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26.04.1996 - 

Konstruktion & Fertigung/CAD-Interessenten haben zwei Messen zur Auswahl

Engineering Data Management soll CAT zum Erfolg verhelfen

CW: Auf der CAT scheint es in den vergangenen Jahren ruhiger zuzugehen. Stiehlt Ihnen die CAD Open allmaehlich die Show?

Gehring: Bei der CAD Open handelt es sich um eine Hausmesse, waehrend die CAT eine Veranstaltung ist, die fuer alle Produktanbieter ein Forum darstellen soll.

CW: Im zweiten Jahr lockte die CAD Open 7500 Besucher in ihre Hallen, das entspricht 35 Prozent Zuwachs. Ausserdem verdoppelte sie ihre Ausstellerzahl auf 160. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird bald keiner mehr nach Stuttgart kommen.

Gehring: Wir konkurrieren nicht direkt, denn wir wollen mit der CAT ueber den Bereich der CAD Open hinaus und die Messe fuer die Fertigungsindustrie und den Baubereich sein, der bis hin zum Vermessungswesen reicht.

CW: Tatsache ist aber, dass von 1993 auf 1994 die CAT einen grossen Aussteller- und Besuchereinbruch erlitten hat, nicht zuletzt deshalb, weil Autodesk sich absonderte.

Gehring: Der ganze Markt hat sich in den letzten drei, vier Jahren veraendert. Viele Firmen mussten schliessen oder wurden uebernommen. Die Ausstellerzahl ist generell zurueckgegangen. Natuerlich muss sich eine Messe immer neu beweisen, muessen die Veranstalter das Konzept ueberdenken. Momentan bin ich noch gelassen, weil das Konzept der CAT-Fertigung und -Bau von den Zielgruppen her richtig ist. Wir haben es vor einem Jahr zusammen mit vielen Experten verfeinert. Ausserdem, was die Themen Fertigung und Maschinenbau betrifft, ist der Raum Stuttgart mit seinen Einzugsbereichen der optimale Standort in Deutschland.

CW: Warum hat sich Autodesk dann 1993 von der CAT getrennt?

Gehring: Autodesk hat seinerzeit eine neue Marketing-Strategie entwickelt. Das war weniger gegen die CAT gerichtet. Es ist die Firmenphilosophie der amerikanischen Mutter, den Kunden selbst zu betreuen. Damit steht die CAD Open aber fuer eine bestimmte Produktschiene.

CW: Waere es nicht praktischer, auch fuer die Messebesucher, die CAD Open in die CAT zu integrieren?

Gehring: Vor einem Jahr schlug ich das dem Autodesk- Geschaeftsfuehrer Dieter Hoefler vor, aber bisher konnte sich Autodesk nicht dazu entschliessen.

CW: Mit welchen Truempfen will die CAT im Juni 1996 aufwarten?

Gehring: Wir haben das Konzept in beiden Bereichen wesentlich erweitert und staerker auf die Zielgruppen ausgerichtet. Engineering Data Management (EDM) und Rapid Product Developement (RPD) sind die Highlights. Das Thema EDM wird bisher von keiner anderen Messe so intensiv unterstuetzt. Hier sind wir Vorreiter. Mit der NC Gesellschaft, Ulm, und dem Fraunhofer-Institut, Stuttgart, veranstalten wir ausserdem einen internationalen Kongress ueber Rapid Prototyping. Weitere Schwerpunkte sind Simulationstechniken.

CW: Den RPD-Kongress als Aushaengeschild hatten Sie doch schon letztes Jahr.

Gehring: Was Referenten und Strukturierung des Kongresses betrifft, haben wir einen grossen Schritt nach vorne getan. Es ist eine sehr aufwendige internationaler Veranstaltung, die uns sechsstellige Betraege kosten wird, die uns aber auch Besucher bringt, die wir sonst nicht erreichen wuerden.

CW: Sie forcieren dieses Jahr den Baubereich kraeftig. Verwandelt sich die CAT allmaehlich in eine bauspezifische Messe?

Gehring: Der CAT-Bauanteil ist zwar in den letzten Jahren sehr stark gewachsen, doch das Verhaeltnis von CAT-Bau zu -Fertigung liegt bei einem Drittel zu zwei Dritteln. Die CAT-Bau ist ein Unikat im Markt. In Deutschland existiert dazu praktisch keine Alternative. Mit dem Thema "Das technische Rathaus" wollen wir beispielsweise den Hochbauaemtern DV-Loesungen vorstellen, denn in der Staedteplanungspraxis gibt es grosse Defizite. Zusammen mit der Bauingenieur- und Architektenkammer werden Workshops zum Thema integrale Planung laufen. Das umfasst die Vernetzung aller am Bau Beteiligten. Weitere Schwerpunkte sind Vermessungsnetze, Prozessketten und der Datenaustausch im Baubereich.

CW: Welchen Besucher- und Ausstellerzuwachs erwarten Sie fuer 1996?

Gehring: Es geht nicht darum, Massen durchzuschleusen, die nicht die von den Ausstellern gewuenschte Qualitaet bringen. Ungefaehr 25000 hochkaraetige Besucher wie letztes Jahr waeren ein grosser Erfolg. Bei der Ausstellerzahl gehe ich davon aus, dass wir gegenueber 1995 ein leichtes Plus erreichen.

CW: Gerade im CAD-Bereich ist Virtual Reality (VR) in aller Munde. Die Praesentation soll ein lukratives Geschaeftsfeld fuer VR werden. Verdraengen virtuelle Veranstaltungen im Cyberspace ueber kurz oder lang die realen Messen?

Gehring: Ich halte VR in der Fertigung und anderen Bereichen fuer sehr wichtig. Die Messen selbst werden aber eher noch an Bedeutung gewinnen. Die Messe ist das einzige Marketing-Instrument, das den Kaeufer und Verkaeufer mit dem Produkt zusammen an einen Platz - einen Weltmarkt auf Zeit - bringt. Die direkte Moeglichkeit, rueckzufragen, anzufassen, die Vor- und Nachteile eines Produkts auch visuell oder durch Ausprobieren zu testen, laesst sich durch nichts ersetzen. VR kann vielleicht die Informationsverteilung auf der Messe verbessern oder Gespraeche unterstuetzen.

CW: Eine virtuelle Messe, zum Beispiel im Internet, ist fuer Sie also unrealistisch?

Gehring: Ich kann es mir zumindest nicht vorstellen. Im uebrigen gehen auch Marktforschungsinstitute wie Prognos davon aus, dass der Messemarkt um sechs bis sieben Prozent wachsen wird. *Hilde-Josephine Post ist freie Journalistin in Muenchen.