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05.02.1988 - 

Telex, Teletex, Telebox, Bildschirmtext im Vergleich (Teil 3 und Schluß)

Electronic-Mail-Systeme: Welcher Textdienst wofür?

Electronic-Mail-Dienste im Vergleich - und zwar im weitesten Sinne - ist Thema dieser mehrteiligen Folge über Teletex und Telebox. Der Autor hat sich an dieses komplexe Unterfangen gewagt, wohl wissend, daß immer einige Parameter fehlen oder unscharf bleiben müssen, also ein hundertprozentiger Vergleich der vielen zur Zeit existierenden Textübermittlungssysteme ein Widerspruch in sich selbst sein müßte. Neben den verschiedenen Leistungs- und Gebührenvergleichen interessieren auch Entstehungsgeschichte und Prognose. Wer alle Folgen dieser Serie liest, müßte dennoch eigentlich Antwort auf die Frage erhalten: "Welcher Textdienst ist der richtige (für mich)?"

Telex, Teletex, das öffentliche Message Handling System Telebox und Bildschirmtext sind vier codierte Textdienste mit unterschiedlichem Funktionsumfang, Teilnehmerkreis, Gebühren und Verbreitung. Sie bieten zum Teil untereinander Übergangsmöglichkeiten und ermöglichen mit Ausnahme von Tbx Übergangsverkehr zu Telex (Bild 7). Mit Ausnahme der Message Handling Systeme, wo es heute konkurrierende Systeme gibt, die die Teilnehmer in getrennte Inseln aufspalten, gehören alle Teilnehmer von Telex/Teletex und von Bildschirmtext/Telefon/Telefax zu je einem einzigen öffentlichen Adressraum. In X.400 wird für MHSs ein genormter personenbezogener Adressraum angeboten.

Keine Patentrezepte für die richtige Auswahl

Wer eine verläßliche Textkommunikation in alle Welt benötigt und mit formlosen, schmucklosen Texten auskommt, ist mit Telex gut beraten. Muß er diese Kommunikation im Dialog führen, so kann er heute nur Telex nehmen. Telex ist auch für die Abwicklung von Rechtsgeschäften anerkannt. Der Dienst ist ausgereift, weit verbreitet, Entwicklungen finden noch im Bereich der Endgeräte und der Nebenstellanlagen statt, die Protokolle werden sich nicht mehr ändern.

Wenn man nun darüber hinaus mit Partnern zu tun hat, die (heute noch) vorwiegend in Deutschland oder im benachbarten Ausland sind und mit denen man umfangreiche Texte austauscht oder viel Verkehr hat, so empfiehlt sich Teletex. Sollen einfachste Strichgrafiken elektronisch übertragen werden, die auf der Empfängerseite weiterbearbeitet werden - was vom Dienst heute noch nicht garantiert wird, aber mit den meisten Geräten möglich ist - so kommt nur Teletex in Frage. Auch wenn ein Dokument "getreu" übertragen werden oder. ein Formular stellengerecht ausgefüllt werden muß, kommt nur Ttx in Frage.

Die Normen für den Dienst werden in dieser Studienperiode um den Dialog Modus und die Weiterbearbeitbarkeit von Texten und Grafiken auf der Empfängerseite fortentwickelt. Der Dienst steht am Anfang seiner Verbreitung. Die daran anschließbaren Endgeräte und Anlagen haben bereits ein hohes Niveau erreicht und verfügen noch aber ein erhebliches Entwicklungspotential. Der Zugang von CCTs zum Dienst wird zur Implementation der Teletex-Protokolle in zahlreichen DV-Produkten animieren.

Telebox und andere öffentliche Message Handling Systeme sind das Medium für Textkommunikation, die von ständig wechselnden Standorten aus schriftliche Meldungen verschicken und dort auch Post erhalten wollen. Sie erleichtern den Zugang zu Ländern, deren Tx- und Ttx-Dichte zu Wünschen übrig läßt, primär die USA.

Öffentliche MHS-Systeme haben sich für die informelle schriftliche Kommunikation innerhalb aktiver Arbeitsgruppen auch im internationalen Rahmen bewährt. Private MHSe erscheinen überaus sinnvoll für die interne Kommunikation innerhalb großer Standorte. Für die Weitergabe von Nachrichten an Dritte und den Empfang von Nachrichten Dritter sollten diese internen MHSe unbedingt an Telex, noch besser an Teletex angeschlossen sein. Ein erster Satz von Protokollen, die den Rahmen für die Kompatibilität von MHSn unterschiedlichen Hersteller bilden, ist verabschiedet. Erste Produkte nach diesen Normen sind vorgeführt und angekündigt. Als öffentlicher Dienst steht Message Handling noch am Anfang. Sein Entwicklungspotential scheint von Land zu Land sehr unterschiedlich zu sein und stark von den jeweils angebotenen Textdiensten und dem Verhältnis ihrer Gebühren abhängig zu sein. Die Entwicklungsmöglichkeiten privater MHSe dürfte die öffentlicher übertreffen.

