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12.05.1978 - 

The Waves of Change

Elektronische Büros

Stärker an den Bedürfnissen des Anwenders orientierte DV-Systeme verlangen größere Verarbeitungskapazitäten und stärkere Zentraleinheiten. (Hier sind jedoch in den nächsten Jahren feste Grenzen gesetzt: Eine Single-Processor-Maschine kann bis 1980 etwa drei- bis viermal soviel leisten wie heute eine IBM 370/168 - mehr Leistungszuwachs lassen die LSI-Bausteine aus rein physikalischen Gründen nicht zu.) Die I/O-Kanäle und -Prozessoren werden höhere Durchsatzraten ermöglichen, und der Arbeitsspeicher wird schneller und größer sein - mit verbesserten funktionalen Eigenschaften, wie z. B. hierarchische Speicherstrukturen.

Bis 1980 wird es "Klein"-Computer mit Speicherkapazitäten in der Größenordnung heutiger Universalrechner geben. Betriebssysteme und Anwendersoftware können bei diesen Systemen unverändert auf die verschiedenen Anlagen einer kompatiblen Serie übernommen werden. Der anhaltende Preisverfall bei Zentraleinheiten und besonders bei Speicherkomponenten wird auch an den Anwendungen nicht spurlos vorbeigehen: Mit zunehmender Verbilligung der Hardware dürfte der gegenwärtige Trend zur zentralen Groß-EDV - speziell bei technisch-wissenschaftlichen Anwendungen - in den nächsten Jahren deutlich abgeschwächt werden.

Verbesserungsmöglichkeiten

Es stellt sich nun die Frage nach dem optimalen Einsatz des neugewonnenen Leistungspotentials. Welche Computerfunktionen sollen verbessert werden? Hierauf kann es nur eine Antwort geben: Anstatt der Versuchung nachzugeben, mit der erhöhten Maschinenleistung einfach größere Speicherkapazitäten zu schaffen, sollten sich die Hersteller verstärkt dem Problem der Datennutzung zuwenden und den Zugang zu den gespeicherten Daten vereinfachen und beschleunigen. Eine weitere wichtige Funktion, auf die wir uns bei den Computersystemen der achtziger Jahre konzentrieren müssen, ist das Format der Daten, deren Nutzungsmöglichkeiten wir verbessern wollen.

Mit dieser Entwicklung wird ein neues Systemkonzept entstehen.

Das Computersystem mit der Zentraleinheit als Mittelpunkt wird es nicht mehr geben. An seine Stelle tritt ein Systemkonzept, in dem die Daten das zentrale Element bilden. Die Prozessoren sind nicht mehr "Leitzentrale" des Systems - sie rücken an die Peripherie, wo ihnen untergeordnete Aufgaben zugewiesen werden.

Dabei steht eines fest: Das künftige Wachstum der DV-Branche

wird nicht von der Bewältigung immer größerer Datenmengen bestimmt. Worauf es ankommt, ist vielmehr eine effiziente Nutzung der Daten. Hier müssen wir ansetzen und die Kontrolle über die Daten verbessern, wenn wir die Möglichkeiten der achtziger Jahre nutzen wollen.

Das Unvermögen, mit Hilfe eines zentralen Datenbankkonzepts die vielfältigen und oftmals entgegengesetzten Wünsche aller Benutzer eines Unternehmens zu erfüllen, ist das größte Hindernis auf dem

Weg zu einem effizienten Einsatz der Datenbanksysteme. Immer

noch ist vielen Fachabteilungen der Zugang zu wichtigen Informationen

versperrt oder zumindest mit Komplikationen verbunden. Die bekannte Folge: Die Benutzer stellen sich ihre eigene individuellen Dateien zusammen.

Ein großer Teil der hohen Komplexität heutiger Systeme rührt daher, daß das Problem der Datenformatierung bislang nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte - ein Mangel, der sich nachteilig auf das künftige Wachstum der Anwendungen und damit der gesamten EDV-Branche auswirkt. Hier muß Abhilfe geschaffen werden durch die "explizite" Optimierung und Anpassung neuer leistungsstarker Prozessoren per Mikroprogrammierung. Nur so kann die Forderung nach besseren Zugriffsmöglichkeiten erfüllt werden.

Wir glauben, daß die Verwirklichung dieses Ziels einen tiefgreifenden Umdenkungsprozeß erforderlich macht (allerdings nicht in dem Ausmaß wie in den fünfziger Jahren). Anstatt bei der Konzipierung eines Datenbanksystems von vorhandenen Anwendungen auszugehen, müssen wir lernen, den umgekehrten Weg zu gehen sozusagen von "oben nach unten".

Eine solche Datenbankstruktur macht die Entwicklung einer großen Vielfalt aufgabenspezifischer Applikationen möglich. Der Benutzer hat bei der Organisation seiner Daten einen viel größeren Freiheitsraum, da er bei der Gestaltung des Systems keine Rücksicht mehr nehmen muß auf die speziellen Anforderungen einer bestimmten Anwendung. Die unterschiedliche "Motivierung" verschiedener Benutzer wird dabei keine nachteiligen Auswirkungen haben. Im Gegenteil: Die logischen Strukturen werden gegenüber herkömmlichen Datenbankkonzepten verbessert und die Entwicklung der Anwendungen vereinfacht.

Für die Implementierung dieses Datenbankkonzeptes (von IBM auch als "relational data structure" bezeichnet) ist eine Zentraleinheit mit hohem Leistungspotential erforderlich. Doch diese Investition zahlt sich aus: Mit der Einführung des neuen Konzepts werden kostspielige Funktionsüberlappungen stark abgebaut und in vielen Fällen ganz beseitigt. Dazu kommt, daß der Benutzer den vollen Wert der Daten erhält, weil er schneller und einfacher in den Besitz wichtiger Informationen gelangt.

In Zukunft werden dezentrale Netzwerkkonzepte das Bild bestimmen, mit Minicomputern, die selbständig bestimmte Datenbanksegmente kontrollieren. Die Umstellung mit "steckerkompatibler" Software auf zentrale Systeme dürfte dann endgültig der Vergangenheit angehören.

Der Umstellungsprozeß wird sich Schritt für Schritt vollziehen, und die Anwender werden ausreichend Zeit haben, um sich auf die neuen Systeme einzustellen. Den "guten alten" Batchbetrieb wird es natürlich auch in Zukunft noch geben. Bei bestimmten Anwendungen dürfte sich sogar relativ wenig ändern. Sie werden - mit Hilfe von Fortran - und Cobolprozessoren in neue Systemtechnologien integriert - im gewohnten Batchbetrieb weiterlaufen. Für diejenigen Anwender, die sich für die neuen Systeme entschieden haben, wird die Umstellung der Anwendungen reibungslos und ohne Beeinträchtigung des betrieblichen Ablaufs über die Bühne gehen.

Charies P. Lecht Ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT).

Übersetzung: Reinhold Falkner.

Wird fortgesetzt