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07.07.1989

Engere Zusammenarbeit ist beschlossene Sache, aber:Vorerst keine Fusion der Software AG mit SAP

FRANKFURT/WALLDORF - In der deutschen DV-Industrie zeichnet sich eine Vernunftehe ab zwischen den beiden größten unabhängigen Anbietern von Mainframe-Software, SAP AG und Software AG. Finanzielle Verflechtungen schließt der Vorstand der Software AG jedoch gegenwärtig aus. Hintergrund der Verhandlungen: Die IBM drängt den Anbieter der Adabas-Datenbanksoftware mit ihrem DB2 an die Wand.

Ungewöhnlich heftig reagierte Peter Schnell, Inhaber der Software AG (SAG), auf eine Veröffentlichung in der Juli-Ausgabe des Kölner Wirtschaftsmagazins "Capital". Die in der Schlagzeile aufgeworfene Frage "Fusionieren die beiden größten deutschen Softwarehäuser?" quittierte der Darmstädter DV-Unternehmer während der SAG-Bilanzpressekonferenz in Frankfurt mit dem Kommentar: "Das ist völliger Unsinn!" Man kooperiere lediglich, weil viele Anwender gleichzeitig Kunden von SAG und SAP seien. Sodann machte sich Schnell daran, die durchaus positive Bilanz des Geschäftsjahres 1988 zu ziehen (siehe Kasten auf Seite 2).

So barsche Töne wie der Alleinaktionär der SAG schlägt dessen Widerpart in Walldorf, SAP-Vorstandsvorsitzender Dietmar Hopp, nicht an. Der Chef des deutschen Anwendungssoftware-Konzerns bestätigte, daß die Geschäftsleitungen der beiden Firmen über eine Kooperation verhandelt hätten, deren Ziel es sei, die Produktpaletten - hier Anwendungssoftware, da Grundlagensoftware - gegenseitig zu ergänzen. (Diskutiert werde eine Schnittstelle zwischen SAGs CASE-Umgebung Predict und dem SAP Data Dictionary, eine Einbettung von Adabas/ SQL in Abap/4, eine Zugriffsmöglichkeit auf SAP-Belegdaten von Natural aus und eine Kommunikation zwischen Abap/4 und Natural.) Eine Fusion der Partner, wie sie Schnell kategorisch verneint, bezeichnete Hopp gegenüber "Capital" als "Fernziel".

Daß der SAP-Vorstand an dem Schulterschluß mit dem Entwickler der Datenbanksoftware Adabas und der Programmiersprache Natural so interessiert ist, hängt vor allem mit den immensen Investitionen zusammen, die der Aufbau eines internationalen Vertriebsnetzes erfordert. In den USA, die für die SAP weitgehend Neuland sind, hat die Software AG ihren stärksten Markt; seit der Übernahme der unabhängigen Vertriebsfirma Software AG of North America (Sagna) im Frühjahr 1988 sind die Darmstädter dort sogar selbst mit einer großen Mannschaft präsent. In den europäischen Auslandsmärkten würde sich die Infrastruktur beider Softwarehäuser recht gut ergänzen.

Welche Motivation die Darmstädter haben, sich enger mit derSAP zu verbunden, wurde bei einem Vortrag von Software-AG-Vorstandsmitglied Peter Pagé auf der Bilanzpressekonferenz deutlich: Der Adabas-Anbieter hat die Grenzen des Wachstums im von IBM beherrschten Markt für Mainframe-Datenbanksoftware erkannt, ist aber in der SAP-Domäne, der Anwendungsentwicklung, noch ein Zwerg; die projektbezogen arbeitende Tochter Software AG Anwendungen & Co. oHG setzte 1988 nicht einmal 18 Millionen Mark um. Nicht ohne Ironie gestand Pagé der Presse: "Wir streben bei den Datenbanken keine Marktbeherrschung an."

Wie schlecht die Aussichten in diesem Geschäft in den kommenden Jahren tatsächlich sind, belegte eine von Pagé vorgelegte Prognose der Gartner Group unter dem Motto: "Können die unabhängigen DB-Anbieter überleben?" Danach wird die Zahl der weltweit installierten Exemplare von IBMs DB2 in diesem Jahr von 3100 auf 4200 steigen; bis Ende 1990 sollen es 5400 sein. Für Adabas sagt Gartner nur ein Wachstum von 1665 Installationen im Jahr 1988 auf 1810 im laufenden und 1969 im nächsten Jahr voraus. Nimmt man Big Blues älteres DB-Produkt IMS hinzu, laufen dem Marktforschungsunternehmen zufolge rund fünfmal so viele Datenbanken mit IBM-Software wie mit SAG-Software. Und die Tendenz ist steigend.