Die Anschaffung eines monofunktionalen Bildschirmtextterminals allein für die Textkommunikation scheint nicht empfehlenswert, wohl aber die Mitbenutzung eines Btx-Terminals für den Textverkehr. Im Rahmen von Branchenlösungen mit Btx ist auch der Mitteilungsdienst rasch aktiviert, weil viele Partner gleichfalls Btx nutzen. Der neugeschaffene Übergang von Telex zu Bildschirmtext erzeugt einen Zusatznutzen. Mit multifunktionalen Terminals läßt sich dieser Übergang besonders wirtschaftlich nutzen. Ein Multitel beschafft man für Btx und bequemes Telefonieren, den Textverkehr bekommt man von der Investition her "geschenkt". Verkehrsgebühr und Handling dagegen sind zu erbringen. Einen PC mit Btx-Emulation (zum Beispiel PC-MX von Siemens) beschafft man wegen seiner DV-Fähigkeit, die Btx-Emulation öffnet dann den Zugang zu Telex.

Allen Diensten gemeinsam ist, daß sie stärker zusammenwachsen werden. Bei CCITT Studienkommission VIII sind die Weichen für eine Vereinheitlichung der Telematik Protokolle bereits gestellt.

Zieht man auch den Reifegrad und die mögliche Fortentwicklung der Dienste, ihrer Endgeräte und Übergänge ins Kalkül, so ergeben sich folgende, nach Größe und Vorgeschichte des Benutzers differenzierte Empfehlungen:

- Für stationäre Kleinanwender und kleine Betriebsstätten, empfehlen sich Telex und Bildschirmtext; Teletex, wenn die Maschine auch als lokales Textsystem genutzt wird oder höhere Ansprüche an die Dokumente gestellt werden.

Wenn für diese Dienste erst ein geeignetes Terminal, zum Beispiel ein PC, anzuschaffen wäre, für den Anschluß an Telebox jedoch bereits eines vorhandenen ist, dann empfiehlt sich in der Regel die Nutzung eines öffentlichen MH-Systems - solange der Verkehr in Grenzen bleibt. Beschaffung eines Bildschirmtelefons oder Btx-Emulation für obigen PC können eine sinnvolle Alternaive sein.

- Telebox und andere öffentliche MH-Systeme empfehlen sich auch Für Mitarbeiter großer Unternehmen, wenn sie Mitglieder eines über viele Standorte verstreuten Teams sind und für Textkommunikation, die sich immer wieder an Orten aufhalten, an den ihnen als Infrastruktur nur der Telefonanschluß zur Verfügung steht.

- Sollen Nachrichten rechtsformell zugestellt werden, kommen nur Telex und Teletex in Frage.

- Für Großanwender und große Standorte empfiehlt sich der Auf- oder Ausbau interner Textnebenstellenanlagen mit Anschlüssen an Telex und Teletex beziehungsweise Anschluß existenter, interner MH-Systeme an Teletex. So früh als möglich soll die Anpassung der internen MH-Systeme an X.400 geplant werden. Über diese standardisierten Protokolle können öffentliche MH-Systeme auch mit privaten MHSn verknüpft werden. Die Zielrichtung lautet dabei, der interne Verkehr wird im internen Netz abgewickelt, der Verkehr mit Dritten mit Hilfe der Teletexprotokolle im Teletexdienst oder zu CCTs beziehungsweise mit Hilfe der X.400 Protokolle mit anderen MH-Systemen. Die Benutzung fremder MH-Systeme wird möglichst minimiert, so daß keine Gebühren für Logon-Zeiten, Speicherleistungen und Umwandlungsdienste anfallen, die an Dritte zu bezahlen sind.

- Für große Standorte werden sich langfristig immer Kommunikationsanlagen empfehlen, die zu allen öffentlichen Fernmeldediensten Zugang haben. Für ankommende Nachrichten sollten dabei beide Möglichkeiten der Unteradressierung geboten werden. Einerseits die Durchwahl auf Nebenstellenadressen der international eindeutigen Numerierung des Telex-, Teletex- und Telefonnetzes, und die Adressierung der Person nach den Angaben eines MH-Directories.

Die Wege dahin sind vielfältig:

- Zentrum Nebenstellenanlage:

Man kann mit einzelnen Telex- und Teletex-Hauptanschlüssen beginnen und die dafür beschafften Maschinen, wenn ihre Zahl so groß geworden ist, daß sich die Anschaffung einer eigenen Textnebenstellenanlage oder der entsprechende Ausbau einer Telekommunikationsanlage rechtfertigt, an deren Nebenanschlüsse hängen. Diese Geräte sind dann in Durchwahl erreichbar. Der weitere Ausbau kann zum Teil unter Nutzung einfacherer Endgeräte und zentraler Text-Server erfolgen.

- Zentrum DVA:

Ein zweiter Weg geht von der existenten DV-Anlage und ihren Terminals aus in der Annahme, daß auf dieser Anlage bereits ein internes Message Handling - allerdings ohne genormte Protokolle - realisiert ist. Am besten wird in einem ersten Schritt der Zugang zum Teletex-Dienst geschaffen, in einem zweiten die Funktionalität des internen MHSs so erweitert, daß zumindest ein Teil der Terminals als Text-Endgeräte eingestuft werden kann. In einem dritten Schritt werden dann die X.400 Protokolle implementiert, so daß ein Verbund mit anderen X.400 Systemen möglich wird. In einem vierten wird schließlich ein direkter Zugang für die im Haus verteilten Telex- und Teletex-Geräte zu einem internen Message-Handling-System geschaffen, so daß diese - ohne daß Fernmeldegebühren anfallen - mit allen internen Partnern verkehren können.

Dipl. Ing. Walter von Pattay, Siemens AG, München, Unternehmensbereich Kommunikations- und Datentechnik