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11.04.2003 - 

"Tausende von Herstellern werden Bankrott gehen"

Ellison orakelt über die Zukunft der IT-Branche

MÜNCHEN (CW) - Oracle-Chef Larry Ellison hat auf einer Veranstaltung unabhängiger Softwarehersteller sein Szenario von der Zukunft der IT-Branche gezeichnet. Er rechnet mit einem weltweiten Shakeout unter den Anbietern.

"Wir denken, dass mindestens 1000 Silicon-Valley-Companies noch Bankrott gehen müssen", sagte Ellison in einem Gespräch mit Journalisten. Es gebe einfach zu viele Firmen mit nur einem Produkt. Je mehr sich IT zu einer normalen Ware ("commodity") entwickle und die Preise fielen, umso weniger greife das Geschäftsmodell der kleinen Unternehmen. Sie seien einfach nicht in der Lage, alleine im Wettbewerb mitzuhalten. Übrig bleibe eine Handvoll großer Anbieter, die einzelne Kategorien dominieren würden. Der Chef des weltweit zweitgrößten Softwarekonzerns bezeichnete es als "bizarr", wie sich innerhalb der Industrie das hartnäckige Gerücht halte, man bewege sich ständig in einem ungesättigten Markt. Seiner Ansicht nach sei die Branche "so groß, wie sie sein sollte", bremste er die Hoffnung auf ewiges Wachstum. Technologisch und ökonomisch werde "der nächste große Wurf keine Computer sein". Ellison berief sich mit seinen Thesen auf die allgemeinen Gesetze der Wirtschaft, denen sich auch der IT-Sektor nicht entziehen könne.

Wenig überraschend zeigte sich der Oracle-Chef überzeugt davon, dass seine Company zu den Überlebenden der Krise gehören werde. Ebenso IBM, Microsoft, Cisco, Intel, Dell, SAP, Yahoo, Amazon und Ebay. Auch zu den Verlierern äußerte er sich ungewöhnlich konkret: Seiner Meinung nach zählen Ariba und Commerce One ebenso dazu wie Bea Systems oder Siebel Systems, die er mit Blick auf ihre Ein-Produkt-Strategien als "one-trick-ponies" verspottete.

Einen Seitenhieb auf den Erzrivalen Microsoft ließ sich Ellison allerdings nicht nehmen. Der Windows-Company prophezeite er harte Zeiten im Server-Geschäft, da Linux die Microsoft-Produkte aus den Firmenzentralen verdrängen werde. Auch die Office-Suite werde, sobald es hier stabil arbeitende Open-Source-Produkte auf Linux-Basis gebe, von dieser Entwicklung bedroht werden. Vor allem in preissensiblen Märkten wie China oder Indien dürften die Redmonder ordentlich Marktanteile verlieren. Dann, so Ellison, "bricht für Microsoft erst recht die Hölle los".

Was Oracle betrifft, räumte Ellison ein, dass die vergangenen drei Jahre eine "Herausforderung" gewesen seien. Die Verkäufe waren zwar im Dezember und Januar stark, doch der Februar verlief wieder schwach. Vor dem Hintergrund des Angriffs auf den Irak hielten sich die Kunden wieder mit Investitionen zurück, sagte der Firmenchef, ohne konkrete Zahlen zu nennen. In Deutschland hatte der Datenbankriese erst vor wenigen Wochen die Streichung von rund 200 Stellen in der Beratungssparte ankündigen müssen.

In Richtung Wallstreet schimpfte Ellison, dass die Analysten sich zu stark auf die Einnahmen aus neuen Softwarelizenzen konzentrierten. Sie übersähen, dass der Umsatz mit Lizenzerweiterungen bei Bestandskunden steige: "Die Leute verstehen nicht, dass unser Geschäftsmodell auf der Stärke von Abonnements basiert." (rs)