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26.06.1987 - 

Umfrage bei Anwendern von Endbenutzersprachen und -tools ergab:

Enduser-Eignung läßt oft zu wünschen übrig

MÜNCHEN (CW) - Mit dem Etikett "Endanwenderorientiert" schmucken sich einige Softwareprodukte der vierten Generation zu Unrecht: Wenige dieser Sprachen und Werkzeuge werden von DV-Laien eingesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt Michael Bauer, Geschäftsführer der Informatik Training GmbH, Radolfzell, bei der Auswertung einer Anwenderumfrage*.

Gerade in puncto 4GLs hinkt die Praxis den hohen Erwartungen bisweilen hinterher. Das machten bereits die Ergebnisse einer Umfrage deutlich, die sich mit den Sprachen der vierten Generation in der Anwendungsentwicklung befaßte (siehe COMPUTERWOCHE Nr. 10 vom 6. März 1987, Seite 12). Auch die zweite Untersuchung ist Teil einer Fragebogenaktion, die im Hinblick auf eine umfassende 4GL-Studie konzipiert und im Herbst des vergangenen Jahres mit Anwendern durchgeführt wurde.

Für die Betrachtung der als "Enduser-Sprachen und -Tools" deklarierten Systeme standen 146 auswertbare Fragebögen zur Verfügung. Die Angaben weisen 168 definitive Installationen mit insgesamt 42 verschiedenen Produkten aus. Am häufigsten, nämlich 28mal, wurde "Siros" von der Ton Beller GmbH genannt mit jeweils 20 Nennungen folgen das Anwendungssystem "AS" der IBM sowie "Natural" - einschließlich "Super-Natural" - von der Software AG. Diese drei Systeme nehmen zusammen etwa 40 Prozent der aufgeführten Installationen ein. Bauer geht davon aus, daß die Untersuchung für jedes der Produkte zwischen 5 und 15 Prozent der Anwender im deutschsprachigen Raum erfaßt habe. Folglich könnten die Ergebnisse als repräsentativ gelten.

Die Anzahl der Nennungen mit der momentanen Akzeptanz im Markt gleichzusetzen, kann ein Trugschluß sein, weil die Studie Produkte in verschiedenen Stadien ihres Lebenszyklus miteinander vergleicht. Außerdem zeigt die Aufschlüsselung der Einsatzdauer-Angaben unterschiedliche Entwicklungskurven: Während "AS" laut Umfrage jedes Jahr eine wachsende Anzahl von Usern hinzugewonnen hat, verläuft die Entwicklung bei "Siros" genau umgekehrt. Bauer räumt ein, daß "Rückschlüsse auf die Nachfrageentwicklung" sich förmlich aufdrängen; solche Zusammenhänge seien allerdings mehr oder weniger Spekulation und deshalb mit Vorsicht zu genießen. Tatsache bleibt jedoch, daß keine der elf erfaßten Installationen von "SAS", einem Produkt der SAS Institute GmbH, jünger als zwei Jahre ist.

Gefragt wurde sowohl nach den Einsatzgebieten im jeweiligen Anwenderunternehmen als auch nach den tatsächlichen Benutzern, die sich hauptsählich in fünf Gruppen teilten: in Manager, DV-erfahrene Fachkräfte, Computerlaien, Anwendungsentwickler und den Benutzerservice. Die Antworten verblüffen zunächst; denn am häufigsten genannt wurden die Softwerker: Sie nutzen nahezu vier Fünftel der erfaßten Enduser-Systeme; in der Hälfte der Betriebe dienen diese Systeme auch zur Entwicklung von DV-Anwendungen. Laut Bauer ist das allein noch nichts Besonderes: "Ein Programmierer kann die Benutzung aller Tools erlernen ein Endbenutzer aber nicht. Für ihn sind eine adäquate Sprache, Benutzeroberfläche und Unterstützung von entscheidender

Wichtigkeit. Diese Eigenschaften sind aber nicht bei allen Produkten gleichermaßen ausgeprägt."

