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12.09.1980

Emotionsfreie Beurteilung auf neutraler Ebene?Nachwuchsmisere: Ehemalige wissen es besser

MÜNCHEN (bi) - Eine - wie die CW-Redaktion meint - nicht ganz emotionsfreie Beurteilung eines in der COMPUTERWOCHE entbrannten Streits über die "Schuld" an der EDV-Bildungskrise auf einer nicht ganz neutralen Ebene hat nun auch der in standespolitischen Fragen engagierte Eberhard Runge abgegeben. Runge ist erster Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Absolventen des b.i.b. in Paderborn. Die Schüler des b.i.b., des Bildungszentrums für informationsverarbeitende Berufe, haben dem Gründungsinitiator Nixdorf einiges zu verdanken. Runges Text, der sich auf Veröffentlichungen in CW Nr. 29, Seite 4, CW 32, Seite 2 und diverse Leserbriefe bezieht, sei hier für die Streithähne und ihre Beobachter ungekürzt wiedergegeben. Runge fordert Bildungserfahrene und -unerfahrene auf, sich doch lieber zu solidarisieren, als sich in Scheingefechten zu ermüden und zwar im BVIB e.V., seinem Verein.

Die "Computerlöwen" - sprich Computerfachleute - haben bereits genügend Schwierigkeiten damit, in der Öffentlichkeit auf Verständnis, geschweige denn auf menschliches Entgegenkommen zu stoßen. Dieses Problem noch zu vergrößern, scheinen die beiden Streithähne Dieter Ballin und Friedhelm Holtz mit ihren Auslassungen in der COMPUTERWOCHE angetreten zu sein. Man kann nur sagen, Gott sei Dank, daß nicht jeder Bürger der Bundesrepublik die CW liest, und daß die CW als Fachzeitung nicht die Auflage eines Stern oder SPIEGEL hat.

Worum geht es eigentlich den beiden Herren? Der eine wirft dem anderen vor, er wisse nicht, welch qualifizierte DV-Fachleute aus der DV-Fachschule des jeweils anderen entlassen werden. Der andere reagiert natürlich und behauptet, die "Entlassenen" hätten keine praxisnahe Ausbildung, seien nach veralteten Methoden und an alten Systemen ausgebildet. Sie könnten aufgrund der Kosteneinsparung nicht von hochwertigen Dozenten unterrichtet werden.

Jeder hat Recht

Bei beiden stimmt es nicht

Sicherlich müssen wir beiden Streithähnen irgendwo recht geben, sagen aber im gleichen Atemzug:

Sie haben zwar recht- aber es gibt Probleme auf beiden Seiten.

Ihre Handlungsform ist falsch.

Beide Argumentationen stimmen nicht.

Sie schaffen keine Lösung - sie schaffen das absolute Chaos.

Dieter Ballin hat mit seiner Behauptung nicht ganz unrecht, wenn er sagt, der Markt wisse nicht, welch qualifizierte Fachleute die DV-Bildungsstätten produzieren. Und der "vergnatzte" Friedhelm Holtz hat auch nicht ganz unrecht, wenn er behauptet, daß wesentliche Ausbildungsabschnitte an vielen Institutionen viel zu kurz behandelt werden.

Findet man die Lösung nun beim Ausbilder oder beim Anwender? Oder wer sonst könnte die Problematiken beseitigen?

Wenn die beiden Autoren bis zu dieser Stelle gelesen haben sollten, werden Sie nun die Federn spitzen, um über den dritten Streiter herzufallen und versuchen auch in ihm einen Schuldigen zu finden.

Die ehemaligen Absolventen des b.i.b. in Paderborn, inzwischen über 3000 bundesweit, haben seit längerer Zeit dieses Pulverfaß gerochen. Doch sie sind nicht direkt an die Öffentlichkeit gegangen; sie haben versucht eine öffentlichkeitsnahe, allen Seiten gerecht werdende Lösung zu finden.

Eigeninteresse

Für Dieter Ballin (andere wollen wir nicht erwähnen) ist es wichtig, nach jedem Semester seine Schüler und Studierenden am freien Arbeitsmarkt unterzubringen. Denn nur so kann er nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität und damit automatisch die Effektivität seiner Schule steigern. Die Absolventen müssen also möglichst schnell vermarktet werden. Die Ehemaligen des b.i.b. können nicht einfach als "Angebot der Woche" vermarktet werden, nach dem Motto: "Freies Lager - mehr neue Ware".

