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20.12.2002 - 

Große Hersteller geben einen Ausblick auf 2003

"Empower Germany": IT-Branche macht sich Mut

Erwin Staudt,Geschäftsführer IBM Deutschland

Nach einem schwierigen Jahr 2002 mit einem erstmals in der Branchengeschichte rückläufigen IT-Markt rechnet der Branchenverband Bitkom auch für 2003 mit einem leicht negativen Wachstum von minus 1,7 Prozent - interessanterweise nur in Deutschland, im Gegensatz zu allen anderen europäischen Märkten, die in die Wachstumszone zurückkehren. Neben der angespannten Weltkonjunktur spielen also auch hausgemachte Probleme eine Rolle. Wirtschaft und Politik müssen deshalb jetzt gemeinsam die Weichen für mehr Wachstum und Beschäftigung stellen. Dann wird die Branche wieder Fahrt aufnehmen. Das Bild vom stets klagenden Kaufmann ist gegenwärtig nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber wenn eine Branche über Jahre mit hohen einstelligen oder gar zweistellen Wachstumsraten verwöhnt wurde, fällt das Backen kleinerer Brötchen schwer.

Über einen Kamm geschoren

Die Unternehmen sind gefordert, ihre Kostenstrukturen anzupassen - dieser Prozess bestimmt das Bild in der Öffentlichkeit. Allerdings muss man ein bisschen genauer hinschauen: Die Entwicklung der Teilbranchen verläuft durchaus unterschiedlich, und es gibt auch heute Bereiche, die gesund wachsen, wie beispielsweise bestimmte Elemente des Softwaremarkts oder auch die Telekommunikationsanbieter.

Wir als Branche müssen der Öffentlichkeit besser vermitteln, dass unsere Technologien der Schlüssel für die Modernisierung des Landes sind. Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik etwa in der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitswesen oder der Arbeitsvermittlung bringt einen Effizienzschub und mittelfristig eine Kostenentlastung für die angespannten öffentlichen Haushalte. Wir müssen nüchtern feststellen, dass sich der gesamte öffentliche Sektor - mit rühmlichen Ausnahmen natürlich - heutzutage auf dem Status der Unternehmen zu Beginn der 80er Jahre befindet.

Die Kernfrage ist jedoch, wie es um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten deutschen Wirtschaft steht, wenn notwendige Investitionen für die Modernisierung über einen längeren Zeitraum hinweg verweigert werden. In einer globalisierten Wirtschaft treten internationale Wettbewerber an die Stelle derjenigen, die an überkommenen Geschäftsmodellen und Strukturen festhalten. Tatsache ist, dass Deutschland bei den Pro-Kopf-Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnik nur auf europäischem Durchschnittsniveau liegt. Gegenüber Vorreitern wie den USA, Kanada oder den skandinavischen Ländern fallen wir weit ab.

Kosten und Nutzen

Auch künftig werden sich solche IT-Projekte gut entwickeln, die den Kunden einen schnellen RoI (Return on Investment) einbringen. Gefragt sind Lösungen, die IT- und Branchen-Know-how sinnvoll verbinden und dadurch Anwendern helfen, ihre Geschäftsprozesse zu optimieren und wettbewerbsfähig zu bleiben. Die wirtschaftliche Lage zwingt viele Unternehmen dazu, ihre Kosten noch transparenter zu machen und alle Möglichkeiten zur Kostensenkung auszuloten. Outsourcing wird damit auch in Deutschland weiterhin an Bedeutung gewinnen. Dabei ist nach wie vor der industrielle Sektor interessant, weil dort schon seit vielen Jahren die Fertigungstiefe verringert worden ist. Auch der öffentliche Sektor ist ein Wachstumsfeld. Ich denke da zum Beispiel an E-Government, aber auch an andere Institutionen wie etwa Krankenhäuser. Auch in Banken und Versicherungen tut sich etwas.

Der PC-Markt bleibt sicher weiterhin heiß umkämpft, aber auch bei E-Business-Projekten wächst der Druck auf die Anbieter. Zwar werden immer größere Summen in solche Vorhaben investiert, aber sie müssen sich auch immer schneller wieder auszahlen, also einen schnellen RoI versprechen. Für Outsourcing entscheiden sich heutzutage Unternehmen ebenfalls nur noch, wenn sie dabei auch Kosten sparen. Dies wird einige Anbieter in diesem personalintensiven Umfeld in Bedrängnis bringen.

August-Wilhelm ScheerGründer der IDS Scheer AG

Der IT-Markt ist stark im Umbruch. Mit der Internet-Technologie kommen neue Konzepte und Architekturen auf, die neue Nachfrage schaffen. Für Deutschland stellt sich die Frage, wie es in dieser Auseinandersetzung aufgestellt ist und welche Chancen bestehen. Nur im Bereich der betriebswirtschaftlichen Software spielen wir noch eine dominierende Rolle. Diese Position durch intensive Anstrengungen in Forschung und Entwicklung zu verteidigen muss das Anliegen von Politik und Wirtschaft sein. Die Situation wird hierzulande nicht nur als schlecht, sondern als aussichtslos dargestellt. Man kann die Bundesrepublik Deutschland derzeit wahrlich nicht als Outperformer bezeichnen, aber wir haben kluge Köpfe und viel Potenzial. Was wir brauchen, ist der Mut, die vielen und schon oft formulierten Ideen auch umzusetzen.

