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23.03.2005

Endlich: VoIP für den Massenmarkt

Vom VoIP-Hype profitieren nun auch die Anwender: Das Angebot an günstigen Lösungen zum Telefonieren über das Internet Protocol (IP) wächst.

Entschied sich ein Anwender in der Vergangenheit für die Migration zu VoIP, so hatte er in der Regel bei der Geräteauswahl wenig Spielraum. Entweder er entschloss sich, auf Basis der Open-Source-Lösung Asterisk seine TK-Anlage selbst zu bauen, oder er war auf eher teure und dafür leistungsfähige Systeme von etablierten Anbietern wie Cisco, Nortel, Siemens, Alcatel oder Avaya-Tenovis angewiesen. Ebenso beschränkt war das Angebot an entsprechenden Telefonen: Häufig blieb nur der Griff zum passenden IP-Modell des Systemlieferanten.

Mit den zahlreichen Produktvorstellungen und -ankündigungen des ersten Quartals kommt nun endlich Bewegung in den Markt: Viele Netzequipment- und TK-Hersteller haben neue IP-Telefone und TK-Anlagen in der Pipeline, die sowohl preislich als auch funktional das mittlere Marktsegment abdecken. Besonders interessant für den Anwender dabei: Die Anbieter schlagen auf dem Weg zur IP-Telefonie unterschiedliche Lösungswege ein, so dass nun vielfältige Migrationspfade offen stehen. Dabei lassen sich die zahlreichen Neuerscheinungen grob in drei Kategorien untergliedern: Die ATA-Boxen (Analog Telephony Adapter), die ähnlich wie die a/b-Wandler bei ISDN den Anschluss eines herkömmlichen analogen Telefons an die neue Infrastruktur - hier nun VoIP - erlauben. Als zweite Gruppe sind die reinen IP-Telefone zu nennen, bei denen das Angebot vom festverbundenen Apparat mit Ethernet-Anschluss bis hin zu verschiedenen schnurlosen Varianten mit Dect- oder WLAN-Unterstützung reicht. Sie werden entweder mit einer VoIP-TK-Anlage verbunden oder direkt mit dem Internet gekoppelt, wobei dann einer der zahlreichen VoIP-Service-Provider die Gespräche weitervermittelt. Hier sind vor allem im mittleren Preissegment etliche interessante neue Produkte zu finden. In der dritten Kategorie, den VoIP-TK-Anlagen, wächst vor allem das Angebot an Geräten, die sich für kleine und mittlere Unternehmen, den Soho-Bereich oder die Filialvernetzung eignen.

Zu den unscheinbarsten, aber interessantesten Neuerscheinungen der letzten Kategorie zählt die "VoIP-Box" der Berliner Snom Technology AG. Sie ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel, doch die Berliner haben in einem neun mal acht mal vier Zentimeter großen Gehäuse alle Komponenten eines IP-Telefonsystems untergebracht. In Kombination mit dem VoIP-Account eines Internet-Telefonie-Anbieters erhalten Unternehmen so eine Komplettlösung für 50 Benutzer, die ohne zusätzliche Hardware wie Server oder Gateway auskommt. Besonders stolz ist Snom Technology darauf, dass die Box keinerlei bewegliche Teile wie Festplatten und Lüfter enthält. Dadurch sei das Gerät nicht nur völlig geräuschlos, sondern durch den Verzicht auf die Verschleißteile auch sehr langlebig. Dennoch offeriert es laut Snom-Gründer und -CEO Christian Stredicke alle Leistungsmerkmale einer TK-Nebenstellenanlage wie etwa Voice-Mail oder Wartemusik und ist per Web-Interface konfigurierbar. Den empfohlenen Verkaufspreis für die Mini-TK-Anlage gibt Snom mit 1450 Euro an.

Gleichzeitig bringt Avaya-Tenovis mit "IP Office" eine Kommunikationslösung für den Einsatz in kleineren und mittelständischen Unternehmen auf den Markt. In der kleinsten Version als "IP Office Small Office Edition" werden bis zu 28 Nebenstellen unterstützt, während die "IP 412" in der maximalen Ausbaustufe bis zu 360 Anschlüsse bedient.

Im unteren Marktsegment zeichnet sich ähnlich wie bei den ISDN-TK-Anlagen in den 90-er Jahren ein harter Wettbewerb ab: Kaum ein Hersteller, der nicht eine VoIP-fähige Anlage im Programm hat. Neben den klassischen Anbietern wie Elmeg oder Auerswald, die als Hersteller von ISDN-Anlagen bekannt wurden, tummeln sich in diesem Segment aber auch Newcomer aus der Netzwerkecke. Gemeinsames Merkmal dieser Offerten ist, dass sie die Verbindung zur klassischen TK-Welt nicht endgültig kappen, sondern als Hybridlösungen sowohl das Telefonieren über IP als auch über das klassische TK-Netz erlauben.

