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08.04.1994

Encore bringt Infinity-90-Modell mit zwei Prozessoren Billigeres Einstiegssystem soll zur Mainframe-Abkehr animieren

MUENCHEN (CW) - Mit einem kleinen Modell der "Infinity-90"-Familie soll das Interesse von Anwendern, die vornehmlich kommerzielle Applikationen nutzen, auf Encores Parallelrechnerangebot gelenkt werden.

Die unter dem Unix-Betriebssystem laufenden Infinity-90-Computer wurden im Herbst 1992 vorgestellt. Die Rechner, die fuer massiv- parallele Architekturstrukturen ausgelegt sind, fanden allerdings keinen reissenden Absatz, weil sie bei einem Durchschnittpreis von 1,3 Millionen Dollar zu teuer waren. Encore hatte die Infinity-90- Modelle seinerzeit als Grossrechneralternative eingestuft.

Insbesondere Anwender, die durchaus willens waren, erste Schritte weg von der herkoemmlichen Mainframe-Technologie zu wagen, schreckte der hohe Einstiegspreis von 800 000 Dollar ab, gestand auch Encores Chairman und CEO Kenneth Fisher ein. Das mit zwei Prozessoren ausgestattete "Infinity-90/SA"-System kostet demgegenueber nur rund 200000 Dollar.

Einstiegsdroge in Technologie massiv-paralleler Rechner

Als Einstiegsdroge in die Technologie massiv-paralleler Rechner soll das Modell vor allem Unix-Systemen das Wasser abgraben, die die symmetrische Multiprozessor-Technologie (SMP) bevorzugen. Zu den Konkurrenten zaehlen hier Pyramid, Hewlett-Packard (HP), Sequent, SNI, Sun und Silicon Graphics. Auch die IBM zielt mit Rechnern, die im Geschaeftsbereich der Advanced Workstations Systems Division (AWSD) unter Mithilfe der Groupe Bull entwickelt werden, auf das von Encore angepeilte Marktsegment.

Encore-Chef Fisher stellt sich den Rechner vor allem in Pilotprojekten zur Konversion von Mainframe-Applikationen auf Unix vor. Bei mehr Leistungsbedarf liesse sich das System nachtraeglich auf ein groesseres "Infinity-90/ES"-Modell erweitern.

Es wurden allerdings auch kritische Stimmen laut: Abgesehen von der starken Gegnerschaft im SMP-Markt, die Dataquest-Analystin Nancy Stewart skeptisch stimmt, ist es auch die Kundenausrichtung, die Encore Probleme bereiten koennte. So schraenkte Craig Lynch, DV- Verantwortlicher und Infinity-90-Anwender aus dem US- Verteidigungsministerium, ein, dass es vor allem Behoerden und Regierungsstellen sind, die in erheblichem Umfang Unix-Anwendungen nutzten, auf die Encore-Rechner zugeschnitten seien.

Fuer Anwender kommerzieller Applikationen hingegen - Encores eindeutig favorisierte Zielgruppe fuer die Infinity-90-Rechner - sei das Angebot des vor allem fuer seine Echtzeitsysteme bekannten Herstellers nicht so interessant. In diesem Sinne hatte sich vor eineinhalb Jahren auch der damalige Pyramid-Geschaeftsfuehrer und fruehere Sequent-Manager Thomas Woywod geaeussert. Dies gilt, obwohl Lynch den Infinity-Rechnern eine "ueberlegene Technologie" attestiert. Allerdings besitzen sie im Vergleich zu MVS- Grossrechnern erhebliche Preisvorteile.

Encore hat seit der Vorstellung der Infinity-90-Rechner im Oktober 1992 nach Angaben von CEO Fisher etwa 50 bis 60 dieser Systeme ausgeliefert. Man werde, so Fisher weiter, bis Ende 1994 einen Architekturwechsel vollziehen: Danach wird Motorolas 88110-RISC- CPU ausgemustert und durch Intels Pentium-Prozessor ersetzt. Spaeter in diesem Jahr werde man zudem Infinity-Modelle anbieten, die mit dem Alpha-RISC-Chip von der Digital Equipment Corp. (DEC) rechnen. Mit dieser Offerte sollen aber lediglich Marktchancen im Hochleistungsbereich geprueft werden. Die Pentium-Systeme hingegen seien, so Fisher weiter, fuer den wichtigen Geschaeftsbereich transaktionsorientierter Anwendungen gedacht.