Ressourcen und Potenziale

Der Grund für die wirtschaftlich starke Position von Ländern wie Finnland oder Schweden liegt in der besseren Organisation von Forschung und Entwicklung. In Deutschland werden traditionell staatliche Forschung und private Entwicklung voneinander getrennt. In Finnland hat man beide Seiten sehr eng - und mit großem Erfolg - verzahnt. Wir haben hierzulande beachtliche Ressourcen und Potenziale, aber es fehlt bislang die sinnvolle Steuerung. Stattdessen verlieren wir uns in Gutachtergremien, während die besten Köpfe und mit ihnen die besten Ideen ins Ausland abwandern. Ich habe es schon an anderer Stelle gesagt: Wir brauchen eine nationale Initiative "Empower Germany". Verlorene Kompetenzen wie etwa bei CAD, Middleware oder Office-Software müssen zurückgeholt werden; unseren Vorsprung in Feldern wie Enterprise Resource Planning (ERP), Supply-Chain-Management (SCM) und Modellierung müssen wir ausbauen.

Deutschland ist nur noch in wenigen Segmenten ein wichtiger IT-Standort. Obgleich mit Konrad Zuse ein Deutscher den Computer miterfand, werden hier keine Rechner mehr gebaut. Die CAD-Kompetenz haben wir weitgehend an Frankreich und USA verloren. Aus der New Economy hat sich kein Internet-Produkt "Made in Germany" durchgesetzt. Deshalb müssen die verbliebenen Kompetenzen im Bereich der betriebswirtschaftlichen Anwendungs- und Modellierungssoftware als Keimzelle für einen neuen Aufbruch genutzt werden.

Ein paar Prognosen kann man getrost wagen: Das Thema Outsourcing gewinnt im Jahr 2003 bei Banken, Versicherern und Energieversorgern an Bedeutung. Man wird branchenübergreifend die Einsparpotenziale durch Customer-Relationship-Management (CRM) und SCM erkennen. Der E-Learning-Markt scheint sich zu profilieren, und trotz aller Unkenrufe sind im Bereich UMTS erste konkrete Anwendungen zum Mobile Computing sichtbar. Obwohl noch in den Kinderschuhen, wird sich auch der deutsche EAI-Markt mittel- und langfristig gut entwickeln.

Der Konzentrationsprozess in der gesamten Branche verstärkt sich. Nur international aufgestellte Unternehmen werden erfolgreich sein. Hingegen wird der Druck auf inländisch orientierte Mittelständler auch 2003 enorm wachsen.

Rolf SchwirzDeutschland-Chef von Oracle

Ich möchte nicht von einer wirklichen Branchenkrise sprechen. Wir sind nach dem E-Business- und Dotcom-Hype zurückgekehrt zu dem, was ich als relativ normal bezeichne. Betroffen davon sind vor allem jene Nischenanbieter, insbesondere in der Softwarebranche, die nur gegründet wurden und existieren, weil es diesen Hype gab. Diese Unternehmen sind jetzt in einer existenzbedrohenden Situation. IT-Lieferanten, die schon vorher etabliert waren, spüren das Ende des Booms jedoch ebenfalls. Auch das ist eine Rückkehr zur Normalität.

Nähert man sich dem Thema differenzierter, kommt man auch zu einer zuversichtlicheren Einstellung. Dies schließt natürlich die Medien ein, die hier positiv Einfluss nehmen sollten. Momentan findet am Markt ein Auswahlprozess statt. Viele Anwender überprüfen derzeit deshalb ihre früheren Investitionen. Auch diese Veränderungen bieten Chancen.

Differenzierte Investitionen

Der IT-Standort Deutschland wird nach wie vor einer der wichtigsten in Europa sein, und IT wird auch langfristig eine Wachstumsbranche bleiben. Was sich als Einziges geändert hat nach dem E-Business-Hype, ist Folgendes: Die Kunden treffen Investitionsentscheidungen jetzt sehr viel genauer und differenzierter. Mehr denn je zählt der unmittelbare monetäre Nutzen. Profitieren können davon alle IT-Segmente, die dem Kunden diesen kurzfristigen Return on Investment bieten. Ein gutes Beispiel hierfür sind Linux-Server, die überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen werden. Außerdem entwickeln sich Web-Services, Wireless-Services sowie alle Produkte, die jede Art von Konsolidierung unterstützen, positiv.

