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29.09.1989 - 

Interesse an CAM löst CAD ab

EMO '89: Werkstattorientierte Programmierung angesagt

HANNOVER (dow) - Die Ausrüster der Werkzeugindustrie können den wachsenden Ansprüchen ihrer Kunden nach höherer Leistung und besserer Bedienbarkeit nur mit noch stärkerem Einsatz an Computern nachkommen.

Zur 8. EMO (Exposition de la Machine-Outil) in Hannover vom 12. bis 20. September zeigten 74 von insgesamt 2134 Ausstellern Rechneranwendungen für Werkzeugmaschinen. Dabei galt das Interesse der Besucher in diesem Jahr weniger den Systemen in der Konstruktion als vielmehr denen für die Fertigung. Zu diesem Ergebnis kamen neben Siemens und Schlumberger mehrere andere Anbieter.

Veranstalter der Messe ist der (..)rein der Werkzeugmaschinenfabriken e. V. Insgesamt sind in dieser Branche rund 935 000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Verband, der bereits 1891 gegründet wurde, hat heute 116 Mitgliedsunternehmen und repräsentiert nach eigenen Angaben rund 60 Prozent der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie. Die EMO findet jedes Jahr statt, alle vier Jahre in Hannover.

Bundesrepublik ist zweitgrößter Anbieter

Weltweit wurden 1988 Werkzeugmaschinen im Wert von rund 66 Milliarden Mark produziert. Mit einem Anteil von rund 13 Milliarden Mark ist die Bundesrepublik nach Japan (rund Milliarden Mark) der wichtigste Anbieter der Branche. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der NC-Maschinen an der gesamten bundesdeutschen Branchenproduktion erstmals bei mehr als 50 Prozent. Die Handelsbilanz mit NC-Maschinen schloß die Bundesrepublik 1988 mit einem positiven Saldo von 2,2 Milliarden Mark ab.

In Japan lag allerdings der Anteil der numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen an der Gesamtproduktion bereits 1987 bei mehr als 50 Prozent. Die japanische Industrie hat jedoch - häufiger als bundesdeutsche Unternehmen - numerisch gesteuerte Maschinen im unteren Leistungsbereich eingesetzt. Dieser Markt, der Systeme für einfache Dreh- und Fräsvorgänge mit wenigen Achsensteuerungen benötigt, wird von den deutschen Herstellern jetzt erst entdeckt.

Siemens bietet schon numerisch gesteuerte Maschinen für einfache Bearbeitungsvorgänge ab 5 000 Mark an. Die Münchener wollen, wenn sie sich die neuen Einsatzbereiche kleiner Maschinen für einfache Arbeitsvorgänge erschließen, einen Zuwachs von neun Prozent erreichen. Im Vergleich zur Gesamtbranche wäre dieses Ergebnis im Geschäftsbereich Produktionsautomatisierung und Automatisierungssysteme überdurchschnittlich gut.

Während der sechs Jahre seit Bestehen dieses Unternehmensbereiches habe sich das Geschäftsvolumen von anfangs rund einer Milliarde Mark auf drei Milliarden Mark erhöht, erläutert der Leiter des Geschäftsbereiches Siegfried Waller. Im Geschäftsjahr 1988189 erwarte Siemens einen Umsatz von drei Milliarden Mark. Der Auftragseingang liege etwa bei 3,3 Milliarden Mark.

Der stärkeren Einbindung von NC-Maschinen in Gesamtkonzepte der Fertigung von beispielsweise Bauteilen wollten die übrigen Rechnerhersteller in der Halle 8 auf dem Messegelände Rechnung tragen. Wie schon zur CeBIT und Industriemesse boten sie CIM-Konzepte an, wenn auch speziell auf die Bedürfnisse des Werkzeugmaschinenbaus zugeschnitten. Auf Präsentation von Neuigkeiten verzichteten die Rechnerhersteller weitgehend. Zu sehen waren vor allem Weiterentwicklungen bereits vorhandenen, Produkte, wie bei Mannesmann Kienzle die Integration des NC-Programmiersystems Pro NC in die Datenbank Pro File. Kundennähe war wohl das wichtigste Argument für die Präsenz auf dieser wichtigsten Messe der Werkzeugmaschinenindustrie weltweit.

Dabei paßten sich die Aussteller aus der Computerbranche auch optisch dem Ambiente dieser Messe an. Sie verzichteten für Auge und Ohr sehr wohltuend - auf schrille Farben und überflüssige Shows. Im Vordergrund standen die Produkte und das Fachgespräch, wie die Standmitarbeiter der Mannesmann Kienzle GmbH und der Prime Computer GmbH bestätigten. Ihren Erfahrungen nach kamen die Besucher eher aus der Produktion als der Konstruktion. "Die wissen genau, was sie wollen", hieß es nicht nur bei diesen beiden Unternehmen.

Strategie hat Erfolg gebracht

Entsprechend zufrieden war man deshalb auch bei der Intergraph GmbH. Standleiter Nathan Jagoda betonte, daß die Strategie seines Hauses, verstärkt auf Fachmessen auszustellen, bisher den gewünschten Erfolg gebracht habe. Nach zwei Jahren Hannover-Abstinenz wird das Unternehmen im nächsten Frühjahr aus Imagegründen, wie Jagoda sagte, an der CeBIT und "Industrie" teilnehmen.

Die Aussteller der CAD/CAM-Division der Schlumberger Technologies Gmbh präsentierten sich auf der EMO mit einer Erweiterung ihres Programmes für die NC-Programmierung von Oberflächenbearbeitungen. Der Standverantwortliche Gerd Streckfuss stellte dabei eine stärkere Nachfrage für den Einsatz von Einzellplatzrechnern fest als zuvor. Grund dafür ist seiner Meinung nach der große Preisverfall bei der Hardware, der bei einzelnen Systemen bis zu 50 Prozent beträgt. "Und diese Rechner sind dann doppelt oder dreifach so schnell", berichtete der technische Leiter der CAD/CAM Division.

Streckfuss meint, daß der CAD-Boom der vergangenen Jahre abgemacht sei. Die Unternehmen investierten stärker in die Fertigung. Der Trend, alte NC Maschinen auszutauschen wird laut Streckfuss durch die grafisch interaktive Programmierung an den neuen NC-Maschinen unterstützt.

Auch DEC pries auf der EMO die Werkstattsteuerung als zentrales Element der Fabrikautomatisierung. Ähnlich wie Schlumberger mit der Software Bravo3 macht DEC mit WSS ein Angebot für die Steuerungsebene im Produktionsprozeß. Die direkte Einflußnahme von dieser Ebene - die noch zur Arbeitsvorbereitung zu rechnen ist - an die Rechner in der Fertigung ist bei DEC ebenfalls möglich.

Die Programmierung direkt an der Fertigungsmaschine war ein Schwerpunkt des "Treffpunkt CIM" in der Halle 17 A. In WOP, der werkstattorientierten Programmierung, sieht der Organisator des Treffpunktes, Ingward Bey vor allem den Trend, den Prozeß der Arbeitsvorbereitung zu verkürzen oder gar ganz abzuschaffen. Notwendig dazu sei jedoch eine stärkere Qualifizierung der Facharbeiter. Sie hätten bei einer Zunahme des Rechnereinsatzes direkt an ihrem Arbeitsplatz die Chance, die an die Arbeitsvorbereitung verlorenen Aufgaben wieder zu übernehmen.