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21.04.1995

Ende April kommen massiv-parallele Systeme Unisys kurbelt das PC-Geschaeft an und will unter die Top Ten

MUENCHEN (kk) - Quo vadis, Unisys? Die Marschrichtung im PC- Geschaeft ist festgelegt: Die Manager aus Blue Bell in Pennsylvania haben einen Platz unter den Top Ten ins Visier genommen, der mit Rechnern auf Intel-Basis erreicht werden soll.

Seit zirka einem Jahr baut die Unisys Corp. ihre PC-Linie aus. Waren vorher nur Einzelprodukte aus Blue Bell zu bekommen, so verfuegt die Firma mittlerweile ueber eine durchgaengige PC-Reihe vom Notebook bis zum Server. Neueste Mitglieder sind die schon auf der CeBIT gezeigten 486- und Pentium-Systeme der "PW-Advantage"-Serie sowie die "CWD"-Reihe von Workstations ohne Festplatte.

Bruce Halvorsen, in der Unisys-PC-Division verantwortlich fuer Marketing und Kommunikation, bestaetigte kuerzlich gegenueber der CW- Schwesterpublikation "Computerworld" die Leitlinie fuer Desktops. Danach wurden zwar immer PC-Produkte angeboten, aber erst seit einem Jahr seien ernsthafte Anstrengungen unternommen worden, um eine komplette Familie zu entwickeln und zu vermarkten.

Die traditionelle Kundschaft der Finanzdienstleister und Banken soll Unisys beim Sprung an die Spitze helfen und die dafuer noetigen Stueckzahlen abnehmen. Meist stehen in diesen Unternehmen schon groessere Unisys-Rechner: Unix-Systeme, die Mainframes der erfolgreichen 2200-Serie mit CMOS-Prozessoren oder die vor einem Jahr vorgestellten Host-Rechner vom Typ "A11", die mit Chips auf Gallium-Arsenid-Basis arbeiten.

Im Zuge von Client-Server- und Downsizing-Bestrebungen steigt auch bei diesen Firmen der Bedarf an PCs, und Unisys rechnet sich dort gute Umsatzchancen aus. Jack Gold, Analyst der Meta Group Inc. in Stamford, Connecticut, beurteilt das so: "Die Marktchancen von Unisys liegen darin, den Grosskunden auch beim PC einen hohen Standard von Service und Support zu bieten." Auf diesem Weg koenne es die Firma auf betraechtliche Stueckzahlen bringen.

Hinzu komme, dass viele dieser Kunden keine Probleme damit haben, einen Aufschlag von 50 oder 100 Dollar pro Rechner zu akzeptieren, wenn sie mit der Wartung zufrieden sind. Gold ist der Meinung, dass Unisys damit sicherlich seine PC-Verkaeufe ankurbeln koenne, gibt sich aber skeptisch ob auf diese Weise das Ziel, unter die umsatzstaerksten zehn PC-Hersteller zu kommen, zu verwirklichen sei.

Neben PCs von der Stange bietet Unisys als Spezialitaet auch die Moeglichkeit an, Desktops gemaess "Build-to-custom-Order" zu bestellen. Das Konzept der nach Kundenwuenschen konfigurierten PCs mit Auslieferung innerhalb von fuenf Tagen ist allerdings fuer einige Firmen nicht schnell genug oder auch zu teuer. Die "Computerworld" zitiert einen langjaehrigen Unisys-Kunden mit den Worten, dass er gewoehnliche PCs lieber im Computer-Superstore nebenan kaufe, als sie zu bestellen, ein anderer befand die Preise fuer zu hoch.

Im Bereich der Firmen-DV, wo Unisys die besten Erfolgsaussichten eingeraeumt werden, tummeln sich Konkurrenten wie Digital Equipment, IBM, Hewlett-Packard oder Compaq, die regelmaessig ihre PC-Linien ueberarbeiten. Und im offenen und freien Markt ist der Wettbewerb noch haerter, insbesondere bei preissensiblen Verkaufskanaelen wie dem Haendlergeschaeft.

