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15.06.1990 - 

Post erwartet 25 000 bis 30 000 Sendungen an Werktagen

Elektronischer Briefdienst als X.400- und EDI-Anwendung

FRANKFURT (sch) - Ihrem geplanten "Elektronischen Briefdienst" (EBfD) legt die Deutsche Bundespost ein nach mehreren Seiten hin offenes Konzept zugrunde: Die OSI-Protokollnorm X.400 soll in das bestehende System von Postdiensten und herkömmlichen Zustellungsverfahren eingebunden werden.

Das Projekt mit einem Auftragswert von zunächst acht Millionen Mark, bei dem das Aachener Softwarehaus GEI als General- und Tandem- sowie Softlab als Haupt-Subunternehmer mit von der Partie sind, gliedert sich in mehrere Stufen. Zunächst ist vorgesehen, Mitte Mai nächsten Jahres einen zentralen Ausgangspunkt in Frankfurt einzurichten, wo die entweder via Fax, Teletex, Telex, Btx oder Modem eingereichten Texte umgesetzt, konvertiert, formatiert und ausgedruckt werden, um dann ihren weiteren Weg mittels Luftpost zu nehmen. An der sich anschließenden Zustellung der kuvertierten Briefe ändert sich durch den EBfD-Einsatz nichts. Auch Extras wie Nachnahmesendungen oder Eilzustellungen sollen dabei nicht unter den Tisch fallen. Nach der Inbetriebnahme des Dienstes rechnet die Post mit 25 000 bis 30 000 Sendungen an Werktagen. Der Preis für einen Standardbrief wird bei 1,20 Mark liegen.

Sehr bald soll nach Angaben der Post auch schon der elektronische Teilversand ins Ausland anlaufen. Mehrere Länder hätten bereits Interesse an der Übernahme des Post/GEI-Modells anklingen lassen.

Bei Frankfurt als alleiniger Anlaufstelle bleibt es im innerdeutschen Raum nicht, da langfristig eine flächendeckende Gesamtversorgung anpeilt wird. So ist in den kommenden Jahren die Schaffung zusätzlicher bedarfsorientierter "Knoten" analog zum Luftpostnetz geplant.

Wie schon für den Bildschirmtext-Übergang nach Frankreich und den Dienstewechsel von Btx zu Telex kommen auch für den neuen Briefdienst ausfallsichere Großrechner von Tandem zum Einsatz. Den Auftakt bildet die Implementierung eines Non-Stop-Modells vom Typ CLX mit insgesamt vier CPUs nebst über Ethernet verbundenen Tandem-PCs und Siemens-Hochleistungsdruckern der Baureihe 2050.

Bei der Rechnerinstallation ist die Implementierung der OSI-Dienste bis zur Schicht 5 durch Tandem gleich inbegriffen. Darauf setzt die von Softlab portierte X.400-Software des amerikanischen Herstellers Retix auf. Die Übergänge zu den Postdiensten realisiert GEI einschließlich der EDI-Konvertierugssoftware. Manfred Pape, Sachbearbeiter im Fachbereich Briefdienst, Neue Produkte in der Generaldirektion der Deutschen Bundespost Postdienst in Bonn, legt Wert auf die Feststellung, daß es sich bei EBfD nicht um eine reine E-Mail-Applikation handelt. Schon vor dem Start des Briefdienst-Vorhabens seien Überlegungen angestellt worden, Papierausdrucke als Schnittstelle zu Datenleitungen einzusetzen, so beispielsweise in Fällen, wo ein Nutzer des Telebox-Systems nicht in sein Fach schaue und somit unnötig Speicherplatz belege. Bei dem neuen Value-Added-Angebot komme es besonders darauf an, die Dienstleistung auch Teilnehmern offerieren zu können, die selbst keine einschlägige DV-Ausstattung besitzen.

Neben der eigentlichen X.400-Norm setzt die Post zusätzlich auf das F.400-Protokoll, das die betriebliche Abwicklung bei MHS-Mitteilungen regelt. Die F-Norm als Blue Book wurde 1988 vom CCITT unter Mitwirkung des Weltpostvereins verabschiedet. F.400 dient auch zur Formatierung von Dokumenten. Bereits heute ist die Einführung von standardisierten Absendern vorgesehen. Allerdings ist in diesem Fall laut Pape eine zusätzliche Software-Implementierung auf der Endbenutzerseite oder eine zentral gelenkte Benutzerführung erforderlich, wobei das letztgenannte Menü auf lange Sicht für den Anwender finanziell stärker zu Buche schlage. Bei den sonstigen Formatierungen fehlen die entsprechenden Ausgestaltungen im Rahmen einer Norm bis heute noch, so daß auf posteigene Strickmuster zurückgegriffen werden muß.

Elektronische Verbindungen über weite Strecken weiß die Bundespost zu überbrücken: Sie bietet Übergänge zum bestehenden Telebriefdienst "Fernkopieren für jedermann".

Auch mit EDI: Brief bleibt Brief

Mit der Verbindung von Tradition - sprich: der Praxis des Einkuvertierens, der Beibehaltung individueller Briefköpfe sowie altgedienter Zustellungswege - und hochentwickelter Datenübermittlung via X.400 wollen die Postler einen weiten Bogen spannen.

Der anvisierte EBfD legt wieder einmal die Annahme nahe, daß das völlig papierlose Büro eine Mär ist. In gewisser Hinsicht nämlich krankt die OSI-Norm für das Message Handling daran, in die EDI-Schranken gewiesen zu werden. Der Post selbst kommt es daher darauf an, daß der Brief im Endeffekt Brief bleibt. Hier braucht man im Hinblick auf die Adressaten weniger als bei anderen Diensten nach Vertrauen zu heischen.

Im übrigen dürfte der EBfD schon allein deshalb Interesse wecken, weil der Zusatzaufwand für den Anwender so gut wie gar nicht ins Gewicht fällt. Dennoch stellt sich die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf an einem elektronischen Briefdienst in Anbetracht alternativer Möglichkeiten. Denn: Es wäre ja nicht das erste Mal, das sich die Post etwas aufhalst. sch