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14.09.2001 - 

Nachfolger muss sich sputen

Ellen Hancock verlässt Exodus

MÜNCHEN (CW) - Ellen Hancock, CEO des angeschlagenen US-amerikanischen Web-Hosting-Anbieters Exodus, ist überraschend zurückgetreten. Noch vor wenigen Wochen hatte die Ex-IBM-Managerin einen solchen Schritt ausgeschlossen. Für ihren Nachfolger William Krause beginnt nun ein Wettlauf mit der Zeit.

Der weltweit größte Web-Hosting-Konzern Exodus gerät immer tiefer in den Schlamassel. Nachdem bereits im Frühjahr dieses Jahres drei Vorstandsmitglieder, darunter der Finanzchef sowie der COO, das Unternehmen verlassen hatten, schadet der Rücktritt von Hancock - offiziell in "beiderseitigem Einvernehmen" - dem Image des Unternehmens weiter.

Exodus, das im vergangenen Jahr noch als die Nummer eins in einem der am stärksten wachsenden IT-Märkte gefeiert wurde, kämpft mittlerweile ums Überleben. In Erwartung eines blühenden Geschäfts hatte der Web-Hoster in den vergangenen Jahren Datenzentren in mehr als 30 Ländern aufgebaut. Doch die meisten Kunden der Kalifornier stammen aus der New-Economy-Szene und mussten im vergangenen Jahr ihr Geschäft zurückfahren oder aufgeben. Da Exodus sich vor allem auf Collocation, also die Bereitsstellung von Raum und Infrastruktur, konzentriert hatte, musste sich das Unternehmen umorientieren.

Parallel zum Ausbau der Datenzentren wurde nun mehr in das Serviceangebot für etablierte Firmenkunden investiert. Zwar gelang es, einige namhafte Kunden wie Apple, American Airlines oder den Automobilmarktplatz Covisint zu gewinnen, doch die Kosten liefen aus dem Ruder. In jedem Quartal verbrannte das Unternehmen viele Millionen Dollar, die nicht durch entsprechenden Umsatz gedeckt waren. Für das erste Halbjahr 2001 meldete Exodus einen Verlust von annähernd einer Milliarde Dollar. Außerdem hat sich ein Schuldenberg von insgesamt 3,5 Milliarden Dollar angehäuft. Zwar bemühte sich die Company gegenzusteuern, doch die Entlassung von rund 500 der 3500 Mitarbeiter geht zu Lasten einer serviceorientierten und daher personalintensiven Geschäftsstrategie.

Hancocks Nachfolger William Krause soll nun das Ruder herumreißen, doch viel Zeit und Möglichkeiten dürften dem Ex-Manager von HP nicht bleiben. Der Aktienkurs von Exodus notiert derzeit bei unter einem Dollar, so dass dem Unternehmen nun noch ein Delisting von der Nasdaq droht. Um aus eigener Kraft weiterarbeiten zu können, benötigt das Unternehmen eine kräftige Finanzspritze.

In der jetzigen Situation einen Geldgeber zu finden scheint ein hoffnungsloses Unterfangen. Auch potenzielle Partner oder gar Käufer, die dem Unternehmen unter die Arme greifen könnten, sind nicht in Sicht. Zwar ist Exodus mit einem Jahresumsatz von rund einer Milliarde Dollar und einer beachtlichen Kapazität an Datenzentren nicht gerade ein kleiner Fisch, doch der rechte Zeitpunkt für eine rettende Fusion scheint verpasst. Beobachter vermuten, dass Interessenten nun auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens warten, bevor sie zuschlagen.