Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.03.1977 - 

Computermodell spielt die Folgen von Herzdefekten durch:

Elektronen statt Blut

Von Egon Schmidt, freier Wissenschaftsjournalist

HAIFA - Computeure des IBM-Wissenschaftszentrums in Haifa/Israel und Ärzte des Sheba Medical Centre in Tel-Hashomer konzipieren gemeinsam ein Computermodell des gesamten Blutkreislaufs eines Menschen. An ihm lassen sich kritische Fragen der modernen Herzforschung studieren.

Bei dieser Simulation wurde zunächst der Kreislauf einschließlich Lungenkreislauf (siehe Abbildung) in einen elektrischen Schaltplan mit variablen Bauelementen übertragen. Die Zustandsänderungen dieser Schaltung bei wechselnden Bauteile-Kenndaten werden wiederum vom IBM-Computer simuliert. Dabei gelang es Dr. I. Berger, IBM, bestimmte Leistungsindices, die sonst dem Elektroniker Aufschluß über das Verhalten seiner Schaltung geben, so abzugrenzen, daß sie nun Reaktionen des Herzmuskels auf variierende äußere Bedingungen widerspiegeln.

Zunächst konzentrierten sich die israelischen Wissenschaftler auf das ruhig schlagende Herz sowie auf sogenannte "Extrasystolen", also irreguläre Kontraktionen des Herzmuskels. Nach Analyse aller zur Beschreibung der Herzfunktion gewöhnlich herangezogenen Parameter und gewissen mathematischen Modifikationen schälte sich eine Gruppe besonders aussagekräftiger Störungs-Indikatoren heraus, die, klarer als die bisher verwendeten, bestimmte Fehlfunktionen des Herzens anzeigen. Vier von ihnen decken sieh übrigens mit jenen Symptomen, nach denen der Arzt gleich die erste generelle Herz-Diagnose abgrenzt.

Beim Stadium der Extrasystolen bewährte sich der Computer gleichfalls. Berger und seine Kollegen studierten an Hand der Simulation den relativen Einfluß solcher Kennwerte wie Muskel-Zusammenziehungsvermögen, Herzkammer-Füllungsvolumen und (diastolischer) Druck in der Aorta auf die verfrühten Herzschläge. Sie fanden, daß vier Fünftel des Druckabfalls bei vorzeitigen Systolen von Veränderungen der Muskel-Zusammenziehungsfähigkeit bedingt waren: ein Resultat, das weitere kardiologische Studien an Tieren anregte.

Dabei fanden die Wissenschaftler, grob gesprochen, die Richtigkeit ihrer Computer-Programme bestätigt: sie sehen daher nun den Weg frei zur Weiterentwicklung ihrer Computer-Indices für die Diagnostik in der Humanmedizin.