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14.02.1997

Ellison: "Datablades korrumpieren die Daten"

CW: Im vergangenen April haben Sie in einem Softwaremagazin deutlich gemacht, was Sie davon halten, daß Ihr Wettbewerber Informix sein relationales Datenbanksystem mit der objektrelationalen Datenbank der übernommenen Illustra Information Technologies verschmelzen will: "Es ist, als wollte man ein Boot mit einem Flugzeug integrieren; das funktioniert einfach nicht. Informix sagt, sie wollen die Integration bis Ende des Jahres abschließen. Ich glaube, die werden das niemals schaffen. Das ist ein Witz - einfach absurd." Informix hat im Dezember mit der Auslieferung des "Universal Server" begonnen. Offenbar haben sie es hinbekommen...

Ellison: ... sie haben es nicht geschafft.

CW: Nach dem, was auf der DB/Expo gezeigt wurde, sagen aber eine Menge Kunden und Analysten, daß die Integration vollendet wurde.

Ellison: Sicher, einige Analysten glauben das. In Wirklichkeit wurden die beiden Produktwelten nicht integriert - es ist einfach lächerlich. Informix hat einige APIs aus dem Illustra-System genommen und in das Informix-System implementiert, so daß ein paar Datablades in einer der vier verschiedenen Informix-Versionen laufen können. Wir beobachten bei Informix das komplette Chaos. Wissen Sie, daß es vier verschiedene Datenbankversionen gibt? Zählen Sie nur - vier verschiedene Informixes.

Wenn Sie also eine Frage zu Informix stellen wollen, sollten Sie vorher sagen, von welcher Version Sie reden. Der Parallelversion? Der Objektversion? Der Universal-Server-Version? Ist schon erstaunlich, was da passiert. Bisher hatte ich immer einige Hochachtung vor Informix. Die haben vor einigen Jahren noch Sachen gemacht, die mir sinnvoll erschienen. Heute treibt Informix seltsame Dinge. Die Übernahme von Illustra war Wahnsinn. Ich weiß nicht, was ich von diesen Datablades halten soll. Ich frage mich, ob das wirklich ernst gemeint ist.

CW: Sie warnen in der Öffentlichkeit davor, daß die Datablade-Technik den Sicherheitsansprüchen der Kunden nicht genügen und eine Datenbank zum Absturz bringen könnte. Ist Ihnen schon aufgefallen, daß Sie der einzige sind, der das erzählt? Analysten, Anwender und unabhängige Software-Entwickler sind anderer Meinung.

Ellison: Ist Ihnen schon aufgefallen, daß Informix noch gar keinen Universal Server verkauft hat? Niemand benutzt diese Software! Es gibt keine Kunden. Haben Sie bemerkt, daß Informix die Entwickler davonlaufen?

CW: Es ist kürzlich publik geworden, daß einige Entwickler geschlossen von Informix zu Oracle wechselten. Um wen handelt es sich?

Ellison: Es geht um das Entwicklungszentrum in Portland - dort sitzen Spezialisten für Replikation und Parallelverarbeitung.

CW: Sie sagen, diese Leute seien zu Oracle übergelaufen. Was hat sie dazu getrieben?

Ellison: Ich glaube, sie waren unzufrieden. Dieses Team haben wir schon immer für sehr gut gehalten. Wir haben aber diese Leute nicht abgeworben, sie suchten von sich aus nach etwas Neuem. Meiner Einschätzung nach verließen sie Informix, weil dort viele technische Mitarbeiter sehr frustriert sind. Sie sind mit der Richtung des Managements nicht einverstanden.

Ich erinnere mich noch daran, als die Analysten zu mir sagten: "Sybase ist einfach großartig." Jeder hat mir erzählt, wie toll diese Company sei. Ich war der einzige, der gesagt hat, deren Ansatz funktioniert nicht. Ich habe letztendlich recht behalten. Und heute sage ich Ihnen, daß Datablades nicht funktionieren, weil sie Daten korrumpieren. Außerdem hat Informix so viele verschiedene Versionen der Datenbanksoftware im Angebot, daß irgendwann alles zusammenbrechen wird. Von Oracle gibt es nur eine Version und eine Codebasis. Informix hat vier verschiedene Codebasen.

CW: Ist Sybase für Oracle heute ein stärkerer oder ein schwächerer Wettbewerber als vor zwei Jahren?

