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Interview


22.11.1996 - 

"Electronic Commerce und EDI ergänzen sich"

CW: Wie verbreitet ist der elektronische Austausch von Handelsdaten (EDI) jetzt in Deutschland?

Meyer: EDI ist nach wie vor nur in Teilbereichen stark vertreten, zum Beispiel der immer wieder zitierten Automobilindustrie oder den Banken. Pauschal gesagt, ist EDI in Großunternehmen Standard, aber 95 Prozent der kleinen und mittelständischen Betriebe sind von EDI noch weit entfernt.

CW: Wie stark ist der Druck, den Großunternehmen auf kleinere Firmen ausüben, EDI anzuwenden?

Meyer: Lassen Sie es mich so formulieren: Nur eine Minderheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen führt EDI aus eigener Überzeugung ein.

CW: Warum?

Meyer: Die mit EDI zu erreichenden Vorteile sind nach wie vor nicht exakt genug definiert und außerdem unterschiedlich zu bewerten.

CW: Aber der Nutzen von EDI wird doch Jahr für Jahr auf Kongressen und Schulungen gepredigt und müßte längst bekannt sein.

Meyer: Das Problem ist, daß Unternehmen die Vorteile durch EDI zwar qualifizieren, aber nicht quantifizieren können. Häufig fehlt es an genauen strukturellen Daten, um auf Heller und Pfennig herausarbeiten zu können, was der Einsatz von EDI bringen wird beziehungsweise gebracht hat.

Bei der Einführung von EDI muß sich jedes Unternehmen fragen, ob bestehende Prozesse optimiert oder Geschäftsabläufe grundlegend erneuert und verbessert werden sollen. Werden bestehende Prozesse nur substituiert, ist es leichter, die Nutzenparameter zu bewerten. Der eigentliche Nutzen liegt aber in der organisatorischen Straffung, also im Re-Engineering. Das bringt jedem Unternehmen qualitative Verbesserungen, die jedoch kaum in Zahlen anzugeben sind. Natürlich schlagen sich neue Organisationsformen irgendwann auch im Betriebsergebnis nieder, aber sie sind nicht zweifelsfrei nur auf die Realisierung von EDI zurückzuführen.

CW: Sollte der EDI-Gedanke noch stärker in die kleinen und mittelständischen Unternehmen getragen werden, oder sind alternative Ansätze, etwa das World Wide Web, zu unterstützen?

Meyer: Wir dürfen nicht nur auf EDI abheben, sondern müssen den elektronischen Geschäftsverkehr allgemein forcieren. Man kann nicht pauschal sagen, daß EDI für jeden Handwerksbetrieb eine Alternative darstellt. Möglicherweise ist für einen effizienteren Ablauf ja das Web oder E-Mail schon ausreichend.

CW: Die Dedig blickt jetzt also über den Tellerrand von EDI hinaus?

Meyer: Die Dedig kommt von ihrem Know-how her natürlich mehr aus der EDI-Richtung, löst sich in ihrer Betrachtungsweise aber davon. Es wäre töricht, würde sich die Dedig den allgemeinen Entwicklungen verschließen. Nur wenn wir unseren Horizont erweitern, erzielen wir mehr Akzeptanz. EDI ist keineswegs ein Feind des Electronic Commerce oder Web, sondern eine sinnvolle Ergänzung.

CW: Wie beinflussen sich EDI und Electronic Commerce?

Meyer: EDI ist ein Werkzeug unter vielen in täglichen Geschäftsprozessen. EDI ist immer dann anzuwenden, wenn es sich um voluminösen und zeitkritischen Geschäftsverkehr und stabile Partnerverbindungen handelt. Ein Unternehmen hat aber verschiedenartige Partnerbeziehungen. EDI ist sehr stark auf den Business-to-Business-Verkehr ausgerichtet, viele Companies haben jedoch zum Beispiel auch einen hohen Anteil an Privatkunden. Dort eignet sich EDI nicht. Hier muß alternativ beziehungsweise kooperativ mit anderen Werkzeugen gearbeitet werden, zum Beispiel über das Internet. EDI und Electronic Commerce ergänzen einander.

CW: Jim Manzi, ehemals Chef von Lotus und jetzt CEO der Nets Inc., eines Unternehmens, das virtuelle Handelszonen mit eigenen Anwendungsparametern im Web schafft, hält EDI für ein veraltetes Verfahren (siehe CW Nr. 45 vom 8. November 1996, Seite 8).

Meyer: Der Charakter solcher virtueller Unternehmen und Märkte ist zu einseitig darauf gerichtet, Nachfrage schnell zu generieren und zu befriedigen. Der gesamte Geschäftsprozeß muß aber ganzheitlich gesehen werden. Schnell über das Web verkaufen ist ja wunderbar, aber zur Praxis von Geschäftsprozessen zählt auch die Organisation der Läger und die Auslieferung der Ware. Wie sieht es da bei virtuellen Unternehmen in der Realität aus? Hier sind zur Optimierung der Geschäftsprozesse adäquate Werkzeuge gefragt. EDI ist ein solches und deshalb auch nicht veraltet.