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25.07.2003 - 

Mehr Softwareumsatz geplant - mehr Hardware verkauft

EMC zwischen Wunsch und Wirklichkeit

MÜNCHEN (CW) - Ein Drittel seines Umsatzes will EMC bis Ende 2004 mit Software erwirtschaften. Die Quartalszahlen zeigen jedoch, dass vor allem die angestammten Hardwareprodukte gefragt sind. Um das selbst gesteckte Ziel doch zu erreichen, geht die Speicher-Company in die Offensive und streckt ihre Fühler nach Legato Systems aus.

"Unsere neu eingeführten Produkte, die Ausweitung des Vertriebskanals, Storage-Services-Angebote und eine schlankere Kostenstruktur haben sich in einer deutlichen Verbesserung der Profitabilität innerhalb der vergangenen zwölf Monate niedergeschlagen." Mit diesen Worten fasste EMCs Finanzchef Bill Teubner das zweite Finanzquartal des laufenden Jahres zusammen. Tatsächlich ist es dem Speicherriesen gelungen, seine Einnahmen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres von 1,35 Milliarden Dollar auf nun 1,45 Milliarden Dollar zu erhöhen. Mehr als die Hälfte des Umsatzes (54 Prozent) stammte aus dem Kerngeschäft des Herstellers, dem Verkauf der Highend- und Midrange-Speichersysteme.

Optionen färben das Ergebnis rot

Die gesamte Hardwaresparte, im vergangenen Jahr noch als Storage Systems aufgeführt (also inklusive Midrange- und Connectivity-Produkten wie Clariion und Celerra), erzielte Einnahmen von 804 Millionen Dollar nach 779 Millionen Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Allein mit dem Flaggschiff Symmetrix kassierte EMC rund 618 Millionen Dollar - davon 80 Prozent mit der erst Anfang dieses Jahres eingeführten neuen Version Symmetrix DMX. Auch gegenüber dem ersten Quartal des laufenden Jahres konnte EMC zulegen. Im Highend-Segment, wo die Company gegen Hitachi Data Systems (HDS) und IBM konkurriert, kletterten die Einkünfte um acht Prozent.

Eitel Sonnenschein herrscht auch im Servicegeschäft. Dank steigender Nachfrage nach Professional Services erhöhten sich die Dienstleistungseinnahmen im Jahresvergleich von 251 auf 328 Millionen Dollar und schossen damit sogar über das vorgegebene Ziel hinaus, ein Fünftel zum Umsatz beizutragen. Sowohl im Hardware- als auch im Servicebereich konnte EMC von seiner Vertriebspartnerschaft mit Dell, von Service-Deals mit Branchenschwergewichten wie EDS und Accenture sowie der auf Storage-Produkte und -Services fokussierten US-amerikanischen Firma MTI profitieren.

Dabei kam EMC seinem wichtigsten Ziel, in die Profitabilität zurückzukehren, einen Schritt näher. Die Kosten für ein Mitarbeiteroptionsprogramm brachten dem Unternehmen zwar unter dem Strich erneut ein Defizit von zwölf Millionen Dollar. Ohne diese Sonderaufwendungen steht jedoch ein Nettoplus von knapp 82 Millionen Dollar zu Buche - im Vorjahresquartal waren es bescheidene 808000 Dollar. Inklusive der Kosten für die Aktienoptionen verzeichnete EMC damals ein Minus von mehr als 92 Millionen Dollar.

Als schwächste Region im abgeschlossenen Quartal entpuppte sich Europa. Zwar erklärte EMCs CEO Joseph Tucci, dass er neben Nordamerika auch auf dem britischen Markt Anzeichen für eine leichte Erholung sehe, doch das hatte den Rückgang in anderen europäischen Märkten nur leicht abfedern können. Der alte Kontinent war die einzige Region, in der, verglichen mit dem zweiten Quartal 2002, die Umsätze nicht zulegten und sogar - wenn auch nur geringfügig - sanken. Nach 27 Prozent im vergangenen Jahr trug die Region Emea (Europe, Middle East and Africa) nun 25 Prozent zum Geschäft bei.

Entspannt verlief dagegen das Geschäft im asiatisch-pazifischen Raum: Hatte EMC hier im vergleichbaren Berichtszeitraum des vergangenen Jahres mit zirka 148 Millionen Dollar noch rund elf Prozent des Gesamtumsatzes erzielt, konnten jetzt annähernd 220 Millionen Dollar eingenommen werden. Der Umsatzanteil in der Gesamtbilanz kletterte auf 15 Prozent. Nach wie vor am stärksten ist EMC in Nordamerika mit einem Umsatzanteil von 58 Prozent.

