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14.08.2006

Enterprise 2.0: Kein Bedarf mehr an Beratern?

Neue Entwicklungen wie Software as a Service (SaaS) und Ajax reduzieren den Implementierungsaufwand.

"Bereiten Sie sich auf einen erneuten Paradigmen-Wechsel vor", rät der Brancheninformationsdienst Kennedy Information Services seinen Lesern, die vornehmlich aus der Beraterzunft kommen. Gemeint ist eine Entwicklung, die die Publikation als "Enterprise 2.0" bezeichnet, und die, so warnen die Autoren, werde die Consulting-Zunft mit voller Wucht treffen. Denn bereits heute verfügbare Betriebsmodelle für Anwendungen - etwa Software as a Service (SaaS) - sowie neue Web-2.0-Techniken werden bald unternehmensweite Standardapplikationen etwa von SAP und Oracle ersetzen.

Einführung, Pflege und Erneuerung der monolithischen ERP-Applikationen haben Beratern und Systemintegratoren in der Vergangenheit viel Arbeit und Geld beschert. Schätzungen zufolge haben Anwender pro Euro, den sie in den Kauf einer Softwarelizenz investiert haben, weitere sechs Euro an Dienstleister überwiesen. Einschließlich der Entwicklungsservices für die Anbindung der Applikationen an die Geschäftsprozesse der Fachbereiche ergibt sich ein zuverlässiger und gut vorhersehbarer Einnahmenstrom für Consulting-Häuser.

Software as a Service im Trend

Doch auch die klassischen Softwarehersteller integrieren zunehmend SaaS- und Web-2.0-Techniken in ihr Angebotsportfolio. Im Unterschied zum bisherigen Softwareeinsatz müssen sich Anwenderunternehmen nicht um Paketierung, Installation, Modifikation und Revisionen kümmern. Das alles erledigt der SaaS-Provider, der die Applikationen hostet und via Web-Techniken den Nutzern zur Verfügung stellt.

Bislang haben Berater und Systemintegratoren von neuen technischen Paradigmen stets profitiert. Das galt für den Wechsel von der zentralen, großrechnergestützen Datenverarbeitung zum Client-Server-Computing sowie für Neuerungen, die der Einzug des Internets in die Unternehmen mit sich brachte. Bei der derzeitigen Transforma- tion sind sich die Experten allerdings nicht sicher, ob sie eine Gefahr oder eine Herausforderung für die Consulting-Branche ist.

Jeff Kaplan, langjähriger Berater und heute Geschäftsführer bei Think-Strategies Inc., glaubt, die Entwicklung werde die Branche hart treffen. "Die neue Generation der SaaS-Alternativen läuft robust genug, um die Aufgaben der großen Brocken zu übernehmen, die die Consultants bislang eingeführt haben. Schauen Sie auf Salesforce.com. Das Unternehmen bietet eine effiziente Alternative zu Siebels Softwarelösungen und konnte sich damit viel schneller etablieren, als alle erwartet hatten."

Berater werden überflüssig

Und Rod Boothby, Management-Consultant bei Ernst & Young, ergänzt: "Berater, die an großen Implementierungen für CRM-Tools arbeiten, werden die ersten Betroffenen sein, weil sich mehr und mehr Unternehmen für einfache Lösungen wie Salesforce. com entscheiden. Auch Hedge-Fonds nutzen verstärkt Services wie GlobalOp, die Fonds-Managern komplette Back-Office-Lösungen bieten. Berater, die Handels- und Abrechnungen entwickeln, sind damit überflüssig."

Die neuen Techniken könnten dem IT-Stau ein Ende bereiten, mit dem sich die Nutzer seit Jahrzehnten plagen. Fachabteilungen müssten nicht mehr wochenlang warten, bis IT-Abteilungen oder Berater individuelle Lösungen entworfen und eingeführt haben. Das Interesse an den neuen Web-Techniken hat damit einen vergleichbaren Hintergrund, wie der Erfolg des PC vor knapp zwanzig Jahren. Auch damals haben sich die Fachabteilungen ohne Abstimmung mit der zentralen IT eigene Desktops und Server installiert, weil sie nicht auf die behäbige zentrale Datenverarbeitung warten wollten.

Ohne Zweifel ändert dieser Trend die Arbeit und das Geschäft der Berater. Offen ist allein, wie schnell sich der Wandel einstellt. Joe Kraus, CEO des wiki-basierenden Online-Dienstes JotSpot, erwartet kurzfristig keine tief greifenden Änderungen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen die neuen Möglichkeiten aber auf breiter Front Einzug in die Unternehmen halten: "Meistens überschätzen wir die kurzfristigen Auswirkungen neuer Verfahren, ihre langfristige Bedeutung wird dagegen unterschätzt." (jha)