Die Analyse machte ebenfalls deutlich, daß die "endanwenderorientierten Systeme" nicht einmal zu einem Drittel von Mitarbeitern ohne Computerkenntnisse genutzt werden; Manager finden nur zu 14 Prozent Gefallen an den 4 GLs.

Bei den DV-geschulten Mitarbeiten sieht das; Fazit etwas besser aus: Sie sind in mehr als zwei Dritteln der Fälle Nutznießer der Systeme. Über die Hälfte der registrierten Installationen werden jedoch auch vom Benutzerservice eingesetzt - für Bauer möglicherweise ein Indiz, daß es um die Benutzerfreundlichkeit der Produkte nicht immer zum besten bestellt ist. Allerdings vergleicht er hier erklärtermaßen Äpfel mit Birnen. So steht beispielsweise eine Abfragesprache wie "Natural" unvermittelt neben einem Reportgenerator wie "Siros".

Unter dieser Voraussetzung ist auch die von Bauer aufgestellte Rangfolge nach Enduser-Freundlichkeit abzuwägen: Über der Grenze einer arithmetisch ermittelten "durchschnittlichen Endbenutzereignung" von 37 Prozent liegen nur "AS" und "IC/1" sowie "Focus" von Information Builders. Die beiden zuletzt genannten Produkte werden laut Umfrageergebnis in jedem zweiten Unternehmen auch von unerfahrenen Anwendern genutzt.

Fast drei Viertel der Betriebe gaben an, ihre Endbenutzersprachen und -tools zur Auswertung von operativen Daten einzusetzen. Bauer erläutert dazu, daß diese Auswertungskomponente obligatorischer Bestandteil aller Endbenutzersprachen sei, während keineswegs alle Systeme zum Beispiel über ausreichende Funktionen für Planung und Modellrechnung oder individuelle Datenverarbeitung verfügten. Diese beiden Anwendungen wurden denn und nur von 46 beziehungsweise 59 Prozent der Befragten genannt.

Interessant ist auch die subjektive Beurteilung der eingesetzten Systeme durch die Anwender. Benotet wurden 16 verschiedene Funktionen - und zwar mit Schulnoten von 1 bis 5 Signifikant ist dabei die schlechte Beurteilung der Data-Dictionary-Anschlüsse: Vier Produkte schneiden der im Durchschnitt schlechter ab als 3,5; es handelt sich um "SAS", "IC/1", "Ramis" von der Mathematica Products Group GmbH und "Focus". Wenig befriedigend fanden die Anwender im allgemeinen die Funktion "Dokumentenerstellung", bei jedem der vier Systeme, die sie besitzen, ist die Durchschnittsnote unterhalb von 3 angesiedelt. Auf mögliche Schwächen weisen auch die ungünstigen Werte für die grafische Darstellung von "Natural" (4,4) und den Zugriffsschutz bei "Siros" (4,0) hin.

Allerdings merkt Bauer dazu ausdrücklich an, daß die Benotung ohne den Vergleich mit anderen Produkten durchgeführt wurde. Außerdem seien die Bewertungen relativ zum jeweiligen Charakter des Produkts und den entsprechenden Erwartungen der Anwender zu betrachten. Zumindest liege der Beurteilung aber "fundierte Erfahrung" zugrunde; denn über die Hälfte der Befragten hatte die 4GL bereits länger als zwei Jahre in Gebrauch.

Zu einer vorsichtigen Einschätzung der Ergebnisse rät Bauer hingegen bei den Produkten, die in mehr als einem Drittel der Fälle noch kein Jahr im Einsatz sind. Denn es sei offensichtlich, daß anfänglich eher noch eine hohe Erwartungshaltung als eine entsprechende Erfahrung besteht. Davon betroffen sind insbesondere die IBM-Systeme "AS", "QMF" und "IC/1".

* Die vollständige Auswertung der Umfrageergebnisse dient Michael Bauer als Unterlage für seine Seminare bei der Informatik Training GmbH. In Ausnahmefällen ist er nach eigenen Angaben jedoch bereit, die Studie separat zu verkaufen.