Für das laufende dritte Quartal rechnet der Konzern lediglich mit einem zum Vorquartal nahezu unveränderten Umsatz und Gewinn. Per se ist das kein schlechter Ausblick, schließlich ist das dritte Quartal - nicht zuletzt wegen der Urlaubszeit in Europa - traditionell das schwächste. Ein Einhalten dieser Prognose würde immerhin noch eine Steigerung gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bedeuten.

An den Kapitalmärkten wurde das auf den ersten Blick erfreuliche Ergebnis dennoch mit Kursabschlägen quittiert. Die Aktie von EMC sank zunächst von mehr als elf auf unter zehn Dollar. Als Grund für die Enttäuschung werteten Analysten den ausbleibenden Erfolg der Softwaresparte. Anleger wollen Profite sehen, und auf lange Sicht stellt das Softwaregeschäft höhere Margen in Aussicht - obwohl Unkenrufen zum Trotz auch das Highend-Geschäft Profite abwirft. Für das zweite Quartal wies EMC eine Bruttogewinnmarge von 43,5 aus, was nur einer leichten Erhöhung gegenüber dem ersten Jahresviertel von 0,3 Prozent entspricht.

Softwaregeschäft tritt auf der Stelle

Dabei deutete noch im vergangenen Geschäftsjahr vieles darauf hin, dass der Speicherriese seinem Ziel, den Softwareanteil bis Ende 2004 auf 30 Prozent zu erhöhen, deutlich näher kommt: Der Umsatzanteil aus dem Softwaregeschäft lag bereits bei 23 Prozent. Gegenüber früheren Jahren, in denen die Einnahmen nahezu vollständig aus dem Verkauf der Hardwaresysteme stammten, feierte EMC das Ergebnis als großen Fortschritt. In diesem Jahr tritt das Unternehmen im Softwaregeschäft auf der Stelle: Im zweiten Quartal lag der Umsatz mit Speichersoftware bei 321 Millionen Dollar, und damit exakt auf dem gleichen Niveau des zweiten Quartals 2002. Der Anteil an den Gesamteinnahmen rutschte sogar wieder auf knapp 22 Prozent.

Dass EMC im hochmargigen Softwaregeschäft auf keinen grünen Zweig kommt, kann zumindest nicht an dem fehlenden Engagement der Company liegen. Ein Großteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben, rund drei Viertel von 780 Millionen Dollar, flossen im vergangenen Jahr in die Softwareentwicklung. Unternehmensangaben zufolge beschäftigt sich immerhin die Hälfte der Mitarbeiter mit Software, Services und der Entwicklung integrierter Lösungen. Hinzu kommt, dass der Speicherriese auch außerhalb des Unternehmens beherzt zugriff und seit 2000 insgesamt neun weitgehend unbekannte Unternehmen akquirierte, mit deren Techniken das Softwareangebot aufgepeppt werden sollte. Erst im April dieses Jahres wurde die Übernahme von Astrum abgeschlossen.

Gebracht hat die Akquisitionsstrategie bisher noch nicht viel. Zum einen hat der Anbieter erst im vergangenen Jahr ernsthaft damit begonnen, seine Vertriebsstrukturen zu verändern und nun auch Produkte über Partner zu verkaufen. Zum anderen fehlt es dem Unternehmen Experten zufolge noch an der Sichtbarkeit als Softwarespezialist. Das Ziel, bis Ende 2004 mit Software knapp ein Drittel der Einnahmen zu bestreiten, zwingt nun zu einer härteren Gangart: Satte 1,3 Milliarden Dollar bietet EMC für die Übernahme von Legato Systems - und stellt bereits einen weiteren Deal dieser Größenordnung in Aussicht. Unternehmenschef Tucci redet nicht um den heißen Brei herum: "Das Motiv für diese Übernahme ist Wachstum." Speichersoftware werde in den nächsten Jahren gefragt sein.

Wachstumsmärkte erobern

Mit den Produkten von Legato ergänzt EMC seine Angebotspalette um das als Zukunftsmarkt ausgemachte Segment für plattformunabhängige Systeme sowie Rundum-Speicher-Lösungen. "Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass die nächste große Welle bei Storage-Software in der Verwaltung des kompletten Lebenszyklus von Informationen liegen wird", bekennt Tucci. Mit Hilfe von Legato möchte er den Wachstumsmarkt für Information-Lifecycle-Management erobern. "Mit der Akquisition wird EMC auf einen Schlag von einem relativ unbeschriebenen Blatt zu einem der fünf größten Anbieter im Softwaremarkt", beurteilt Galen Schreck, Analyst von Forrester Research, die geplante Übernahme.

