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14.05.2004 - 

E-Procure 2004 in Nürnberg

Elektronischen Einkauf besser nutzen

NÜRNBERG (rg) - Mittelständische Unternehmen nutzen die Potenziale, die elektronische Beschaffungslösungen bieten, gar nicht oder zu wenig. Darauf lässt eine Umfrage schließen, die der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) im Vorfeld der Kongressmesse E-Procure erstellt hat.

Mit leicht steigenden Besucher- und Ausstellerzahlen belegte die E-Procure 2004, dass das Interesse an elektronischen Einkaufslösungen weiter anhält. In der Praxis werden jedoch viele Kostensparpotenziale noch immer nicht genutzt. Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), Ulrich Fricke, präsentierte bei seiner Eröffnungsrede der E-Procure 2004 die Ergebnisse des erstmals vom BME im Vorfeld der Messe ermittelten "Stimmungsbarometers Elektronische Beschaffung". Befragt wurden hierfür 152 deutsche Unternehmen mit einem Beschaffungsvolumen von 63 Milliarden Euro. Demnach lassen die Firmen derzeit noch große Kostensenkungspotenziale ungenutzt brachliegen. 63 Prozent wickeln weniger als zehn Prozent ihres Beschaffungsvolumens über elektronische Kataloge ab, mehr als die Hälfte der Befragten haben noch keine Erfahrungen mit elektronischen Ausschreibungen und Auktionen gesammelt. Besonders beim Online-Einkauf von C- und B-Artikeln rechnen die Unternehmen jedoch mit stark wachsenden Umsätzen. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung von E-Procurement- und E-Sourcing-Lösungen könnten es sich Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern nicht dauerhaft leisten, auf die Nutzung entsprechender Tools zu verzichten, so Fricke. Besonders mittelständische Unternehmen lägen stark zurück, obwohl mittlerweile für deren Anforderungen ein breites Dienstleistungsangebot existiere. Wenn bei den kleinen und mittelständischen Firmen diese Einsicht einkehre, könne dies einen zweiten E-Procurement-Boom auslösen.

Ein Unternehmen, das bereits beim ersten E-Procurement-Boom auf den Zug aufgesprungen war, ist Henkel. In seiner Keynote zog Knut Weinke, Mitglied der Henkel-Geschäftsführung, eine kritische, aber insgesamt positive Bilanz. Der Konzern wickelt im laufenden Jahr rund 25 Prozent seines Beschaffungsvolumens von 4,4 Milliarden Euro via E-Business ab. "100 Prozent werden das nie, aber wir wollen den Anteil auf 50 bis 60 Prozent steigern", so Weinke.

Für elektronische Ausschreibungen und Auktionen nutzt Henkel den zusammen mit Nestlé, Danone und SAP gegründeten elektronischen Marktplatz CPG-market sowie ein eigenes Einkaufsportal. Zur Beschaffung von indirektem Material greift der Konzern auf elektronische Kataloge des Marktplatzes CC-Chemplorer zurück. Letzterer diente Weinke als Beispiel für das Schicksal einer Vielzahl von elektronischen Handelsplattformen: Viele Marktplätze hätten es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, eine kritische Masse zu erreichen, und seien deshalb entweder gescheitert oder hätten mit anderen Plattformen fusioniert.

CC-Chemplorer war 2001 aus dem Zusammenschluss von Chemplorer und CC-markets entstanden, wobei Henkel bei Letzterem ebenfalls als Gründungsmitglied beteiligt war. Daneben fusionierten im vergangenen Jahr die beiden Marktplätze Hubwoo und Avisium. Mit dem für Mitte 2004 erwarteten Zusammenschluss von CC-Chemplorer und Hubwoo/Avisium wird sich die Konsolidierungswelle fortsetzen. Die daraus entstehende Plattform hat mit 49 angeschlossenen Einkaufsorganisationen und knapp 5000 angebundenen Lieferanten laut Weinke die notwendige kritische Masse erreicht. Über 1700 Kataloge erlaubten dann den elektronischen Zugriff auf 25 Millionen Artikel, das Transaktionsvolumen belaufe sich auf mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr.

Insgesamt sei E-Business - gemessen an den Erwartungen zu Zeiten des Internet-Hypes - ein Flop, so der Henkel-Geschäftsführer. Die Realisierung von elektronischen Einkaufsprozessen habe sich in der Praxis wesentlich anspruchsvoller gestaltet als ursprünglich erwartet. Dies habe vor allem daran gelegen, dass es nicht gelungen sei, einheitliche Standards zu schaffen. Auch die in der Anfangseuphorie von Softwareanbietern und -dienstleistern versprochenen Einsparungen von bis zu 25 Prozent der Beschaffungskosten hätten sich nicht eingestellt. Stattdessen lägen die Ersparnisse im hohen einstelligen Bereich, so Weinke. Daneben mussten in den zurückliegenden Jahren eine Reihe von internen Widerständen überwunden werden. Weinke räumte aber auch Fehler bei der Umsetzung ein: So seien beispielsweise Warengruppen in den elektronischen Bestellprozess aufgenommen worden, wo es keinen Sinn gegeben habe. Mittlerweile habe sich der elektronische Handel jedoch von der Vision zum "spannenden Alltag" gewandelt und sei ein großer Erfolg.

Beim E-Procurement seien die Unternehmen zweifellos voran gekommen, zog auch der BME-Vorstandsvorsitzende Fricke eine positive Zwischenbilanz. Sie befänden sich jedoch weiterhin in einer Lernkurve. "Für Mittelständler steht häufig noch die Wirtschaftlichkeitsfrage auf der Agenda ganz oben", so seine Einschätzung. Bei den größeren Firmen gehe es dagegen darum, die vorhandenen Lösungen auf alle, insbesondere auch internationale Standorte auszurollen sowie weitere Kataloge zu implementieren. Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der effektiveren Nutzung von elektronischen Einkaufssystemen. Dafür müssten sowohl Mitarbeiter zur Nutzung der Lösungen motiviert als auch Bedarfe standardisiert werden, um bessere Bündelungseffekte zu erzielen.

Investitionen steigen wieder

Optimistisch äußerte sich Fricke zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die weitere Verbreitung von E-Procurement-Lösungen. Der Einkaufsmanager-Index von BME und Reuters habe im April dieses Jahres den höchsten Stand seit Januar 2001 erreicht. Allen Unkenrufen zum Trotz belegten die Ergebnisse einen eindeutigen und festen Aufwärtstrend in der deutschen Industrie. In der Folge springe auch die Investitionsampel im Bereich E-Business von gelb auf grün. Insgesamt würden die IT-Ausgaben im laufenden Jahr um zwei Prozent steigen.

Die Messe wächst

Walter Hufnagel, Mitglied der Geschäftsleitung der Nürnberg-Messe GmbH, war sichtlich zufrieden. Die Zahl der Aussteller hat im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf insgesamt 155 Unternehmen zugenommen. Dabei kämen zu den klassischen Anbietern, den IT-Herstellern und -Dienstleistern, zunehmend Firmen aus der "realen" Wirtschaft, so der Messeverantwortliche. Handelshäuser und Hersteller wie Conrad Electronic, Hahn & Kolb, Hoffmann und Linde nutzten die Messe, um ihre E-Commerce-Fähigkeiten vorzustellen. Während Hufnagel vor allem in diesem Bereich Wachstumschancen für die E-Procure sieht, rechnet er bei IT-Anbietern nicht mehr mit wesentlichen Steigerungsraten. Hier sei das Marktpotenzial bereits weitgehend ausgeschöpft.