Prominentester Vertreter aus dem Lager der Netzwerker ist hier die Berliner AVM GmbH. Das Unternehmen sorgte im letzten Jahr für Furore, als es mit der "Fritz!Box Fon WLAN" eine Anlage vorstellte, die DSL-Router, DSL-Modem, analoge TK-Anlage und VoIP in einem Gerät integrierte. Der Vorteil dieses Ansatzes: Der Anwender kann seine bereits vorhandenen Telefone weiterbenutzen und mit ihnen wahlweise über das klassische TK-Netz oder aber per VoIP telefonieren. Eine Strategie, die die Berliner nun mit den Modellen "5050" und "7050" fortsetzen.

VoIP trifft ISDN

Im Gegensatz zu den älteren Varianten besitzen diese beiden Neuerscheinungen zusätzlich zu den analogen Telefonschnittstellen noch einen internen und externen ISDN-SO-Anschluss, an dem sich vorhandene ISDN-Telefone und -TK-Anlagen verwenden lassen. Unterstützt der VoIP-Provider Leistungsmerkmale wie Rufnummernanzeige, Makeln, Dreierkonferenz etc., lassen sich laut AVM ISDN-Geräte wie gewohnt weiterbenutzen, selbst wenn kein ISDN-Anschluss mehr vorhanden ist. Auf diese Weise sichert die Anlage die Investitionen in bereits vorhandene TK-Endgeräte. Zudem ermöglicht sie eine schrittweise Migration in Richtung VoIP, indem etwa zuerst ISDN und VoIP parallel genutzt werden und der klassische ISDN-Anschluss erst dann abgeschaltet wird, wenn der VoIP-Provider seine Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt hat.

Ein Ansatz, dem mit Siemens ein weiterer Hersteller folgt. Die Münchner verschmelzen in ihrem "Gigaset SX541 WLAN DSL" ebenfalls Router, DSL-Modem, WLAN-Access-Point und Sprachtelefonie sowie VoIP in einem Gerät und ermöglichen es zudem über den integrierten USB-Port allen Netzwerk-Usern ein IT-Device (etwa Drucker oder Festplatte) bereitzustellen. Im Gegensatz zu den jüngsten AVM-Produkten verfügt das Gigaset SX541 jedoch über keinen ISDN-Bus, sondern lediglich über analoge Anschlüsse.

Nachrüstsätze

Ist bei AVM und Siemens der Gedanke der Konvergenz zwischen alter und neuer TK-Welt in den Grundzügen zu erkennen, so geht die mittlerweile zur Funkwerk AG gehörende Elmeg mit der "T444" noch einen Schritt weiter. Was auf den ersten Blick wie eine klassische TK-Anlage aussieht, entpuppt sich voll ausgebaut als VoIP-VPN-Gateway, das zudem im Netz als DHCP-Server für alle Rechner fungiert. In der Grundausstattung erinnern Funktionen wie integrierter DSL/ISDN-Router, Firewall, ISDN-Bus, Schnittstellen für analoge Telefone oder Ethernet-Interface an die Leistungsmerkmale der AVM-Produkte. Wie diese benötigt die T444 für VoIP im Grundausbau einen VoIP-Carrier, der SIP (Session Initiation Protocol) unterstützt. Ihr volles Potenzial spielt die Anlage erst aus, wenn sie mit einem "VoIP-VPN-Gateway"-Modul zur vollwertigen IP-Telefonie-Lösung ausgebaut wird. So aufgewertet, fungiert die T444 als Gateway zwischen Telefon- und Datennetz und stellt gleichzeitig den Internet-Zugang zur Verfügung. Damit können herkömmliche Festnetzanschlüsse IP-Telefone im lokalen Netzwerk anrufen, ebenso ist das Anwählen von Telefonnummern außerhalb des IP-Netzes möglich. Laut Funkwerk kann das Modul auch in älteren "Elmeg-Systemen" eingesetzt werden.

