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22.01.1982 - 

Britische Informationstechnologie renommiert mit Prestel, aber:

Elektronikindustrie auf wackligen Beinen

LONDON (ha) - Die britische Elektronikindustrie habe wegen mangelnder Kapazitäten, nicht ausreichender Betriebsgrößen und fehlender Kooperation im Export noch nicht die Wettbewerbsfähigkeit erreicht, die notwendig sei, um in den 80er Jahren gegen die internationale Konkurrenz westlicher Industrieländer bestehen zu können. Diese Auffassung vertrat jetzt der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Elektronik des Nationalen Wirtschafts- und Entwicklungsrates (NEDC), Sir Henry Chilver, in London.

Chilver führte die Entwicklung in diesem Industriezweig unter anderem auf die große Bedeutung des öffentlichen Sektors (in Großbritannien 50 Prozent des Marktes elektronischer Erzeugnisse) zurück. Entsprechend würden auch 50 Prozent aller Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in diesem Bereich durch staatliche Auftraggeber durchgeführt.

Die starke Konzentration auf den begrenzten einheimischen Markt hindere die britische Elektronikindustrie, größere Kapazitäten aufzubauen und zu nutzen. Zudem seien die britischen Geschäftsbanken bisher zu vorsichtig gewesen, die einheimischen Elektronikhersteller bei der Bewältigung der technischen und kaufmännischen Risiken zu unterstützen.

Trotz dieser Hindernisse hätten britische Hersteller in einigen Bereichen auch im Ausland Absatzerfolge größeren Umfangs erzielt. Als Beispiele nannte Chilver verschiedene Systeme der Informationstechnologie, Terminal- und Datensichtgeräte (insbesondere Btx-Systeme) und Produkte für die kommerzielle Anwendung bestimmter Übertragungstechniken. Auch in den Bereichen Glasfasertechnik, Optoelektronik, Mikroelektronik und bei bestimmten Bauteilen, wie etwa Sensoren, Halbleitern und elektronischen Komponenten, waren britische Anbieter international erfolgreich.

Der Gesamtmarkt Großbritanniens für elektronische Erzeugnisse wird seitens der NEDC für 1980 auf 7,6 Milliarden Pfund Sterling geschätzt. Die jährliche Zuwachsrate für die vergangenen zehn Jahre wird mit neun Prozent veranschlagt. Im Außenhandel mit Elektronikerzeugnissen, wo 1975 noch ein Überschuß von 49 Millionen Pfund erzielt wurde, stellte sich 1980 ein Handelsbilanzdefizit von 200 Millionen Pfund ein. Prognosen für 1981 gehen von 300 Millionen Pfund aus. Die Beschäftigtenzahl im industriellen Herstellungsbereich erreichte in diesem Jahr 470 000 Personen.

Wegen der wachsenden internationalen Bedeutung der Informationstechnik wird die britische Regierung Hersteller und Anwender von neuen Entwicklungen dieser Branche verstärkt unterstützen. Industrieminister Patrick Jenkin schätzt das Volumen des Weltmarktes für Informationstechnologie gegenwärtig auf jährlich 50 Milliarden Pfund. 1990 erwartet er ein Weltmarktvolumen von 150 Milliarden Pfund, bis zur Jahrtausendwende jährliche Zuwachsraten von zehn Prozent. Ohne staatliche Hilfen und verstärkte Marketing-Anstrengungen werde der britische Weltmarktanteil in diesem Bereich von gegenwärtig vier auf 2,5 Prozent im Jahre 1990 zurückfallen.

Die staatliche Hilfe für Informationstechnologie beträgt nach Aussagen des Ministers derzeit 80 Millionen Pfund (Vierjahresprogramm). Die Regierungssubventionen für die Anwendung von mikroelektronischen Komponenten erreichen 55 Millionen Pfund (Fünfjahresprogramm seit 1978). Ein weiteres Hilfsprogramm für die Hersteller von Mikrolektronikelementen ist 1980 schon ausgelaufen. Es umfaßte Aufwendungen von 55 Millionen Pfund. Zum Jahresbeginn 1981 wurde ein staatliches Hilfsprogramm für die Anwendung von Industrierobotern über zehn Millionen Pfund eingeführt. Ein derzeit laufendes Fünfjahresvorhaben zur Einführung der Glasfasertechnik ist mit 25 Millionen Pfund ausgestattet. Ab 1982 beginnt ein zusätzliches Hilfsprogramm für CAD/CAM-Anwendungen im Wert von 6 Millionen Pfund.