Ellison: Im Datenbankgeschäft ist Sybase nahezu kein Wettbewerber mehr. Sie sind komplett weg vom Fenster.

CW: Sie haben in einer Pressekonferenz gesagt, Oracle stehe nicht unter dem Druck, Version 8 möglichst schnell herausbringen zu müssen. Das überrascht angesichts der Tatsache, daß der Universal Server von Informix bereits da ist. Sind Sie nicht der Ansicht, daß der Markt das Informix-Produkt sehr positiv aufnimmt?

Ellison: Sicher, Informix macht einen hervorragenden Marketing-Job. Sie werden den Sybase-Marketing-Preis bekommen. Leider haben wir in diesem Punkt nie besonders gut gearbeitet.

CW: Tatsächlich ...

Ellison: Sie sollten mal mit jemandem von Sybase oder Microsoft reden und fragen, was diese Leute von Datablades halten. Jeder denkt, das ist verrückt. In Wirklichkeit sind doch die Produkte von Informix und Illustra nicht integriert worden. Informix hat nicht, kann nicht und wird nicht. Es ist schlicht unmöglich. Zu dieser Aussage stehe ich.

Ich weiß, Informix hat mich mit dieser skeptischen Haltung in einer Pressemitteilung zitiert - mit einem kleinen Bildchen von mir, mein Gesicht mit Ei beschmiert. Das ist sehr niedlich, ändert aber nichts an meinem Standpunkt.

CW: Sind Sie zufrieden mit den Fortschritten, die Ihre Entwickler machen, um mit Ihren Mitbewerbern im Datenbankmarkt gleichzuziehen oder sogar einen Vorsprung herauszuholen?

Ellison: Zufrieden? Ich war noch an keinem Tag in meinem Leben vollständig zufrieden.

Wir bauen unseren Marktanteil dramatisch aus. Wir haben heute einen Anteil von 68 Prozent im Unix-Markt, Informix liegt bei 15, Sybase bei 17 Prozent. Also bin ich glücklich darüber, daß wir hier Fortschritte erzielen. Unser großer Konkurrent ist Microsoft. Sybase finden Sie nicht mehr auf der Landkarte. Für Informix gilt in ungefähr einem Jahr dasselbe - schreiben Sie es ruhig auf, ich glaube, die stecken in großen Schwierigkeiten. Die Strategie von Informix ist ein gewaltiger Fehler. Sie schaffen eine Menge Friktionen im eigenen Haus. Intern fehlt es dort an Übereinstimmung, welche Richtung eingeschlagen werden soll.

CW: Ich nehme an, wir können uns die Frage schenken, ob Oracle je erwogen hat, selbst Illustra zu übernehmen...

Ellison: Ich kenne die Venture-Capital-Firma, denen Illustra gehörte - die waren sprachlos. Die konnten nicht glauben, daß jemand wirklich 400 Millionen Dollar für dieses Unternehmen zahlen wollte.

Uns war klar: Man kann nicht zwei Programme nehmen und zusammenkleben. Fragen Sie nur irgend jemanden, der sich mit Programmierung auskennt. Man kann nicht Unix und Netware zu einem Produkt verschmelzen, wie es Novell versucht hat. Microsoft kann nicht aus Windows NT und Windows 95 ein Programm machen. Man kann auch nicht Illustra und Informix verschmelzen. So etwas schafft niemand - nicht Microsoft, nicht Oracle, nicht Informix, niemand.

CW: Mal abgesehen von Illustra - haben Sie je darüber nachgedacht, durch Akquisition in den Besitz von Objekttechnologie zu kommen?

Ellison: Dort, wo es um kleinste Einheiten geht, schon. Eine Komponente hier, eine Komponente da - beispielsweise einen Java-Just-in-time-Compiler. In puncto Software-Entwicklung sind Oracle und Microsoft in einem Punkt einer Meinung: Wenn man ein homogenes Produktspektrum haben will und die einzelnen Produkte miteinander harmonieren sollen, braucht man eine gemeinsame architektonische Basis. Damit alle Stücke zusammenpassen, müssen die Produkte von Anfang an entsprechend designed und gefertigt sein. Wir haben eine Milliarde Dollar flüssig, damit hätten wir Illustra sicher leichter kaufen können als Informix. Hätte es einen Weg gegeben, wie wir das Produkt mit Oracle verschmelzen können, wäre es vielleicht interessant gewesen. Aber das ist unmöglich. Solche Produkte müssen von Anfang an aufeinander abgestimmt sein.