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11.04.1986 - 

Privathochschule Koblenz verfaßte Studie über ausgelagerte kommerzielle Anwendungen:

Endbenutzersysteme auf Mikros noch umstritten

Eine Untersuchung zum Test von Endbenutzersystemen auf Mikrocomputern hat kürzlich die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung Koblenz anhand eines konkreten Fallbeispiels durchgeführt. In bezug auf kommerzielle Anwendungen zeigte sich dabei unter anderem, daß die Soft- und Hardware von Kleinrechnern für derartige Systeme im Moment oft noch nicht ausgefeilt genug ist. Bemängelt wird in diesem Zusammenhang beispielsweise das Antwortzeitverhalten entsprechender Anlagen.

Der Einsatz von Endbenutzersystemen in kommerziellen Anwendungsbereichen zielt darauf ab, eine verbesserte Spezifikation und Realisation von Anwendungssoftware durch das Konzept des Prototyping zu erreichen. Weiterhin erhofft man sich davon eine Verlagerung der Erstellung von Anwendungssoftware aus den klassischen DV-Abteilungen. Gleichzeitig vollzieht sich aufgrund der Fortschritte auf dem Gebiet der Halbleiter- und Magnetplattentechnologie eine dauernde Leistungssteigerung der Hardware bei gleichzeitigem Sinken der Investitions- und Betriebskosten. Diese Entwicklung ist speziell im Mikrocomputer-Leistungsbereich zu beobachten. Aufgrund der geringen Investitionskosten und des individuellen Arbeitsplatzcharakters von Mikrocomputern liegt es demzufolge nahe, die Einsatzfähigkeit von Endbenutzersystemen auf solchen Anlagen zu untersuchen. Grundlage für den von der Hochschule in Koblenz angesetzten Test bot die Implementierung eines Studenteninformationssystems auf einem Mapper-5-System der Firma Sperry. Die Gründe dieser Produktauswahl lagen einerseits in der vorhandenen Mehrplatzfähigkeit des Systems und andererseits in der Integrationsfähigkeit intelligenter Terminals.

Eine Analyse der auf dem Markt befindlichen Produkte zeigt, daß diese eine oder mehrere Kategorien von Sprachen der 4. Generation umfassen. Sprachkategorien, die ausgehend vom kommerziellen Anwendungsbereich spezifiziert wurden, sind Abfragesprachen, Reportgeneratoren, Grafiksprachen, Anwendungsgeneratoren und Hochsprachen. Aus der Sicht der Endbenutzer sind in diesem Anwendungsumfeld zwei Sprachebenen zu unterscheiden, die dem Endbenutzer den Zugriff auf die Daten ermöglichen. Die erste Sprachebene ist jeweils auf gelegentliche oder typische Endbenutzer ausgerichtet, während die zweite Sprachebene den steigenden Bedürfnissen von permanenten oder qualifizierten Endbenutzern gerecht zu werden versucht. Die Datensicht ist in der Regel relational (auf einer elementarsten Ebene). Neben den Sprachkategorien und Sprachebenen kann die Verfügbarkeit beziehungsweise Nicht-Verfügbarkeit von Methodensammlungen für statistische Auswertungen (zum Beispiel Korrelations-, Regressions-, Zeitreihenanalyse) oder für finanzmathematische Berechnungen (zum Beispiel Kapitalwert, interner Zinsfuß und Cash-Flow-Analysen) herangezogen werden. Zusätzliche Unterscheidungskriterien der mikrocomputergestützten Endbenutzersysteme sind die Eigenschaften Mehrplatzfähigkeit, Netzwerkfähigkeit und Integrationsfähigkeit in Mainframe-Umgebungen.

Die Studie zeigt, daß die Leistungsfähigkeit der Mikrocomputer-Hardware und -Software einem mehrplatzfähigem Endbenutzersystem im Moment noch nicht gerecht wird. In Erscheinung tritt dieses Phänomen am deutlichsten anhand des Antwortzeitverhaltens. Darüber hinaus sind bezüglich des Mengengerüsts Restriktionen in der Datenbank zu beachten, wie beispielsweise die Notwendigkeit der Schaffung von Relationen mit möglichst wenigen Attributen (!). Weiterhin sind Probleme der fehlenden Integrationsfähigkeit weiterer Software, wie Bürokommunikation oder Textverarbeitung, erkennbar. Diese Restriktionen, die hauptsächlich aus der Orientierung auf eine Mikrocomputer-Umgebung resultieren, beeinflussen die Realisierung des Endbenutzerkonzepts negativ.

