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20.01.1995

Elektronische Distribution birgt Hindernisse Mit Internet will Oracle das Desktop-Geschaeft vorantreiben

MUENCHEN (CW) - Die Oracle Corp. will den traditionellen Datenbankanbietern Microsoft, Borland und Apple/Claris mit einem neuen Vermarktungskonzept entgegentreten. Die Company aus Redwood City, Kalifornien, moechte mit Hilfe des Online-Dienstes Internet ihre Produkte einem breiten Publikum moeglichst schnell zugaenglich machen. Oracles Prognose eines grossen Verkaufserfolgs duch die elektronische Distribution stoesst bei Experten allerdings auf Skepsis.

Geht es nach Oracle, soll Internet, der derzeit populaerste Online- Dienst, in Kuerze Garant fuer hohe Absaetze von "Personal Oracle 7", einer abgespeckten Desktop-Variante der umfangreichen Datenbank "Oracle 7" werden. Dabei plant Oracle, das Produkt 90 Tage lang als kostenloses Schnupperangebot zur Verfuegung zu stellen, berichtet das "Wall Street Journal". Bei weiterer Benutzung muesse die Datenbank allerdings bezahlt werden. Der Dateitransfer liesse sich in Corporate Networks innerhalb von 15 Minuten abschliessen; ein Download mit High-speed-Modems dauere etwa drei Stunden.

Der Vertrieb via Internet koennte einigen Marktbeobachtern zufolge zum Marketing-Hit werden, weil der Kontakt mit Millionen von Anwendern, den sich etwa Microsoft mit den ueblichen Vertriebskanaelen in rund zwei Jahrzehnten erarbeitet hat, dadurch innerhalb kuerzester Zeit herstellen liesse. Durch Internet sei man in der Lage, das Produkt sehr schnell an den Mann zu bringen. Zudem koennten Verpackungs- und Werbekosten sowie Ausgaben fuer Zwischenhaendler eingespart werden.

So reibungslos, wie sich Oracle den Verkauf ueber das Netz vorstellt, lassen sich die neuen Plaene nach Ansicht von Experten allerdings kaum umsetzen. Vor allem unberechtigte Kopien koennten die anstehende Internet-Distribution fruehzeitig zum Scheitern verurteilen. Schon ein Unternehmen, das Personal Oracle 7 fuer 100 Benutzer illegal nutzt, wuerde bei einem erwarteten Verkaufspreis von rund 500 Dollar einen Verlust von 50000 Dollar verursachen, geben Marktforscher zu bedenken.

"Wir vertrauen unseren Kunden", spielt Marc Benioff, Vice- President bei Oracles Client-Server-Systems-Division das Problem mit den schwarzen Schafen der Softwarebranche herunter. Zudem setze man auf Abschreckung. Einem Unternehmen, das binnen sechs Monaten mehr als zehn Raubkopien mit einem Gesamtwert von ueber 2500 Dollar verwendet, drohen Strafen von bis zu 250 000 Dollar fuer jedes gestohlene Paket, so das Unternehmenskonsortium Software Publishers Association gegenueber dem "Wall Street Journal". "Unsere groesste Sorge gilt der Softwarepiraterie", begruendet dagegen Greg Lobdell, Group Product Manager beim Konkurrenten Microsoft, weshalb sich der Softwaregigant aus Redmond nicht fuer den elektronischen Vertriebsweg entschieden hat.

Oracles Einzug in das rund 610 Millionen Dollar schwere Desktop- Datenbank-Business koennte jedoch auch an anderen Faktoren scheitern: Microsoft dominiert, so das Marktforschungsinstitut Dataquest, dieses Geschaeft mit rund 28 Prozent. Borland beherrscht mit Paradox weitere 25 Prozent, waehrend Apple mit dem Produkt der Tochter Claris, Filemaker, etwa 14 Prozent kontrolliert.

Auch die Internet-Benutzer selbst koennte Oracle falsch eingeschaetzt haben. Das Internet "ist wie ein Flohmarkt", bezweifelt Karl Wong, PC-Software-Analyst bei Dataquest, die Erfolgsaussichten der Company aus Kalifornien. Viele Anwender wuerden aufgrund der zu komplizierten Vorgaenge auf einen Einkaufsbummel im Netz der Netze verzichten.