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02.02.2001 - 

Kienbaum-Studie zu High Potentials 2000

Elite mit Problemen: Junge Talente scheitern oft an der Wirklichkeit

MÜNCHEN (CW) - Gibt es sie wirklich, die High Potentials? Oder ist es nur eine Wunschvorstellung der Unternehmen, die Besten der Besten an sich binden zu wollen? Diese Elite soll sich etwa durch überdurchschnittliches Problemlöseverhalten oder interdisziplinäres Denken auszeichnen. In der Realität scheitert sie aber mehr oder weniger an den Tatsachen. Die Kienbaum Executive Consultants GmbH veröffentlichte kürzlich eine Studie über die so genannten High Potentials.

Die Gummersbacher Personalberater befragten Mitte Oktober vergangenen Jahres 750 Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Das Ergebnis der Studie zeigt eine auffällige Schere zwischen Anforderungen der Unternehmen an High Potentials und den bestehenden Defiziten dieser überdurchschnittlichen Absolventen. So sind den Firmen Sozialkompetenz und Führungspotenzial weitaus wichtiger als gute akademische Leistungen oder Methodenwissen. Aber genau da liegen die Schwierigkeiten. Am häufigsten scheitern High Potentials an persönlichen Defiziten und vergleichsweise seltener an fachlichen Problemen. So lassen mangelnde Integrationsfähigkeit, unangemessenes Sozialverhalten und Selbstüberschätzung auf ein geringes Maß an Sozialkompetenz schließen. Die gleiche Diskrepanz zeigt sich beim Führungspotenzial. Hier haben die Bewerber mitunter die größten Defizite, obwohl sie von den Unternehmen für spätere Führungspositionen vorgesehen sind.

Ziemlich einig sind sich die Firmen dagegen über den Wert der gängigen Bildungsabschlüsse. So bewerten die meisten Unternehmen ein Universitäts- immer noch höher als ein Fachhochschuldiplom. Eine solche Präferenz können sich die Firmen der IT-Branche allerdings nicht mehr leisten. Hier spiegelt sich die immer noch anhaltende große Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften wider. Zudem wird somit die Praxisnähe des Fachhochschulstudiums gewürdigt. Branchenübergreifend ist jedoch die Bewertung der Zusatzqualifikation. So ziehen alle Unternehmen den "Master of Business Administration" (MBA) der Promotion vor. Das ist ein Beleg für die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft, denn der Erwerb des MBA ist zumeist mit Auslandsaufenthalt und dem Erlernen von Fremdsprachen gekoppelt.

Die viel geforderte Internationalität gilt bei der Wahl des Praktikumsortes allerdings schon nicht mehr. Zwar steht das Praktikum an erster Stelle der Auswahlkriterien. Aber Inlandspraktika sind über alle Branchen hinweg im Durchschnitt gleich wichtig wie die im Ausland. Dem Kriterium Praktikum folgen Sprachkenntnisse, Auslandsaufenthalte und die Examensnote. Eine kurze Studiendauer und das Ansehen der Hochschule wurden weniger berücksichtigt. Das lässt erkennen, dass das wichtigste Kriterium Praktikum zugleich auch ein beliebtes Rekrutierungsinstrument ist. Wie bei keinem anderen Verfahren können hier die Kandidaten über längere Zeit geprüft werden.

Die am häufigsten verwendete Bewerberauswahl ist jedoch das klassische Interview. Allerdings können hier Eigenschaften wie Sozialkompetenz oder Führungspotenzial kaum getestet werden.

Sozialkompetenz wird honoriertGut ein Drittel der Unternehmen setzten auf die Gruppenbewerbung im Assessment-Center, bei dem durch meist ein- bis mehrtägige Dauer eine genaue Beurteilung der Bewerber möglich ist.

Mit einem Einkommen von 78885 bis 102587 Mark können die High Potentials beim Berufseinstieg in die befragten Unternehmen rechnen. Dies ist bei einem Alter von etwa 28,5 Jahren ein relativ hohes Gehalt. Die befragten Firmen sind bereit, Eigenschaften wie Sozialkompetenz oder erkennbares Führungspotential zu honorieren. Es bleibt also abzuwarten, ob High Potentials zukünftig diesen Anforderungen gerecht werden können. Wenn nicht, bleiben immer noch die "normalen Absolventen".

Abb: Die Studie der Gummersbacher Berater ergab, dass es den High-Potentials an Sozialkompetenz mangelt. Quelle: Kienbaum