Anpassung durch Endbenutzer bei niedrigerKomplexität

Aus der Sicht der Endbenutzer kann festgestellt werden, daß diese dazu angehalten sind, ihre Anwendungsideen tendenziell an die Struktur der Sprachebenen anzupassen und nicht umgekehrt. Dieser Anpassungszwang erfolgt auf der oben genannten Sprachebene 2 (qualifizierte/permanente Endbenutzer) stärker als auf der Sprachebene 1 (typische/ gelegentliche Endbenutzer). Bei Anwendungen mit niedriger Komplexität, das heißt relativ einfachen Verarbeitungsregeln, transparenten Datenstrukturen und gut überschaubarem Mengengerüst, kann der Anpassungsprozeß seitens der Endbenutzer problemlos erfolgen. Dabei sind normalerweise geringe Lernzeiten, vor allem auf der Sprachebene 1, registrierbar. Nach unseren Erfahrungen sind die Endbenutzer nicht nur in der Lage, vordefinierte Datenstrukturen zu gebrauchen, sondern diese auch eigenständig zu definieren. In diesem Falle sind mikrocomputergestützte Endbenutzersysteme für betriebliche Aufgabenstellungen von unbestreitbarem Nutzen.

Im umgekehrten Fall wird eine hohe Anwendungskomplexität durch folgende Sachverhalte hervorgerufen:

- durch eine Erhöhung der Komplexität der Verarbeitungsregeln, zum Beispiel durch bedingte Anweisungen und

- durch eine Reduzierung der Transparenz von Datenstrukturen, so bei Querbeziehungen zwischen Relationen oder durch das Vorliegen von Datenstrukturen, die das elementare relationale Modell nicht zuläßt (-> meist hierarchische Datenstrukturen).

Eine derartige Anwendungskomplexität überfordert nach unseren Erfahrungen die Endbenutzer bei der Problemspezifikation, beim Entwurf der Daten sowie bei der Anwendungserstellung. Die beiden letztgenannten Punkte resultieren dabei nicht aus sprachspezifischen Gegebenheiten, sondern aus systemspezifischen Restriktionen, die Performance, Mengengerüst sowie mangelnde Integrationsfähigkeit weiterer Software. Werden dennoch auf der Sprachebene 1 derartige Anwendungen realisiert, so nehmen mit einer Erhöhung der Komplexität - die Integritätsverstöße und die Anzahl notwendiger Änderungen der Anwendungen aufgrund von Entwurfsfehlern zu, während die Anwendungsergonomie aufgrund der individuellen Kontrollnotwendigkeit verteilter Daten beziehungsweise zu wiederholender Befehle abnimmt.

Der Versuch, diese Probleme unter Einsatz von DV-Fachleuten durch eine Verlagerung in die Sprachebene 2 in den Griff zu bekommen, ist nach unseren Erfahrungen erfolgversprechend. Jedoch steht eine derartige Maßnahme im Widerspruch zum klassischen Endbenutzerkonzept. Für die Endbenutzer besteht die Gefahr des Rückfalls in ein parametrisches Endbenutzerdasein, das heißt, sie verwenden wieder starre, vorgefertigte Anwendungen im Sinne des Gebrauchs von Daten als Eingabe- beziehungsweise Ausgabeparameter. Somit entstehen implizit wieder sämtliche Probleme der klassischen Softwareentwicklungsmethodik, wie zum Beispiel hohe Wartungskosten, Anwendungsstaus, unscharfe Spezifikationen und mangelnde Benutzerpartizipation.

Die Realisierung des Endbenutzerkonzepts kann zur Zeit bei komplexen Anwendungen nur dahingehend erfolgen, daß die Endbenutzer auf von DV-Fachleuten vordefiniertes Datenmaterial zugreifen und unter dieser Gegebenheit ihre Anwendungen, zumeist auf der Sprachebene 1, realisieren.

Auf der Hardwareseite ist in Zukunft damit zu rechnen, daß die Weiterentwicklung im Halbleiter- und im Magnetplattenbereich die hardwarespezifischen Probleme lösen können. Auf der Softwareseite ist zu erkennen, daß Softwarehäuser ebenfalls eine Orientierung an Standards betreiben. Diese beziehen sich auf die Betriebssoftware-Umgebung.

Die noch unbeantwortete Frage, welches mehrplatzfähige Betriebssystem sich als Standard im Mikrocomputerbereich durchsetzen wird (Unix oder erweitertes MS-DOS), bewirkt vermutlich bei den Softwarehäusern eine eher zurückhaltende Reaktion. Zuweilen versucht man bei der Orientierung an Standards eine Mehrplatzfähigkeit durch die Vernetzung von Einplatzsystemen zu erreichen oder, wie im Falle von "Personal Mapper", durch zusätzlich integrierte Hardwarekomponenten (zum Beispiel Einschubkarten)

Die Studie mit einem Umfang von 120 Seiten, auf der diese Ausführungen basieren, kann gegen Vorauszahlung von 25 Mark (Selbstkostenbeitrag) bei der WHU Koblenz, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Zwickauer Str. 23, 5400 Koblenz, bezogen werden.

*Prof. Dr. Wolfgang König, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsinformatik, Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung Koblenz, Zwickauer Str. 23, 5400 Koblenz. Armin Heinzl ist Mitarbeiter am gleichen Lehrstuhl.