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Kolumne


12.04.2002 - 

"Entdeckt IBM alte Tugenden?"

Heinrich Vaske Chefredakteur CW

Unter Louis Gerstner hat sich IBM - aus der Not heraus - als offenes, modernes Unternehmen neu positioniert. Aufwändige Image-Kampagnen, in deren Mittelpunkt E-Business und Open Source standen, aber auch ein interner kultureller Wandel trugen dazu bei, dass Big Blue nicht mehr als rücksichtsloser Monopolist wahrgenommen wird. Der schwarze Peter ist an Microsoft übergegangen.

Die Klagen von Computer Associates und Compuware rücken das Geschäftsgebaren von Big Blue jedoch wieder in ein schiefes Licht. Wenn es stimmt, was die Wettbewerber behaupten, dann missbraucht IBM systematisch sein Monopol im Mainframe-Markt, um das Segment der Tools zu erobern. IBM soll von den Klägern Code entwendet und deren Urheberrechte verletzt haben. Ferner heißt es, IBMs Kundenbasis im Servicegeschäft werde systematisch davon abgehalten, Konkurrenzprodukte zu nutzen (siehe CW13/02, Seite 1).

Sicher: Compuware und CA ver-kaufen ihre Produkte teuer und gehen ebenfalls nicht zimperlich mit dem Wettbewerb um. Trotzdem erhärtet sich der Verdacht, dass IBM alte "Tugenden" in der Auseinandersetzung mit der Konkurrenz aufleben lässt. Dadurch würde Big Blue aber nicht nur den anderen, sondern letztendlich sich selbst schaden.

Im Gegensatz zu Microsoft ist das Unternehmen nicht in der komfortablen Lage, einen Markt so fest im Griff zu haben, dass es dort nach Belieben schalten und walten kann. Wenn der weltgrößte IT-Dienstleister anfängt, Servicekunden nur noch mit eigenen Produkten zu versorgen, um so ein doppeltes Geschäft zu machen, wird sich das in der Kundenakzeptanz rächen.

Insbesondere Neukunden werden sich zweimal überlegen, ob sie sich einem Dienstleister anvertrauen, der sie unter Umständen nur mit den zweit- und drittbesten Produkten bedient. Immerhin gibt es mit EDS, CSC oder Accenture Alternativen, deren Produktunabhängigkeit unbestritten ist. Wer will, bekommt dort Mainframe-Kapazität von IBM, Tools von Compuware und CA, Datenbanken von Oracle und den Application Server von Bea. Das alles scheint bei IBM nicht mehr selbstverständlich zu sein.

Verschärft IBM wegen rückläufiger Einnahmen und Gewinne (siehe Seite 8) nun die Gangart, wäre das von Gerstner mühsam aufgebaute Image binnen kürzester Zeit dahin. Als Servicekonzern ist der IT-Gigant aber auf das Vertrauen der Anwender angewiesen. Der Schaden wäre nicht wieder gutzumachen.