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06.02.1976

Engpässe für die Datenfernverarbeitung?

Die Zukunftsforscher wurden zurück auf den Teppich geholt: "Die Einführung eines allgemeinen öffentlichen Bildfernsprechens ist wegen der hohen finanziellen Investitionen und im Hinblick auf den wenig ausgeprägten Bedarf heute noch nicht zu rechtfertigen" empfahl die "Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems" (KTK), die den Auftrag hatte, Vorschläge für ein wirtschaftlich vernünftiges und gesamtgesellschaftlich wünschenswertes Kommunikationssystem für die Jahre 1985 bis 2000 zu erarbeiten. Mindestens 100 Milliarden Mark, wenn nicht gar 300 Milliarden Mark, würde der Aufbau eines entsprechenden Breitband-Vermittlungsnetzes für Individualverkehr kosten.

Der Telefon-Plausch mit Color-Bild findet so bald also wohl nicht statt. Folglich also auch nicht der individuelle Abruf spezieller Fernsehsendungen aus großen Programm-Datenbanken, ebenso nicht das individuelle Abspielen von Einkauf-Präsentationen oder von Lehrprogrammen mit bewegten Bildern. Das technisch Mögliche hat angesichts gesamtgesellschaftlicher Prioritäten seine Grenzen im Wirtschaftlichen.

Terminal im Wohnzimmer?

Damit ist aber keineswegs die Zukunft verbaut. Denn mit Ausnahme der Übertragung bewegter Bilder können alle Formen vermittelter Telekommunikation auf den bestehenden Fernsprech-Wählnetzen abgewickelt werden, also auch die Übermittlung fester Bilder (Kataloge, Tabellen) und ebenso individueller computerunterstützter Unterricht über das Terminal im Wohnzimmer.

Die 22 Kommunikations-Experten aus Parteien, Verbänden und Wissenschaftstellen fest, daß bei zu errichtenden Breitband-Verteilnetzen (Kabelfernsehen) für einen zusätzlichen, schmalbandigen, individuellen Rückkanal - etwa für Beurteilungen und für dezentrale Mitwirkung am Willensbildungsprozeß - ein gesamtgesellschaftlich positiv zu bewertender Bedarf besteht. Die Kommission schätzt, daß Einweg-Breitband-Vollverkabelung aller zusammenhängenden Wohngebiete Investitionen von etwa 25 Milliarden Mark erforderlich machen (Betriebskosten etwa 200 Mark pro Jahr und Teilnehmer). Der zusätzliche individuelle Rückkanal würde pro Anschluß 2000 bis 3000 Mark kosten.

Es sieht wohl so aus, als ob dieses Zwei-Weg-Konzept fürs Kabelfernsehen mit Rückkoppelung übers Fernsprechnetz durchaus Zukunftschancen hat.

Überlastete Fernmeldenetze

Eine zusätzliche Belastung des Fernmeldenetzes ist also durch folgende Techniken zu erwarten: Durch Festbild-Kommunikation mit Fernkopieren, Faksimile-Zeitung, Einzelbild auf Heimfernseher und durch Textkommunikation mit Bürofernschreiben und Bildschirmtext, ferner durch Rückkanäle im Breitband-Verteilnetz - das alles zusätzlich zur Datenfernverarbeitung, und das gleichzeitig bei Ausbau der Telefonanschlüsse von derzeit 54 Prozent aller Haushalte (USA: 97 Prozent) auf Vollversorgung.

Allein zur Realisierung des letztgenannten Ziels wären 60 Milliarden Mark (zu Preisen des Jahres 1975, einschließlich Ersatzinvestitionen) erforderlich -, etwa ebensoviel wie der Wert des bestehenden Fernmeldenetzes. Wenn die Vollversorgung, - allein - in den nächsten 10 bis 15 Jahren erreicht werden soll, müssen nach Berechnungen der KTK jährlich 5 bis 6 Milliarden Mark investiert werden. "Damit wird das Ausmaß der Investitionen im Bereich des Fernmeldenetzes um 1 bis 2 Milliarden Mark höher zu veranschlagen sein als dies in den fortgeschriebenen Prognosen der Deutschen Bundespost vorgeschrieben ist", kritisiert die Experten-Kommission.

Diese Kritik besteht wohl zu Recht. Zumindest dem 160seitigen Telekommunikationsbericht (acht Anlagebände werden folgen) sind keine Argumente zu entnehmen, die belegen, daß künftige Engpässe nicht ausgeschlossen werden können.