Für Friedhelm Holtz (auch hier erwähnen wir keine anderen Namen) ist erste Priorität, sogenannte "Spitzenarbeitskräfte" einzukaufen, die schon mehr können und noch mehr wissen, als sein Betrieb braucht. Kann er denn überhaupt solche Mitarbeiter bezahlen? Wir möchten Holtz sagen: Definieren Sie die Anforderung; Wir wollen versuchen, Ihnen im Laufe der Zeit solch einen Absolventen zu "produzieren".

Sündenbock

Der Ehemaligenverein befaßt sich nun seit zirka anderthalb Jahren mit Problemen der Öffentlichkeitsarbeit. Wir haben folgendes festgestellt:

1. Der einzelne Absolvent kann die berufliche Situation nicht verändern, und er braucht für die Durchdringung des Marktes eine zu lange Zeit.

2. Die einzelne Ausbildungsstätte kann in den meisten Fällen nur regional eine Detaillösung herbeischaffen.

3. Der Anwender ist Kunde und richtet sich danach, was der Markt ihm bietet und was er findet.

4. Der Hersteller (den haben bisher alle noch nicht erwähnt), meistens Sponsor einer DV-Ausbildungsstätte, holt sich neben den steuerlichen Vorteilen auch meistens die besten Absolventen "seiner" Schule (sie sind ja mit seinen Systemen vertraut).

Ehemalige machen es vor

Holtz und Ballin, wenn Sie diese vier Punkte objektiv beurteilen und mit ihrem Eigeninteresse vergleichen, werden feststellen, ihr Leidtragender und ihr Sündenbock ist der ausgebildete Informatiker. Gott sei Dank nicht mehr der vom b.i.b.

Punkt 1 aus obiger Aufstellung erledigen wir durch den Zusammenschluß der Absolventen des Bildungszentrums in Paderborn zum Verein ehemaliger Schüler und Studierender des b.i.b. e. V., kurz Ehemaligenverein genannt.

Punkt 2 haben wir durch die Herausgabe einer vereinsinternen Informationsbroschüre gelöst, die überregional und unabhängig von Hersteller oder Anwender mehr als 3000 b.i.b.-Absolventen und Mitglieder erreicht. Unsere Vereinsbroschüre BIB (Berichte - Informationen - Briefe) berichtet über Aktualitäten aus der Fachpresse, Aktuelles vom Arbeitsmarkt, Neuigkeiten vom Computermarkt und viele andere Dinge, die uns aus unserem Mitgliederkreis zugetragen werden.

Punkt 3 versuchen wir ebenfalls mit unserer BlB-Broschüre zu lösen, indem wir mehr als 400 Unternehmen der Informationstechnologie und demnächst einige tausend Anwender mit unserem Blatt kostenlos versorgen.

Punkt 4 ist etwas schwieriger, doch auch hier geht es konstant bergauf. Wir unterrichten die Studierenden und Schüler am Bildungszentrum noch während der Schulzeit über die Anforderungen am Markt sowie die Angebote am Markt. Die meisten Schwierigkeiten haben wir hier mit der Schulleitung, denn es gibt kaum noch Freistunden.

Unsere Überlegungen in den vergangenen Monaten führten zu dem Entschluß, in enger Zusammenarbeit mit anderen Absolventen- und Studentenvereinigungen, den Bundesverband für informationsverarbeitende Bereiche BVIB e. V. zu gründen. Der BVIB arbeitet überregional und bietet auch anderen Absolventenvereinigungen die Möglichkeit, Mitglied zu werden, ihre Interessen über den Bundesverband wahrzunehmen.

Die Hauptaufgaben des BVIB sind: zu informieren, zu koordinieren, zu unterstützen sowie fort- und weiterzubilden.

Wer echtes Interesse an der Lösung seiner Probleme hat und nicht nur ein bißchen für sein Unternehmen machen will, schließt sich unseren Aktivitäten an.

Die emotionsfreie Beurteilung auf neutraler Ebene sollte Unstimmigkeiten und Unzufriedenheiten nicht zu einer öffentlichen Rangelei werden lassen, sondern eine Präsentation von Lösungsmöglichkeiten ergeben. So wie es zwischen Fachleuten in der Informationstechnologie eigentlich üblich ist.

Informationen: Ehemalige Schüler und Studierende des b.i.b. e. V. Bildungs-Zentrum für Informationsverarbeitende Berufe, 4933 Blomberg-W, Lohbraken 15, Telefon 0 52 35/86 77.