektronischen Maerkte der Zukunft arbeiten.

Nach Angaben der EU bringt Imprimatur, das im laufenden Dezember startet, zum ersten Mal alle Interessengruppen der Information- Society - die Kreativen, die IT- und TK-Sektoren sowie Endbenutzer und Rechtsexperten - an einen Tisch. Zudem sollen durch das Projekt die Regierungen und Standardkomitees in aller Welt fuer die Probleme sensibilisiert werden, mit denen sich Kuenstler und Verlage im Online-Zeitalter konfrontiert sehen.

Die digitale Welt erfordert neues Copyright

Chris Balas, Vorsitzender der britischen Author's Licensing & Collecting Society, begruesste diese Initiative, denn "das Potential der Informationsgesellschaft haengt von der Existenz einer gemeinsamen elektronischen Copyright-Management-Infrastruktur ab". Er trat dafuer ein, das Problem schnellstens zu loesen, da die Rechtsvorschriften des analogen 20. Jahrhunderts fuer die digitale Welt des 21. Jahrhunderts nicht geeignet seien.

Neben den rechtlichen Problemen will man im Rahmen von Imprimatur auch die technische Frage angehen, wie sichergestellt werden kann, dass Autoren fuer ihre geistige Arbeit, deren Ergebnis via Netze verteilt wird, auch bezahlt werden. Hierzu plant man die Entwicklung von Server-Software, die ueber die Einhaltung der Urheberrechte in den Netzen wacht.

Waehrend die Rechtsfragen noch ungeklaert sind, zeichnen sich bezueglich der elektronischen Online-Entlohnung erste Loesungen ab. Hierzu werden derzeit zwei unterschiedliche Ansaetze verfolgt. Da ist zum einen das Modell einer elektronischen Geldboerse, die aus einer Karte besteht, die bei einer Bank mit einem entsprechenden Geldwert aufgeladen wird. An Terminals kann der Kunde dann damit bezahlen, Allerdings betont Bob Carter, der am CAFE-Modell, so die Bezeichnung fuer das elektronische Portemonnaie der Zukunft, mitarbeitet: "Dies ist noch kein Produkt, sondern eine Technologie."

Einen anderen Ansatz bei den elektronischen Zahlungsmitteln verfolgt die hollaendische Digicash. Mit "Ecash" hat die Company ein elektronisches Zahlungsmittel fuer Online-Dienste entwickelt. Dabei stellt eine Bank dem Kunden das digitale Geld aus, das dieser dann bei Transaktionen verwenden kann. Das Cybergeld ist allerdings weniger dauerhaft als Scheine und Muenzen. Der Anwender kann es nur einmal fuer Transaktionen verwenden, danach muss es der Empfaenger online bei einer Bank einloesen und seinem Konto gutschreiben lassen. Um die Authentizitaet des Geldes zu garantieren, verwendet Ecash nicht nur Seriennummern, wie bei Geldscheinen ueblich, sondern auch Verschluesselungsmechanismen.

Ueberhaupt sieht Paul Dinnissen von der niederlaendischen Digicash Kryptografie und verlaessliche Decodierung als die Verfahren an, um das elektronische Bezahlen auch in offenen und damit eher unsicheren Netzen wie dem Internet zu verwirklichen. Mit Hilfe sogenannter oeffentlicher Schluessel koenne der rechtmaessige Empfaenger von Cybergeld die codierten Informationen des Kunden dechiffrieren, womit sichergestellt sei, dass das Geld nicht in falsche Haende gelange.

Allerdings steht und faellt die Kryptografie, die gerade in der Information-Society mit vielen Netzteilnehmern immer mehr an Bedeutung gewinnt, mit dem Wunsch zahlreicher Regierungen, ueber die Schluessel Verfuegungsgewalt zu bekommen. Auf dieses Problem machte Pieter van Dijken, verantwortlich fuer die IT-Sicherheit bei Shell, aufmerksam. Der Manager berichtete in Bruessel vom Wunsch des britischen "Department of International Trade and Industry", Shell moege das Verschluesselungsverfahren der Behoerde mitteilen. Ein Anliegen das, van Dijken mit einem hoeflichen, aber bestimmten Nein ablehnte: "Wir verstehen die Sorgen der Laender, in denen wir agieren, wir werden aber diesen Laendern Zugriff auf unsere Daten nur ueber die ueblichen gesetzlichen Verfahren gewaehren."

Diese Entscheidung begruendet der IT-Verantwortliche damit, dass fuer Shell und seine Partner die Sicherheit des E-Mail-Systems unbedingt gewaehrleistet sein muesse, da ueber diese Systeme zahlreiche Auftraege abgewickelt werden und jeder Fehler das Unternehmen bares Geld kostet. Der Oelmulti entwickelt derzeit mit Partnern eine Verschluesselungsloesung fuer das interne Informationssystem, ueber das die Company Handelsinformationen und globale Daten austauscht