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03.12.1999 - 

DV-Freiberuflerkongreß diskutiert Technologie-Entwicklung nach 2000

Electronic Business bietet neue Betätigungsfelder für Selbständige

von Ina Hönicke* Dank des Jahr-2000-Problems, der Euro-Einführung und der dünnen Personaldecke können sich die DV-Freiberufler zu den Gewinnern der IT-Szene zählen. Auf dem Technologieforum in Frankfurt am Main wurde indes deutlich, daß sich aufgrund neuer Entwicklungen wie E-Commerce die Betätigungsfelder künftig verändern und die Anforderungen größer werden.

Daß die DV-Freiberufler inzwischen ein großer Wirtschaftsfaktor geworden sind, stand auf dem vom Computerwoche Verlag veranstalteten Technologieforum außer Frage. Schließlich hatten sowohl das "Problem 2000" als auch die Einführung des Euro ihnen in diesem Jahr volle Auftragsbücher beschert.

Jetzt aber fragen sich viele IT-Selbständige, was ihnen die Zukunft bieten wird. Selbst IT-Chefs haben derzeit große Probleme mit dem Tempo mitzuhalten, in dem sich der Technologiewandel vollzieht. So ist von Supply-Chain-Management, Unternehmensportalen und E-Business, von Customer-Relationship-Management (CRM) und XML die Rede, der Begriff Kundenorientierung steht auf jeder Vorstandsfolie - neue Software wartet auf ihren Einsatz. Kurzum: Neue Technologien allerorten, und das IT-Personal ist mehr als knapp.

Von diesem Dilemma können die Freelancer nur profitieren - vorausgesetzt, sie sind in den neuen Einsatzgebieten fit. Um sich in puncto Technologie-Entwicklung schlau zu machen, trafen sich in Frankfurt denn auch rund 220 Freelancer aus dem IT-Bereich.

"Kreative passen nicht zu den IT-Profis"

Luis Praxmarer, Geschäftsführer der Meta Group, machte den Kongreßteilnehmern zunächst einmal Mut: "Aufgrund der Jahreszahlenumstellung und der Einführung des Euro sind etliche Projekte in den Unternehmen liegengeblieben. Diese müssen jetzt - und zwar mit Hilfe Externer - angeschoben werden." Gleichzeitig müsste den DV-Freiberuflern aber klar sein, daß durch die Einführung neuer Technologien die an sie gestellten Anforderungen nach der Jahrtausendwende nicht gerade einfacher würden.

Für den Meta-Group-Chef steht fest, daß sich in der künftigen Arbeitswelt die virtuellen Strukturen durchsetzen werden. Praxmarer: "Die Zusammenarbeit mit externen Partnern sowie die Integration von Geschäftsprozessen bestimmen die Zukunft." Unternehmen würden künftig daran gemessen, wie gut und schnell ihre Mitarbeiter mit anderen zusammenarbeiten können. Die Zeit werde zum wichtigsten Faktor.

Darüber hinaus würden die Grenzen zwischen internen und externen Mitarbeitern fließender werden. Künftig, so der Meta-Chef, interessiert es keinen Menschen mehr, ob der Kollege, mit dem er kommuniziert, nun ein "echter" Kollege, von einer Tochtergesellschaft oder ein Berater ist.

Als weitere Chance für die Freiberufler sieht der Marktanalyst die sich in der Cyberwelt entwickelnden Nischen. Da sich die Unternehmen zunehmend auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, Fusionen eingehen, einzelne Bereiche auslagern, würden sich für Externe eine große Anzahl von neuen Betätigungsfeldern auftun. Dazu gehörten Desktop-Beratung/Call-Center, Intranet/Extranet sowie der gesamte Sicherheitsbereich.

Auch bei der Bewältigung der Internet-Probleme sei externe Unterstützung notwendig. Hier erwartet Praxmarer allerdings einige Reibungsverluste: "Die sogenannten kreativen Zopfträger passen nicht unbedingt zu den IT-Profis. Wer diese unterschiedlichen Mitarbeiter zu einem Team formen kann, wird in der E-Welt die Nase vorn haben." Sein Resümee: "Nach der Jahrtausendwende werden den DV-Freiberuflern, die über die richtige Qualifikation verfügen, alle Türen offen stehen, während für die Cobol-Programmierer die guten Zeiten vorbei sind."