Auch die Zahl der Kunden und nicht zuletzt eine auf den Verkauf von Software spezialisierte Vertriebsmannschaft inklusive eines etablierten indirekten Vertriebs mit mehr als 400 Partnern würde dem Speichergiganten gut zu Gesicht stehen. Doch noch ist der Handel nicht in trockenen Tüchern. Nur wenige Tage nach Bekanntgabe der Kaufabsicht stellten sich die Aktionäre von Legato quer und kündigten eine Klage gegen den Verwaltungsrat der Company an. Dass EMC über liquide Mittel von rund 5,7 Milliarden Dollar sowie ein Forschungsbudget von knapp 800 Millionen Dollar verfügt, überzeugt die Legato-Aktionäre offenbar nicht.

Konsolidierung geht weiter

Sollte der Deal dennoch gelingen, würde EMC seinem Ruf als besonders übernahmefreudiger Speicherspezialist einmal mehr gerecht. Wie die CW-Schwesterpublikation "Network World" ausrechnete, wurden seit 2001 rund 125 Firmenkäufe in diesem Segment gemeldet, zehn allein von EMC. Für die Kunden dürfte diese Entwicklung, die auch von Wettbewerbern wie IBM, HDS, Veritas oder HP vorangetrieben wird, ihre Vor- und Nachteile haben. Gut ist es für Anwender, künftig von einem Anbieter sämtliche Produkte angeboten zu bekommen. Die Chance, dass die einzelnen Komponenten zusammenspielen, erhöhen sich. Auf der anderen Seite wird sich die Marktmacht der Kunden, die sich derzeit in Preisnachlässen von bis zu 30 Prozent niederschlägt, verringern, sobald wieder Ruhe in den Markt eingekehrt ist und nur noch wenige Anbieter vorhanden sind. "Auch wenn die Kunden bessere Service- und Integrationsleistungen erhalten, dürfte der Preisverfall ein Ende haben. Die Anbieter können die Preise wieder selbst bestimmen" fürchtet Brian Babineau, Analyst bei der Enterprise Storage Group. Im Klartext: Sollte nur noch eine Handvoll Player übrig bleiben, dürfte ein Anstieg der Preise nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Babineau vermutet, dass auch die nächste Akqusitionsrunde im Bereich der Backup-Systeme stattfinden wird. "Hier tut es dem Kunden noch am meisten weh", begründet er. "Firmen wie Revivo oder Timespring haben Nischentechniken entwickelt, die wirklich die Probleme lösen." Auch andere junge Unternehmen wie Bocada und Avamar verfügen seiner Meinung nach über großartige Backup-Strategien, ihnen fehlt jedoch der Vertriebskanal zu den Kunden. Wenn es ihnen nicht gelingt, sich mit den großen Konzernen zu verbünden, dürften sie auf mittlere Sicht von diesen übernommen werden. (rs)

Aktionäre wehren sich

Um die Übernahme durch EMC zu verhindern, haben Aktionäre von Legato Gegenwehr auf verschiedenen Ebenen angekündigt. Zunächst wurden zwei Klagen gegen die Fusion beim Santa Clara County Superior Court eingereicht. In beiden Fällen bezichtigen die Anleger das Unternehmen sowie dessen Verwaltungsrat des Verstoßes gegen treuhänderische Pflichten sowie des "self-dealings". Legato wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme als haltlos zurück und beauftragte eine Anwaltskanzlei aus Palo Alto mit der Verteidigung. EMC wollte keine Stellungnahme abgeben. "Das ist eine Legato-Angelegenheit. Wir kommentieren keine laufenden Ermittlungen", erklärte ein Sprecher des Storage-Anbieters.

Der Speicherriese will die geplante Transaktion vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden und der Legato-Anleger voraussichtlich im vierten Quartal dieses Kalenderjahres abschließen. Ab 2004 soll die der Softwaresparte von EMC zugeordnete Company, die eigenen Angaben zufolge eine Basis von mehr als 30000 Kunden hat, einen zusätzlichen Umsatz von rund einem Prozent zu den EMC-Einnahmen beitragen. Legato hatte für das erste Quartal 2003 Einnahmen von 74 Millionen Dollar gemeldet, nach knapp 56 Millionen Dollar in derselben Periode des Vorjahres. Das Geschäft teilt sich nahezu gleich auf die Sparte Produkte sowie Service und Support auf. Den Nettoverlust konnte Legato von 46,7 Millionen Dollar in der Vorjahresperiode auf 2,6 Millionen Dollar in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres verringern. Mitte Mai kündigte der Softwarehersteller an, die Mitarbeiterzahl von 1563 auf 1480 bis 1500 Angestellte zu senken. In einer offiziellen Mitteilung erklärte das Unternehmen damals, dass das erwartete Umsatzwachstum von 20 Prozent davon nicht negativ beeinflusst werde. (rs)

Abb: Umsatzverteilung im zweiten Quartal 2003

Dem Ziel noch nicht näher gerückt: Bis Ende 2004 will EMC einen Umsatz im Verhältnis von 50 (Systeme) zu 30 (Software) zu 20 (Services) schaffen - derzeit sieht das noch anders aus. Quelle: EMC