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17.01.1997 - 

Öffentliche Verwaltung/Die Münchner Isar-Amperwerke strukturieren um

Energieversorger wappnet sich für den europäischen Wettbewerb

Die Organisationsstruktur der Isar-Amperwerke AG ist nicht mehr zeitgemäß. Das Unternehmen muß sich auf mehr Wettbewerb in der Branche vorbereiten. Die derzeitige Gliederung mit einer Hauptverwaltung in München, sechs Regionaldirektionen und über 50 Betriebsstellen in der Region ist zu zentralistisch, spartenbezogen und insgesamt zu schwerfällig.

Die historische Entwicklung, unter anderem die Fusion der Isar- und der Amperwerke im Jahre 1955, spiegelt sich noch heute in den Arbeitsabläufen bei dem Energieversorger wider. Eine neue, mehr auf Leistung, Flexibilität und Kundenorientierung ausgerichtete Organisationsstruktur soll den künftigen Anforderungen gerecht werden.

Die Isar-Amperwerke versorgen auf einer Fläche von fast 14000 Quadratkilometern zirka 2,3 Millionen Menschen in 380 Städten und Gemeinden mit Strom und Wärme. Private Haushalte, Gewerbebetriebe, Industrieunternehmen und Dienstleistungszentren im Ballungsraum rund um München und Einrichtungen der öffentlichen Hand sind ebenso Kunden wie landwirtschaftliche Betriebe in abgelegenen Dörfern im Voralpenland.

Überlegungen zu einer Neustrukturierung begannen 1990 und führten zu einem Vergleich mehrerer organisatorischer Modelle. Im Jahr 1993 fiel die Entscheidung im Einvernehmen mit dem Betriebsrat: Die Isar-Amperwerke werden künftig neben der Hauptverwaltung in München aus nur noch drei Regionaldirektionen mit neuem Aufgabenspektrum und 22 Regionalstellen bestehen. Im Zuge einer Halbierung der Organisationseinheiten soll der Personalstand in der Region um zirka 300 Mitarbeiter drastisch reduziert werden.

Die Regionalstellen sind so über das Versorgungsgebiet verteilt, daß jeder Tarifkunde in maximal 15 bis 20 Kilometer Entfernung einen kompetenten Ansprechpartner in allen Fragen erhält. Die bislang im wesentlichen zentrale Betreuung der Kommunen wurde den Regionalstellen übertragen, also dezentralisiert.

Unter dem Projektnamen "Regium" (Umstrukturierung der Region) arbeiten seither Mitarbeiter in neun Teilprojekten an der Einführung der neuen Organisationsstruktur. Gesteuert wird dieses Vorgehen durch ein aus neun Projektmitgliedern bestehendes Kernteam unter einem Leiter einer heutigen Regionaldirektion. Neben zwei weiteren Leitern von Regionaldirektionen sind Vertreter verschiedener Fachbereiche und ein für das Projekt abgestelltes hauptamtliches Mitglied des Betriebsrates tätig. Mit dem Projekt soll bis zirka 1998 eine kundenfreundliche, wettbewerbsfähige und vor Ort stark präsente Organisation geschaffen werden.

Im Teilprojekt 3 werden unter Leitung von Elke Huber, Mitarbeiterin der Abteilung Organisation, die Aufgaben in der Region grundsätzlich untersucht und die neue Aufbau- und Ablauforganisation festgelegt. Für letztere arbeitet man mit dem auf Geschäftsprozeßoptimierung spezialisierten Saarbrücker Software- und Beratungshaus IDS Prof. Scheer GmbH zusammen. Huber: "Mit einem Ist-Soll-Vergleich haben wir uns gar nicht erst lange aufgehalten. Wir wollten eine radikale Neustrukturierung und nicht nur eine evolutionäre Reorganisation."