In puncto Kundenorientierung und Virtualität schwimmt Thomas Puslednik von Sun Microsystems auf der gleichen Welle: "Das Wissen über das Kundenverhalten wird immer wichtiger. Hier liegen die Chancen für die Unternehmen und für die Beraterwelt." Seine Firma werde alles tun, um bei der Realisierung der sogenannten dot.com-Welt eine entscheidende Rolle zu spielen. Für den Sun-Mann steht fest, daß die Portale die Killer-Applikationen der Zukunft sein werden.

Pudlednik hat folgenden Tipp parat: "Für die E-Commerce-Welt werden dringend Freiberufler benötigt, da bei den eigenen Mitarbeitern allzu oft noch mit inneren Widerständen zu rechnen ist." Wer sich also in der Java-Umgebung, Datenbank- oder Unix-Administration schlau mache, könne künftig ein gewichtiges Wort mitreden.

In einem Punkt waren sich die Referenten einig: Die Qualifizierung wird sowohl für die festangestellten IT-Profis als auch die Freiberufler immer wichtiger. Georg Heuser von der Prokoda AG, der den Kongreßteilnehmern das Skin-Programm (Skill Improvement Network) vorstellte, riet den IT-Selbständigen, sich mehr mit modernen Lerntechnologien auseinanderzusetzen. Online-Lernmethoden hätten für die Selbständigen den großen Vorteil, daß sie orts- und zeitunabhängig seien. Heuser: "Die Zeiten, in denen die Lernenden im Seminarraum sitzen, sind vorbei - die Zukunft gehört dem Selbststudium mit entsprechender Online-Unterstützung."

Nach der Theorie wurde der Einsatz neuer Technologien anhand eines Praxisbeispiels demonstriert. Markus Dieckmann, Software-Entwickler bei der Ceta-Software GmbH, stellte eine Anwendungsarchitektur auf der Basis Enterprise Java Beans (EJB) im Banken-Umfeld vor. Die Präsentation dieser Anwendung ließ erkennen, wie groß das Interesse bei vielen der anwesenden DV-Freiberufler an Java-Anwendungen ist. Noch lange nach Beendigung des Vortrags mußte der Ceta-Mann detaillierte Auskünfte über das Projekt geben. Allerdings kommt das Interesse an Java nicht von ungefähr, denn nach neuesten Umfragen stehen Java-Spezialisten auf der Wunschliste vieler Unternehmen weit oben.

Obwohl die Podiumsdiskussion gegen Ende eines langen Kongreßtages angesetzt war, waren die Stuhlreihen noch gut gefüllt. Wahrscheinlich hatte das Interesse etwas mit dem sehr optimistisch klingenden Diskussionsthema "Freiberufler - die heimlichen Könige in der Wirtschaft?" zu tun. So ganz einig waren sich die Diskussionsteilnehmer in der Beantwortung dieser Frage nicht. Zwar sind sie davon überzeugt, daß sich der Trend zur Freiberuflichkeit künftig weiter verstärken wird. Die Situation der Selbständigen könne aber langfristig schwieriger werden. Laut Untersuchungen wollen sich viele Unternehmen bei der Vergabe von Aufträgen an freie Mitarbeiter ab dem Jahr 2000 zurückhalten. Dirk Bisping, Vorstand des Berufsverbands Selbständige in der Informatik (BVSI), erklärte: "Die Freelancer sollten die Hoffnungen im Moment nicht allzu hoch schrauben. Viele der zurückgestellten Projekte befinden sich auch nach der Jahrtausendwende noch in der Warteschleife."

Qualifizierungsstrategien sind Mangelware

Andererseits würden den Unternehmen sowohl für die Internet-Welt als auch für interne Projekte Mitarbeiter fehlen. Den IT-Chefs bliebe also nichts anderes übrig, als sich um externe Unterstützung zu bemühen. Voraussetzung hierfür wiederum, so Bisping, ist das entsprechende Know-how. Lutz Goertz vom Deutschen Multimedia Verband beschwor deshalb die Kongreßteilnehmer, sich auf lebenslanges Lernen einzustellen: "Die optimale Lösung wäre gemeinsam mit dem Unternehmen, nach einer Qualifizierungsstrategie zu suchen - aber das ist leider die Ausnahme."

*Ina Hönicke arbeitet als freiberufliche Journalistin in München.