Mehr Druck entsteht 2003 in erster Linie im Bereich der Professional-Services. Hier gibt es zurzeit ein Überangebot, das sich preissenkend auswirken und auch zu Konsolidierungen führen wird. Kunden wählen heute eher kurze Projektlaufzeiten, um dann Schritt für Schritt zu überprüfen, ob sich der versprochene finanzielle Nutzen auch wirklich einstellt.

Helmut WilkeDeutschland-Chef von Sun

Die IT-Branche muss endlich aufhören, immer komplexere Technologie zu verkaufen, um anschließend mittels Services alles zum Laufen zu bringen. IT muss drastisch einfacher werden, weg von der Mystifizierung, hin zu einer normalen Dienstleistung. Aber nur wenige Anbieter werden diesen Schwenk im kommenden Jahr schaffen. Derzeit dominieren noch die Stimmen der Verlierer, doch wer sich auf die geänderten Anforderungen eingestellt hat, bei dem geht das Geschäft auch wieder aufwärts.

IT-Chefs müssen zudem wieder Mut zu Investitionen entwickeln. Dabei sollten ihnen die Hersteller mit überzeugenden Lösungen helfen. Dringend erforderlich wäre es, den Mittelstand zu mehr Internet-Anwendungen zu motivieren. Die aktuelle Wirtschaftspolitik macht jedoch den Standort Deutschland immer teurer, sprich unattraktiv. Ein möglicher Negativtrend: Rechenzentren werden ins Ausland verlagert, IT-Investitionen verschoben. Das Internet kennt keine Standortfrage.

Vereinfachung und Transparenz

Der Druck auf die Personalkosten wird auch im kommenden Jahr unvermindert hoch bleiben. Daher sind externe Serviceanbieter, Berater und Systemintegratoren besonders betroffen. Gesucht sind Lösungen, die Personalkosten sparen und nicht die Dienstleistungsbudgets hochtreiben. Sicher gibt es im Jahr 2003 auch Wachstumschancen: Vorhaben mit kurzem Return on Investment (RoI) werden Konjunktur haben. Dazu zähle ich Web-basierende Dienste rund um das Mobile Computing und den Bereich der Internet-Sicherheit. Die anstehenden Infrastruktur-Investitionen zielen primär auf Vereinfachung und Transparenz. Große Anbieter wie SAP und Sun werden vom Konsolidierungstrend der Branche profitieren. An ERP, CRM, neuen Web-basierenden Diensten und der Integration von Geschäftsprozessen kommen Unternehmen auch 2003 nicht vorbei.

Robert HoogCEO der Ixos AG

Die Frage nach dem Aufschwung wurde schon 2001 beantwortet: Damals hieß es, er werde "in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres" stattfinden. In welche Kristallkugel die Betreffenden vor einem Jahr geschaut haben, weiß ich nicht. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass solide Unternehmen mit zuverlässigen Produkten und guten Partnern die Krise als Erste überwinden werden. Die Berichterstattung über die Situation spiegelt im Großen und Ganzen die tatsächliche Lage wider. Manches mag überspitzt sein, so wie es auch während des großen Hypes viele übertriebene Meldungen gegeben hat. Insgesamt ist die Lage aber ernst.

Der Unternehmensfokus für IT-Investitionen muss sich verlagern. Heute liegt er vielfach zu 100 Prozent auf der Kostenreduzierung. Stattdessen braucht es langfristig einen vernünftigen Mix aus Kostensenkung und Wachstumsinvestitionen. Der Aufbau einer deutschen Softwareindustrie wird jedoch, von den wenigen existierenden Ausnahmen abgesehen, bis auf weiteres vertagt. Alle Anbieter, die sich im Wesentlichen über einen technologischen Innovationsansatz definieren, werden einem noch stärkeren Druck ausgesetzt sein.

2003 zählt der ROI

Jörg Menno HarmsDeutschland-Chef von Hewlett-Packard, Bitkom-Vizepräsident

Das Jahr 2002 war geprägt von rückläufigen IT-Investitionen bei konjunkturell und strukturbedingt schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Deutschland ist nach Erhebungen von Analysten der einzig rückläufige IT-Markt in Europa. Er hat sich auf niedrigem Niveau konsolidiert. Nicht zuletzt aufgrund der angespannten gesamtwirtschaftlichen Situation liegt der Schwerpunkt der IT-Investitionen in vielen Unternehmen auf Anschaffungen, die kurzfristig messbare Einsparpotenziale oder Produktivitätssteigerungen versprechen.

Zudem geht es um eine bessere Nutzung der vorhandenen IT-Infrastruktur. Dabei kommt es darauf an, heterogene Strukturen zu standardisieren und Ressourcen besser einzusetzen. Nur etwa 20 bis 40 Prozent der vorhandenen IT-Infrastruktur in den Unternehmen werden heute genutzt. Der Return on Investment (RoI) wird wieder an Bedeutung gewinnen. Für das kommende Jahr geht die Branche von weitgehend gleich bleibenden IT-Ausgaben der Unternehmen aus. Aufgrund der stagnierenden Investitionen wird der starke Verdrängungswettbewerb im Jahr 2003 anhalten.