Für Anwender, die nicht in eine neue VoIP-fähige TK-Anlage investieren wollen oder deren Equipment nicht wie im Elmeg-Beispiel per Modul auf VoIP nachgerüstet werden kann, offeriert Auerswald einen cleveren Migrationspfad. Unter dem Namen "Auerswald Box" vermarktet das Unternehmen eine Lösung, um vorhandene TK-Anlagen VoIP-fähig zu machen. Die Box wird wie ein normales Telefon als analoge Nebenstelle an das TK-System angeschlossen. Will der Benutzer nun über VoIP telefonieren, so muss er lediglich die Nebenstellennummer der Box quasi als Amtskennung vorwählen. Damit das ganze funktioniert, ist jedoch zusätzlich noch ein Analog Telephony Adapter erforderlich.

In ihrer Funktionsweise lassen sich die ATAs am besten mit den aus der ISDN-Welt bekannten a/b-Wandlern vergleichen. Während Letztere die digitalen ISDN-Signale in analoge Signale konvertieren, übernehmen in der IP-Welt die ATAs diese Aufgabe, damit der Benutzer mit analogen Telefonen per VoIP telefonieren kann. Dabei besitzen die einfachsten Modelle, wie das "Prestige 2002" von Zyxel, keinerlei Vermittlungs- oder Routing-Funktionen, und der Anwender benötigt einen VoIP-Account.

Adapter fürs Telefon

Hersteller wie Netgear gehen jedoch mittlerweile einen Schritt weiter und statten die Produkte auch mit eigener Intelligenz aus. So hat das US-amerikanische Unternehmen, das eigenen Angaben zufolge noch an einer VoIP-TK-Anlage arbeitet, mit dem "TA612V" einen ATA auf den Markt gebracht, der gleichzeitig ein IP-Router ist. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass die Daten für die VoIP-Telefongespräche bereits vor dem Netzwerk beziehungsweise der Firewall bearbeitet werden. Für das zweite Quartal hat Netgear mit dem "WGR615V" bereits einen DSL-WLAN-Router mit integriertem ATA angekündigt. Branchenkenner gehen davon aus, dass etliche Hersteller mit ähnlichen Kombinationen folgen werden, darunter Zyxel mit dem "Prestige 2602HW".

Auf den ersten Blick scheinen diese ATA-Lösungen im Vergleich zu den oben beschriebenen VoIP-TK-Anlagen kaum sonderlich attraktiv zu sein. Der Eindruck relativiert sich jedoch, wenn man bedenkt, dass sich auf diese Weise Teleworker oder kleinere Außenstellen über ein DSL-basierendes VPN an eine zentrale IP-TK-Anlage im Unternehmen anbinden lassen, ohne dass neue Telefone angeschafft werden müssen.

VoIP-Telefone

Ansonsten stellt sich nämlich die Frage nach dem wirtschaftlichen Sinn der ATAs, da mittlerweile reine IP-Telefone bei günstigen Internet-Anbietern wie Sipmax bereits für etwas mehr als 50 Euro erhältlich sind. Damit sind die Zeiten, in denen lediglich große Anbieter wie Cisco und einige Exoten wie Zyxel mit seinem WLAN-Telefon entsprechende IP-Telefone offerierten, endgültig vorbei. So ergänzt Siemens seine erfolgreiche Gigaset-Reihe im dritten Quartal um das "S35 WLAN". Dabei handelt es sich um ein IP-Telefon, das über WLAN (802.11g) mit dem Netz kommuniziert. Zudem wartet das Gerät mit einem interessanten Feature auf: Eine spezielle Taste soll den Benutzer selbst bei ausgeschaltetem PC über neu eingegangene E-Mails informieren. Auf der anderen Seite bauen Anbieter wie Funkwerk mit Elmeg oder Snom ihr Angebot an IP-Telefonen konsequent aus, so dass die Anwender nicht mehr auf die meist für den amerikanischen Geschmack konzipierten Modelle von Cisco, Grandstream und Co angewiesen sind.

Die Palette reicht von einfachen IP-Telefonen bis hin zu komplexen Systemtelefonen, wobei allerdings zu beachten ist, dass sich die Funktionsvielfalt der Systemtelefone häufig nur mit einer TK-Anlage vom entsprechenden Hersteller nutzen lässt. Eine nette Idee zur Vermarktung ihres Topmodells "360" hatte dabei die Berliner Snom Technology AG: Der Interessent kann das Telefon aus dem Internet auch als Softphone herunterladen. Während sich das Gros der Hersteller bei der Gestaltung der IP-Apparate eher an den klassischen Telefonkonzepten orientiert, geht Zyxel bereits einen Schritt weiter: Mit dem "P5000W" präsentierte der Hersteller ein IP-Video-Telefon, das einen fünf Zoll großen LCD-Touchscreen besitzt. Damit soll nicht nur die Kombination von Video- und Voice-Kommunikation ermöglicht werden, sondern das Telefon dient gleichzeitig als Infoterminal.