Dort will Alan Lutz, seit Juni 1994 Chef der Computer Systems Group von Unisys, seine PCs auch nicht vermarkten. Die eigene Verkaufsmannschaft, so der Ex-Northern-Telecom-Manager anlaesslich einer Firmenpraesentation fuer die Aktionaere im Februar dieses Jahres, solle die PCs an den Mann bringen. "Wenn wir fuer einen Kunden ein Netzwerk planen und aufbauen, verkaufen wir auch gleichzeitig unsere PCs."

Dem widersprach indirekt Unisys-Chairman und CEO James Unruh auf der gleichen Veranstaltung in New York, als er als Beleg fuer Erfolge im Jahr 1994 den Auftrag von Nationwide Insurance nannte. Dort werden in einem Verbund von 4500 ueber die USA verteilten Bueros knapp 30000 PCs gewartet - installiert sind allerdings meist PCs anderer Hersteller. Stolz ist der Firmenchef, dass der Versicherer dank der Serviceleistung die Verfuegbarkeit der Desktops im Netz um fast 30 000 Stunden erhoehen konnte.

Information-Services (IS) spielen fuer Unruh eine zentrale Rolle in der Umgestaltung der Firma: Weg von der Hardware-Ausrichtung und hin zu einer Company, die vom Servicegedanken gepraegt ist. Mittlerweile steuern die IS 27 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Nicht mehr an Bord ist der President dieses Bereichs, Victor Millar, der die Truppe einst zusammenstellte und auch das Servicekonzept entwarf. Seine einstigen Topmanager, Jim Corey und Sandy Sanderson, ernannte Unruh zu Co-Presidenten der Abteilung und holte sich im Oktober 1994 Steve Carns als neuen Servicechef.

Die europaeischen Niederlassungen blieben von Personalveraenderungen ebenfalls nicht verschont. Seit Maerz 1994 zeichnet Malcolm Coster fuer den europaeischen Bereich verantwortlich. Er wurde mit der undankbaren Aufgabe betraut, rund 2000 der weltweit geplanten 4000 Stellen abzubauen. Die Planzahlen fuer Deutschland sahen die Einsparung von rund 100 Mitarbeitern vor, was aber, wie Firmensprecher Jochen Roessner aus der Zentrale in Sulzbach erklaerte, auf dem Weg der normalen Fluktuation erreicht werden soll.

Auch die deutsche Unisys steht unter neuer Leitung: Erwin Leonhardi, der vor seinem Gastspiel bei Lotus lange Jahre fuer Prime Computer taetig war, hat kuerzlich als Vice-President und General Manager die Geschaeftsfuehrung der GmbH uebernommen. Als Hypothek bekommt der neue Mann das schlechte Abschneiden der Company im Jahr 1994 mit auf den Weg: Ein Verlust von 16,3 Millionen Mark gegenueber zwei Millionen Mark Gewinn im Jahr zuvor und eine Einbusse bei den Einnahmen von gut 100 Millionen auf 363,7 Millionen Mark.

Die Geschaeftszahlen fuer die erste Dreimonatsperiode 1995 liegen zwar noch nicht vor, allerdings, so Unisys-Insider, zeige die Entwicklung insgesamt nach oben.

Fuer Aufregung sorgte hierzulande zum Jahreswechsel der Ausstieg aus dem Manteltarifvertrag des Metallarbeitgeberverbandes. Als Reaktion traten 200 Mitarbeiter der IG Metall bei. Mittlerweile, so Firmensprecher Roessner, arbeite man an einem Haustarifvertrag. Bis der fertig ist, habe die alte Regelung Gueltigkeit.

Die laut CEO Unruh wichtigste Ankuendigung seit Firmenbestehen steht am 26. April bevor. Zeitgleich in New York und Paris sollen die Open Parallel Unisys Server (Opus) vorgestellt werden, die den Eintritt in das Geschaeft mit massiv-parallelen Systemen auf Basis des Pentium-Prozessors bedeuten. In Zusammenarbeit mit Intel arbeiten Unisys-Ingenieure seit 1993 daran, diese Technologie fuer kommerzielle Anwendungen passend zu machen. Dementsprechend sollen mit den Parallelrechnern auch die zugehoerige Software und Dienstleistung angeboten werden.