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31.10.1997 - 

Zahlungsverkehr im Cyberspace steckt noch in den Kinderschuhen

Electronic Commerce zwischen EDI und digitaler Währung

Auf mindestens 300 Milliarden Dollar, so konservative Schätzungen von US-Analysten, wird der via Electronic Commerce erzielte Umsatz bis zum Jahr 2002 weltweit ansteigen - nach rund acht Milliarden Dollar in diesem Jahr. Ob diese explosive Verbreitung des elektronischen Handels allerdings tatsächlich eintreten wird, hängt nicht nur von der Beseitigung von Hemmnissen wie Besteuerung, uneinheitliche internationale Gesetzeslage, Datenschutz sowie dem noch strittigen Status elektronischer Verträge ab. Vielmehr gilt es auch, standardisierte elektronische Zahlungsverfahren zu finden, die einen durchgängigen virtuellen Handel ermöglichen.

Bezahlung nach Altväter Sitte

So stellte denn auch der Königsteiner EDI-Experte Sebastian Brutscher auf einer in Frankfurt am Main vom Institute for International Research (IIR) abgehaltenen Konferenz "Zahlungsverkehr der Zukunft" fest: "Eine raschere Verbreitung des elektronischen Handels scheitert derzeit an den fehlenden Zahlungsverkehrsarten." Die Ware werde, so Brutscher, zwar virtuell ausgesucht und bestellt, aber konventionell bezahlt. Ergebnis: Der eigentlich durchgehende Einkaufsprozeß sei "gesplittet".

Das könnte sich in absehbarer Zeit ändern. Hardware- und Software-Anbieter, TK-Dienstleister sowie Banken und Kreditkartenfirmen arbeiten jedenfalls mit Hochdruck an Verfahren, um die Bezahlung in Zukunft virtuell abwickeln zu können. Über das Anfangsstadium sind sie bislang freilich nicht hinausgekommen. Entweder sind die entsprechenden Lösungen zu teuer oder zu unausgereift.

Die größten Chancen, sich im Business-to-Business-Bereich langfristig als gängige Zahlungsverkehrsform durchzusetzen, räumt Brutscher trotz aller Euphorie um das Internet EDI und Edifact ein. Bislang aber können sich nur Großunternehmen die Edifact-Einführung leisten, denn allein die erforderlichen Konverter, so stellt Markus Deutsch, Organisationsleiter der Interpares-Mobau GmbH & Co. KG, Karlsruhe, fest, kosten noch immer zwischen 10000 und 15000 Mark. "Zählt man die Investitionen für Implementierung, Beratung und Aufbau von Edifact-Know-how hinzu, ist man schnell bei 50000 Mark angekommen", rechnete Deutsch den Konferenzteilnehmern vor. Zudem gebe es das EDI-Insidern längst bekannte Problem zu wenig vorhandener branchen- und länderübergreifender Lösungen. Wo liegen dann die Vorteile des "traditionellen" Electronic Commerce? "EDI ist schnell und zuverlässig", betonte Deutsch.

Auch das Kreditkartenverfahren SET (Secure Eletronic Transaction), das dessen "Urheber" Visa und Mastercard Ende dieses Jahres auf den Weg bringen dürften, hat gute Aussichten, sich im Business-to-Business-Bereich zu etablieren. Es läßt sich nach Ansicht von Brutscher weltweit einsetzen und kann "auch auf eine bereits bestehende Infrastruktur aufbauen". Allerdings sei es noch zu teuer für kleinere Transaktionen und gewährleiste keine Anonymität: "Für die Kreditkartenfirmen läßt sich jede einzelne Transaktion nachvollziehen und somit für ein entsprechendes Kundenprofil nutzen - die Gefahr entsprechend unerwünschter Werbung inklusive." Nachteil zum jetzigen Zeitpunkt sei zudem, daß SET rein auf das Kreditkartenverfahren beschränkt, für einen Edifact-Zahlungsauftrag also nicht verwendbar ist.

Im Business-to-Private-Bereich sieht der EDI-Experte vor allem das Chipkartenverfahren angesiedelt. "Die Geldkarte hat den Vorteil, daß sie multifunktional einsetzbar ist und sich mit ihr mit entsprechenden Lesegeräten sowohl via Internet als auch real im Geschäft einkaufen läßt." Noch aber fehlt es an der geeigneten Infrastruktur, und auch hinter der Sicherheit steht ein großes Fragezeichen.

Fazit der Frankfurter IIR-Konferenz: Für die Unternehmen der meisten Branchen, die Kreditinstitute eingeschlossen, bedeuten Electronic Commmerce und der elektronische Zahlungsverkehr einen enormen Umdenk- und Anpassungsprozeß, dem sich viele derzeit allerdings nur zögernd unterziehen.

*Beate Kneuse ist freie Fachjournalistin in München.