Von Anfang an war klar, daß man, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, zum einen Aufgaben nach außen vergeben, zum anderen aber auch Verwaltungsaufwand reduzieren und, vielleicht am wichtigsten, die Arbeitsleistung des einzelnen Mitarbeiters steigern müssen würde. Alle Abläufe sind nach entsprechenden Verbesserungsmöglichkeiten zu durchforsten. Durch eine klare Aufgabendefinition und Funktionszuordnung will man Doppelbearbeitung und Medienbrüche künftig vermeiden und Funktionen, die sich als nicht wertschöpfend herausstellen, aufgeben. Kompetenz und Verantwortung für einzelne Arbeitsabläufe sollen soweit möglich jeweils in einer Hand liegen. In diesem Zusammenhang wurden auch Teilfunktionen des Tagesgeschäfts, die bisher von Fachabteilungen der Hauptverwaltung wahrgenommen wurden, in die Regionalstellen verlagert.

Gemeinsam mit IDS hat das Projektteam die Prozeßfelder und Funktionsbereiche definiert und die Ergebnisse mit Hilfe des Modellierungs- und Analysewerkzeugs "Aris-Toolset" in Modellen dargestellt. So sollen sich Kernfragen beantworten lassen: Wer bearbeitet welche Funktionen, wie laufen die Prozesse ab, und welche Informationen und Daten benötigt man von welchen DV-Systemen?

Wichtig ist dem Team, daß Organisationsstruktur und IV-Konzept gemeinsam entwickelt werden. Bereits an den Überlegungen zur neuen Organisation waren IV-Verantwortliche beteiligt, die nun gezielt auf die kommende Unternehmensgliederung hinarbeiten können.

Erster Ansprechpartner für Tarifkunden und Kommunen ist künftig die Regionalstelle, die das Tagesgeschäft in den Funktionsbereichen Netzbearbeitung und Netzinstandhaltung weitgehend in eigener Verantwortung abwickelt. Lediglich oberhalb festgelegter Wertgrenzen ist noch eine Genehmigung durch die Hauptverwaltung erforderlich. Der Kundenservice in den Regionalstellen wird für Angebote im Anschlußwesen, Tarif- und Anschlußbearbeitung sowie für Fragen zur Stromrechung zuständig sein. Spezialwissen wird in den Regionaldirektionen vorgehalten. Die Steuerung und Kontrolle erfolgt durch die Hauptverwaltung. Organisationsexpertin Huber: "Wir haben dezentralisiert, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist."

In der Pilot-Regionalstelle Ingolstadt werden die neuen Abläufe und DV-Anwendungen getestet. Dieses Vorgehen hat sich laut Huber bewährt. Klärungsbedarf sei sofort sichtbar geworden und habe zu Korrekturen geführt.

Für die Zukunft ist eine ganze Reihe von Folgeprojekten geplant. Die Umstrukturierung selbst inklusive Neubau und Einrichtung der Regionalstellen und der Einführung unterstützender DV-Systeme wird bis etwa 1998 dauern.

Der Energieversorger

66 Prozent der Energie erzeugt die Isar-Amperwerke AG in Wasser- und Wärmekraftwerken selbst, den Rest bezieht sie von außen. Knapp 9,8 Milliarden Kilowattstunden Strom und Wärme wurden 1994/95 über etwa 56000 Kilometer Leitungen transportiert. Die 3000 Mitarbeiter erzielten im Geschäftsjahr 1993/94 einen Umsatz von zwei Milliarden Mark und erwirtschafteten einen Überschuß von nahezu 100 Millionen Mark.

Angeklickt

Bereits 1990 begannen die Isar- Amperwerke, München, mit ihren Überlegungen zu einer Neustrukturierung. Mehrere Modelle standen zur Auswahl. Einig wurde man sich schließlich darüber, daß neben der Hauptverwaltung nur noch drei Regionaldirektionen und 22 Regionalstellen bestehen bleiben sollten. Unter dem Projektnamen "Regium" (Umstrukturierung der Region) arbeiten seither neun Teilprojekt-Teams an der Einführung der neuen Organisationsstruktur. DV-technisch steht eine softwaregestützte Verbesserung der Geschäftsprozesse im Vordergrund.

*Cordula Baumann ist freie Journalistin in Tübingen.