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Oracle-Chef tut Web-Services als pures Marketing ab

Ellison verteidigt Preispolitik

14.12.2001
SAN FRANCISCO (CW) - Seine Keynote auf der hauseigenen Konferenz "Openworld" nutzte Larry Ellison, Chef des Datenbankherstellers Oracle, einmal mehr zu Attacken auf Microsoft und IBM. Diesmal nahm er deren Preispolitik ins Visier. Außerdem sagte er Bea den Kampf an. Dem Marktführer bei Applikations-Servern will er mit einem neuen Produkt Kunden abjagen.

Neben den üblichen Bekundungen, die eigenen Produkte seien stabiler und schneller, nahm Ellison angesichts der schwindenden IT-Budgets diesmal auch die Preise der Wettbewerber aufs Korn. "Auch wenn viele anderer Meinung sind, unsere Software ist preisgünstiger", behauptete der Firmenchef, obwohl ausgerechnet seine Software als besonders teuer gilt. So müssten Firmen für eine 500-Nutzer-Lizenz von "Microsoft Exchange" auf einem Vier-Prozessor-System 140000 Dollar berappen, eine vergleichbare Lösung von Oracle komme dagegen nur auf 80000 Dollar, da der Datenbank-Server "9i" bereits ein E-Mail-System enthalte. Microsoft reagierte prompt: Eine Firmenlizenz des Exchange Server koste 4000 Dollar, und zwar unabhängig von der Anzal der CPUs. Für jeden User fielen zudem noch 60 Dollar an, womit der Gesamtpreis bei 34000 Dollar liege. Wie der vermeintliche Preisvorteil des Oracle-Produkts zustande kommt, weiß wohl nur Ellison selbst. Ohnehin bezieht er sich auf Software, die sein Unternehmen erst nächstes Jahr zur Verfügung stellt.

Ebenso bekam IBM sein Fett ab. Big Blue und Oracle stehen bei Datenbanken und Applikations-Servern im Wettbewerb. Laut Ellison müssten Firmen für ein auf dem Applikations-Server "Websphere" betriebenes Portal für 25 Nutzer 272000 Dollar hinblättern. Ein vergleichbares Oracle-Erzeugnis sei schon für 40000 Dollar zu haben, da der eigene Applikations-Server bereits eine Portalsoftware enthalte, die bei IBM extra zu erwerben sei. IBM blieb trotz Nachfragen eine Stellungnahme schuldig.

Auch die zahlreichen Befürworter von Web-Services in der IT-Branche ließ Ellison nicht ungeschoren davonkommen. Seiner Meinung nach blenden Verfechter dieses Ansatzes Kunden mit der Behauptung, dass auf diese Weise Integrationsprobleme zu lösen wären. "Das Problem der Anwendungsintegration hat mit Web-Services nichts zu tun", so der Oracle-Chef. "Wenn Sie Kunden aus einer Epiphany-Datenbank in eine Siebel-Datenbank verschieben, dann funktioniert das nicht. Das ist so, wie wenn ein englischsprachiger Mensch sagt: ''Ich habe gerade mit jemandem in Frankreich telefoniert und verstehe kein einziges Wort'' und dann kommt jemand und erzählt ihm: ''Ich kann das Problem lösen - warum rufen Sie ihn nicht einfach auf dem Handy an?'' " Gleichwohl will Oracle im nächsten Jahr einen Applikations-Server auf den Markt bringen, der gängige Web-Service-Standards unterstützt.

Was Ellison gern verschweigt: Unternehmen realisieren die von ihm angesprochene Integration lieber mit den Applikations-Servern der marktführenden Firmen IBM und Bea. Spätstarter Oracle spielt in diesem Segment nur eine untergeordnete Rolle. Besonders schmerzt den Oracle-Chef dabei, dass Bea-Kunden überwiegend seine Datenbank einsetzen. Daher gab er auf der Openworld die Devise aus, dem eigenen, mit neuen Funktionen ausgestatteten Applikations-Server zu einer besseren Marktposition zu verhelfen. "Bea lebt von der Verbreitung der Oracle-Datenbank, doch diese Tage sind gezählt", zeigt sich Ellison kämpferisch und setzt auf wechselwillige Kunden. Firmen würden sich von Applikations-Servern trennen, nicht aber von ihrer Datenbank. Eine ähnliche Kampfansage richtete der Firmenchef an Business-Intelligence-Spezialisten wie etwa Business Objects. Auch diesen Markt will Oracle verstärkt angehen.

Zwar hält Oracle im Datenbankgeschäft die Spitzenposition, doch Ellison stört das geringe Interesse an der im Sommer dieses Jahres vorgestellten Cluster-Technik "Real Application Clusters"(RAC). Auf der Openworld rührte er erneut die Werbetrommel. RAC erlaube es Anwendern, ohne viel Installationsaufwand ein Cluster mit zusätzlichen Knoten, also Rechnern, zu erweitern. (fn)