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22.05.1998 - 

Interview

"Electronic Business ist keine Zauberei"

CW: Viele werfen Ihnen vor, die E-Business-Initiative der IBM sei nichts als eine große Marketing-Blase - IBM verkaufe quasi alten Wein in neuen Schläuchen. Was antworten Sie diesen Kritikern?

Zanini: Ich glaube, das ist zum Teil richtig und zum Teil nicht. Da gibt es in der Tat nicht soviel Neues. Die Client-Server-Welle erlaubte es vielen Unternehmen, ihre monolithische IT-Struktur aufzubrechen und durch unabhängige Einheiten zu flexibilisieren. Dies erforderte ein neues IT-Modell, das die PCs in LANs einband.

CW: Wofür steht das E?

Zanini: Es bedeutet die Verbindung zweier Dinge: die Skalierbarkeit der Anwendungen und die Reichweite der Clients. In einem Client-Server-Modell ist jeder Anwender und jeder Rechner bekannt und kontrollierbar. Durch das Internet können unbekannte Nutzer zu Ihnen kommen - von überall her. Und hier liegt der Mehrwert, den ein Unternehmen wie IBM bieten kann: Sicherheitsanforderungen zu erfüllen und Prozesse neu gestalten. Um eine große Zahl anonymer Nutzer kennenzulernen und einzubinden, müssen Sie Prozesse und Back-end umstrukturieren. Das Internet birgt vor allem das Problem der Skalierbarkeit - Quantität erzeugt Qualitätsprobleme.

CW: Also hat IBM keine neuen, speziellen "E-Produkte" entwickelt?

Zanini: Meiner Meinung nach ist es keine Zauberei, was Unternehmen wie IBM tun müssen, um ihre Kunden mit Internet- oder E-Business-Technologie auszustatten. Wir haben Industriestandards verwendet und mußten keine IBM-spezifischen Technologien oder Softwarelösungen entwickeln. Wir haben das Spiel um proprietäre Systeme vor vielen Jahren verloren, und wir haben daraus gelernt.

CW: Hat Lotus IBM den Weg ins Web geebnet?

Zanini: Wir konnten nicht ahnen, in welchem Ausmaß Lotus für uns zu einem kritischen Faktor im E-Business oder Network-Computing werden sollte. Lotus öffnete die gesamte Produktpalette für das Internet. Die Kombination von Notes als erste Wahl für Intra- und Extranets mit den IBM-E-Commerce-Suites als End-to-end-Lösung ist einzigartig.

CW: Connie Lindgreen, Vice-President Global E-Business-Solutions, hat gesagt, IBM weihe sich vollkommen dem Electronic Business. Liegt in diesem Anspruch nicht eine große Gefahr, falls das Internet-Modell hinter den Erwartungen zurückbleiben sollte?

Zanini: Sie haben recht, es ist zum Teil Propaganda, allen IBM-Aktivitäten den Geschmack von E-Business zu verleihen. Aber es entspricht der Überzeugung, daß der Internet-Hype einem realen Geschäft weichen wird. Ich habe noch nie einen Markt gesehen, um den so viel Rummel gemacht und der gleichzeitig so sehr unterschätzt wird. Außerdem bieten wir natürlich weiterhin unsere herkömmlichen Produkte und Dienstleistungen an. E-Business ist nur ein Teil unseres Geschäfts, aber es ist unsere gemeinsame Vision.

CW: Können Sie Zahlen nennen?

Zanini: Annähernd sechs Milliarden Dollar fließen in Forschung und Entwicklung. Im Jahr geben wir etwa sechs bis zehn Prozent des Umsatzes dafür aus. Und etwa 60 oder 70 Prozent beziehen sich auf neue Produkte und Technologien - die meisten sind natürlich jetzt eng mit E-Business verknüpft. Wir stecken viel Geld in die Entwicklung von Zugangsgeräten und in Java. Mehr als 10000 Menschen arbeiten bei IBM an der Anpassung unserer Software und Middleware an Java.

CW: Also immer noch eine strenge Ausrichtung auf Java? Viele Ankündigungen, wie eine Java Virtual Machine, lassen auf sich warten.

Zanini: Die Produkte werden kommen. Vieles geschieht im Verborgenen. Aber wir glauben fest an Java und stecken viel Kraft in die Implementierung. Es gibt kaum Zweifel, daß Java die kommende Grundlage jeglicher Software ist.

CW: Glauben Sie an das eine, einzige Java?

Zanini: Alle umarmen Java, aber einige haben ihre ganz spezielle Sichtweise. Diejenige von Microsoft beispielsweise ist die eines Microsoft-Java. Wir haben natürlich ein großes Interesse daran, daß Java ein offener Industriestandard bleibt und kein neues Microsoft-Spielzeug wird. Viele andere denken genauso.

CW: Also lebt die Java-Koalition gegen Microsoft noch?

Zanini: Es gibt keine Koalition speziell gegen Microsoft, sondern Einigkeit über offene Standards und für Fairplay.